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Endometriose ist politisch!

Endometriose ist nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschafts- und gleichstellungspolitisches Thema. Zahlreiche politische Entscheidungen, wie etwa in den Bereichen Gesundheit, Forschung, Arbeit und Bildung, beeinflussen die Lebensrealität von Betroffenen direkt oder indirekt. Unser Ziel ist eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung und Sichtbarkeit von Endometriose-Betroffenen in Deutschland. Dafür setzen wir uns auf kommunaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene ein.

Wieso ist Endometriose politisch?

Endometriose ist eine schwerwiegende und komplexe Erkrankung, und auch gar nicht so selten: Etwa eine von zehn Frauen im gebärfähigen Alter ist betroffen. In Deutschland sind das statistisch etwa zwei Millionen Menschen. Trotzdem ist die medizinische Versorgung für Betroffene oft unzureichend und die Datenlage mangelhaft.  

Hinzu kommen tiefsitzende strukturelle Herausforderungen, etwa der Gender Health Gap, der Gender Data Gap, die Stigmatisierung von Menstruation oder die Normalisierung von Menstruationsschmerzen, die Betroffenen den Zugang zu adäquater Unterstützung erschweren.  

Die Lösungen für diese Herausforderungen sind politischer Natur. Als Gesellschaft müssen wir uns überlegen, wie wir Endometriose-Betroffene am besten unterstützen können, z. B. durch besseren Zugang zu medizinischen Behandlungen, Aufklärung der breiten Öffentlichkeit, Schulung von medizinischem Fachpersonal oder die finanzielle Förderung von Endometriose-Forschung.  

Um dies zu erreichen, arbeitet die Endometriose-Vereinigung Deutschland daran, Endometriose in Politik und Gesellschaft bekannter zu machen. Unser Ziel ist es, politische Handlungsbedarfe aufzuzeigen, gezielt zu kommunizieren und zusammen mit einem Netzwerk aus Politiker*innen, Fachärzt*innen, Betroffenen und anderen Partnern passende Lösungsvorschläge zu erarbeiten.  

Endometriose - ein vielfältiges Politikfeld

Das Thema Endometriose lässt sich nicht auf einer einzigen Politikebene oder in einem einzelnen Politikbereich ansiedeln. Wir engagieren uns als politische Interessenvertretung daher auf kommunaler, Landes-, Bundes- und internationaler Ebene und arbeiten über mehrere Politikresorts hinweg. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb der klassischen Politik, wie beispielsweise dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Verwaltungsbehörden oder anderen zivilgesellschaftlichen Verbänden und Vereinen.  

Endometriose betrifft viele Lebensbereiche von Betroffenen und ist daher nicht nur ein gesundheitspolitisches Thema. Auch Arbeitspolitik, Sozialpolitik, Forschungspolitik oder Bildungspolitik kann Endometriosepolitik sein – beispielsweise wenn es um die Verteilung von Fördergelder, die Inhalte von Lehrplänen und Weiterbildungsangeboten, oder den Zugang zu Aufklärungsmaterial geht.

Warum brauchen wir eine Nationale Endometriose-Strategie? 

Endometriose ist ein komplexes politisches und gesellschaftliches Thema und muss daher über verschiedene Politikebenen und Politikresorts hinweg angegangen werden. In den letzten Jahren hat sich bereits einiges getan:  

  • Seit November 2021 vertritt Natascha Lowitzki als Patient*innen-Vertretung die Interessen von Endometriose-Betroffenen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Weitere Informationen gibt es in unserem Blogbeitrag.
  • Im November 2022 fand zum ersten Mal ein Koalitionsfachgespräch zum Thema Endometriose statt. Weitere Informationen gibt es in unserem Blogbeitrag.
  • Die ersten Diskussionen im Bundestag von Anträgen zu Endometriose folgten im September 2023. Weitere Informationen gibt es in unserem Blogbeitrag.
  • Im September 2024 starteten fünf neue, vom Bund finanzierte Forschungsprojekte zu Endometriose. Weitere Informationen gibt es in unserem Blogbeitrag.

 Trotz dieser wichtigen ersten Schritte schreitet die Verbesserung der Versorgungslage für Betroffene nur langsam und lückenhaft voran. Ein langfristiger, nachhaltiger und zielführender Ansatz ist daher der Aufbau einer Nationalen Endometriose-Strategie, die notwendige Maßnahmen verschiedener Politikfelder und Akteure bündelt und deren Umsetzung festschreibt.  

Der politische Handlungsbedarf, der sich aus der jahrzehntelangen Vernachlässigung ergibt, ist vielschichtig und komplex: Endometriose ist nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem und betrifft gleichermaßen Bildung, Forschung, Arbeit, Soziales sowie Frauen und Familie. Relevante Politikressorts müssen auf mehreren Ebenen zusammenarbeiten, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern.  

 

Vorschlagspapier für eine Nationale Endometriose-Strategie

 

Von zentraler Bedeutung ist zudem die Einbindung medizinischer und wissenschaftlicher Fachgesellschaften sowie der Endometriose-Vereinