Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkankungen

Endometriose-Betroffene leiden häufig unter weiteren Erkrankungen, sogenannten Komorbiditäten, und begleitenden Beschwerden. Sie treten zusätzlich zur Grunderkrankung Endometriose auf. Komorbiditäten und Begleitbeschwerden können direkt zusammenhängen, eine Folge der Endometriose oder ihrer Behandlung sein – oder auch eigenständige, aber häufig gleichzeitig auftretende Erkrankungen. Die Seite gibt einen Überblick über häufige Begleitbeschwerden und -erkrankungen und erklärt, weshalb ein multimodaler Behandlungsansatz so wichtig ist.

Was sind begleitende Beschwerden und Erkrankungen bei Endometriose?

Endometriose tritt selten isoliert auf, sondern wird häufig von weiteren gesundheitlichen Problemen begleitet. Unter begleitenden Beschwerden und Erkrankungen verstehen wir gesundheitliche Beeinträchtigungen, die zusätzlich zur Grunderkrankung Endometriose auftreten. Sie können:

  • direkt mit der Endometriose in Zusammenhang stehen,

  • eine Folge der Erkrankung oder ihrer Behandlung sein,

  • oder eigenständige, aber häufig gleichzeitig auftretende Diagnosen darstellen.

Statt klar abgrenzbarer Symptome zeigt sich häufig ein komplexes Geflecht aus körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen, die miteinander in Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Dieses Zusammenspiel macht die Diagnostik und Therapie oft herausfordernd – aber gerade deshalb ist das Verständnis dieser Zusammenhänge entscheidend für eine wirksame Versorgung.

Das biopsychosoziale Modell – ein Schlüssel zum Verständnis

Ein hilfreiches Erklärungsmodell ist das biopsychosoziale Modell. Es geht davon aus, dass Gesundheit und Krankheit das Ergebnis eines Zusammenspiels biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren sind. Im Fall der Endometriose bedeutet das:

  • Biologische Ebene: Entzündungsprozesse, Verwachsungen, hormonelle Dysregulation und chronischer Schmerz

  • Psychologische Ebene: Erschöpfung, depressive Verstimmungen, Angst, Hilflosigkeit, negative Körperwahrnehmung

  • Soziale Ebene: Isolation, Belastungen im Arbeitsleben [1] oder Partnerschaft, gesellschaftliche Tabuisierung

Dieses Modell bildet die Grundlage dafür, Endometriose nicht nur als organische Erkrankung, sondern in ihrem multidimensionalen Kontext zu begreifen [2, vgl. S.1].

Ein wesentlicher Aspekt ist die Schmerzverarbeitung. Chronische Schmerzen – etwa durch dauerhafte Beckenschmerzen – beeinflussen nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern auch die psychische Stabilität und soziale Teilhabe. Studien zeigen bei Betroffenen ein erhöhtes Stressniveau, eine signifikant höhere Prävalenz von Depressionen und Angststörungen und belastete Beziehungen [2, vgl. S.1] [3, vgl. S.122]. 

Psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angststörungen treten bei Endometriose-Betroffenen signifikant häufiger auf. Diese Belastungen betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern wirken sich auch auf deren Partnerschaften aus [4, vgl. S. 10]. 

 

Warum sind begleitende Beschwerden so relevant?

Psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen, Ängste oder Traumafolgestörungen sind bei Endometriose-Betroffenen signifikant häufiger zu beobachten. Aber auch neurovegetative, hormonelle und gastrointestinale Symptome (z. B. Reizdarm, Migräne, Erschöpfung) treten häufig auf.

Diese Symptome:

  • erschweren die Diagnostik,

  • führen häufig zu Fehlinterpretationen („psychosomatisch“, „nervlich bedingt“),

  • und machen eine multidisziplinäre Versorgung notwendig.

Auch die Partnerschaft oder das soziale Umfeld können stark belastet sein. Eine rein medizinisch-gynäkologische Betrachtung greift deshalb oft zu kurz.

Somit sind eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte der Erkrankung berücksichtigen, von äußerster Wichtigkeit. Eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Ärzt*innen und gegebenenfalls Psychotherapeut*innen kann dabei helfen, die Schmerz- und die psychischen Belastungen zu reduzieren.

Multimodaler Therapieansatz – mehr als eine Fachrichtung

Die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Endometriose und ihren Begleiterscheinungen erfordern ein ganzheitliches therapeutisches Vorgehen. Die aktuelle S2k-Leitlinie bestätigt, dass bei vielen Betroffenen weitere unspezifische, organisch nicht erklärbare Beschwerden bestehen – insbesondere im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen [3, vgl. ab S.136]. 

Ein effektiver Behandlungsansatz sollte daher verschiedene Ebenen einbeziehen:

  • Biologisch: Behandlung der Endometrioseherde, Hormontherapie, Schmerzmedikation

  • Psychologisch: Psychotherapie, Schmerzbewältigung, Umgang mit Erschöpfung, Körperbildarbeit

  • Sozial: Unterstützung im Alltag, Partnerschaft, Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe

Dieses multimodale Vorgehen bildet die Grundlage der folgenden Themenseiten.

Themenseiten zu häufigen Begleiterkrankungen und Beschwerden

Die nachfolgenden Seiten beleuchten verschiedene Komorbiditäten und Begleitbeschwerden, die in engem Zusammenhang mit Endometriose stehen können. Sie enthalten Fachinformationen, Aussagen von Expert*innen sowie praxisorientierte Hinweise.

Alle Fachgespräche können auch als Videoreihe in unserem YouTube-Kanal nachgeschaut werden.

 

Komorbiditäten

 

Endometriose und Depression

Depressive Erkrankungen treten bei Endometriose überdurchschnittlich häufig auf und stehen in engem Zusammenhang mit chronischem Schmerz, Entzündung, hormonellen Veränderungen und psychosozialer Belastung. Die Themenseite zeigt, wie sich körperliche und seelische Mechanismen gegenseitig beeinflussen und warum eine interdisziplinäre, ganzheitliche Behandlung entscheidend ist.

 

Endometriose und Fibromyalgie

Endometriose und Fibromyalgie können gemeinsam auftreten – mit überlappenden Symptomen wie chronischem Schmerz, Schlafstörungen und Erschöpfung. Die Themenseite erläutert, wie sich beide Erkrankungen gegenseitig beeinflussen und welche Rolle zentrale Schmerzverarbeitung und Lebensstilfaktoren spielen.

 

Endometriose und Lichen sclerosus

Lichen sclerosus ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung im Genitalbereich, die bei Endometriose-Betroffenen häufiger vorkommen kann. Die Themenseite erklärt Gemeinsamkeiten, mögliche Wechselwirkungen und wie eine koordinierte Behandlung Haut und Schleimhäute schützt.

 

Endometriose und Lipödem

Lipödem und Endometriose sind zwei chronische Erkrankungen, die sich in Symptomen wie Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen überschneiden können. Die Themenseite zeigt, wie beide Diagnosen voneinander abgegrenzt werden und welche Therapieansätze sich ergänzen lassen.

 

Endometriose und Migräne

Migräne tritt bei Endometriose-Betroffenen überdurchschnittlich häufig auf – insbesondere zyklusabhängig. Die Themenseite zeigt, wie hormonelle Schwankungen, Schmerzbotenstoffe und Therapien ineinandergreifen können.

 

Endometriose und PCOS

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) und Endometriose sind unterschiedliche hormonelle Erkrankungen, die sich in Symptomen, Fruchtbarkeitsfragen und Stoffwechselprozessen überschneiden können. Die Themenseite erläutert Gemeinsamkeiten, Unterschiede und therapeutische Besonderheiten – insbesondere im Hinblick auf Zyklusstörungen, Hormontherapie und Kinderwunsch.

 

Endometriose und Reizdarmsyndrom

Reizdarm-Symptome wie Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen treten bei Endometriose häufig auf – teils unabhängig von der Periode. Die Themenseite beleuchtet Überschneidungen in der Diagnostik, neuro-immunologische Mechanismen und individuelle Ernährungskonzepte.

 

Begleitbeschwerden

 

Endometriose und Chronische Schmerzen

Viele Menschen mit Endometriose entwickeln anhaltende Schmerzen, die sich durch Entzündung, Nervenbeteiligung und zentrale Schmerzverarbeitung verstärken. Die Themenseite erklärt die Mechanismen der Schmerzchronifizierung und zeigt, wann eine multimodale, interdisziplinäre Therapie notwendig wird.

 

Endometriose und Fatigue

Fatigue ist ein häufiges, aber oft unterschätztes Begleitsymptom bei Endometriose. Die Themenseite erklärt, wie Entzündungen, Energiemangel und Stressbelastung zusammenspielen und welche Faktoren Erschöpfung verstärken oder lindern können.

 

Endometriose und Unfruchtbarkeit

Endometriose kann die Fruchtbarkeit auf verschiedenen Ebenen beeinflussen – von Entzündungsprozessen über Eizellqualität bis hin zur Implantation. Die Themenseite gibt einen Überblick über diagnostische Faktoren, Therapieoptionen und psychosoziale Aspekte bei unerfülltem Kinderwunsch.

 

Endometriose und Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Viele Betroffene berichten über Unverträglichkeiten gegenüber Gluten, Laktose, Histamin oder FODMAPs. Die Themenseite klärt, wie sich temporäre Reaktionen von echten Intoleranzen unterscheiden und warum langfristige Einschränkungen nicht immer zielführend sind.

 

Endometriose und Verdauungsbeschwerden

Viele Betroffene leiden unter Diarrhoe (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung) – oft zyklusabhängig und schwer vom Reizdarmsyndrom abzugrenzen. Die Themenseite zeigt, wie diese Beschwerden eingeordnet werden und welche Ansätze bei Diagnose und Ernährung helfen können.

FAQ - Begleitende Beschwerden und Erkrankungen bei Endometriose

Neben typischen Symptomen wie Regelschmerzen oder Schmerzen beim Sex berichten viele Betroffene auch über Erschöpfung, Magen-Darm-Probleme, Rückenschmerzen, Blasenbeschwerden, Kopfschmerzen sowie psychische Belastungen. 

Die Erkrankung kann verschiedene Organe betreffen und chronische Entzündungsprozesse auslösen. Auch hormonelle Veränderungen, Schmerzverarbeitung im Nervensystem und Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen spielen eine Rolle. 

Studien zeigen, dass bei Endometriose folgende Erkrankungen gehäuft vorkommen: 

  • Reizdarmsyndrom (IBS) 
  • Interstitielle Zystitis (Blasenschmerzsyndrom) 
  • Fibromyalgie 
  • Schilddrüsenerkrankungen 
  • Migräne 
  • Depressionen, Angststörungen 
  • Chronische Fatigue / ME/CFS 
  • Autoimmunerkrankungen 

Wenn bestimmte Beschwerden trotz erfolgreicher Endometriose-Therapie bestehen bleiben oder sich verändern, sollte ärztlich geprüft werden, ob eine weitere Erkrankung vorliegt – idealerweise interdisziplinär. 

Führe ein Symptomtagebuch und sprich gezielt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Fachüberweisungen z. B. zur Gastroenterologie, Urologie, Schmerzmedizin oder Psychosomatik können sinnvoll sein. 

Leider nein. Viele Begleiterkrankungen bleiben lange unentdeckt. Eine spezialisierte Abklärung in Endometriose-Zentren oder durch erfahrene Fachärzt*innen ist ratsam – gerade bei komplexen Verläufen. 

Ja, das ist möglich. Dauerhafte Schmerzen können zu Depressionen, Ängsten oder Erschöpfung führen. Auch diese Beschwerden sollten ernst genommen und behandelt werden. 

Ja. Manche zertifizierten Endometriose-Zentren bieten interdisziplinäre Sprechstunden an. Eine Übersicht über alle zertifizierten medizinischen Endometriose-Einrichtungen findest du hier.  

Strukturierte Tagesabläufe, bewusste Pausen, Stressbewältigung und psychologische Unterstützung können entlasten. Auch Bewegung, Ernährung und Austausch mit anderen Betroffenen sind hilfreich. 

Wir bieten Beratung, Veranstaltungen und Selbsthilfegruppen. Auch psychosoziale Beratungsstellen und spezialisierte Therapeutinnen und Therapeuten sind gute Anlaufstellen. 

Ja. Viele Betroffene finden ergänzend zu medizinischer Therapie Hilfe durch z. B. Physiotherapie, Ernährungsberatung, Akupunktur, Yoga oder psychologische Begleitung. Wichtig: Immer individuell abstimmen lassen. 

Die Psyche beeinflusst das Schmerzempfinden – und umgekehrt können Schmerzen die psychische Gesundheit belasten. Es lohnt sich, diesen Zusammenhang ernst zu nehmen und ganzheitlich zu behandeln. 

Ja, aber die Symptome können sich ähneln. Eine genaue Diagnostik durch Gastroenterologinnen oder Gastroenterologen hilft, die Ursachen von Bauchschmerzen, Durchfällen oder Blähungen besser einzuordnen. 

Einige Studien zeigen Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Endometriose und Autoimmunerkrankungen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht abschließend erforscht. 

Referenzen

    1. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2023). Bericht: Endometriose und Arbeit – eine Herausforderung für Betroffene und Arbeitgeber. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. [Online]. Verfügbar unter: https://www.endometriose-vereinigung.de/2023_10_11_bericht-endo-und-arbeit/ [abgerufen am 27.02.2026]. 

    2. CME Medipoint (2024). Schmerzen bei Endometriose – Diagnostik und Therapieoptionen. CME Fortbildung [Online]. Verfügbar unter: https://cmemedipoint.de/wp-content/uploads/2024/10/4418_Schmerzen_CME.pdf [abgerufen am 27.02.2026]. 

    3. AWMF (2025). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Endometriose. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. [Online]. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-045 [abgerufen am 27.02.2026]. 

    4. Universitätsklinikum Heidelberg (2023). Zweijahresbericht 2021–2022: Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen. Universitätsklinikum Heidelberg [Online]. Verfügbar unter: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/frauenklinik/Gyn_Endokrinologie/images/PDF/zweijahresbericht_2021-22_abt_gyn_endokrinologie_und_fertilitaetsstoerungen.pdf [abgerufen am 27.02.2026]. 

Danke

Unsere Themenreihe „Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkrankungen" im Rahmen unserer 29. Jahrestagung ist uns ein Herzensanliegen: Wir wollen Raum schaffen für Wissen, Austausch und neue Perspektiven auf die vielfältigen Begleiterscheinungen von Endometriose.

Unser besonderer Dank gilt dem AOK Bundesverband, der mit seiner Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Themenreihe im Rahmen der Jahrestagung möglich zu machen. 

Ein herzliches Dankeschön auch an alle Mitwirkenden, die mit ihrem Wissen, Engagement und Herzblut diese Themenreihe gestaltet haben!

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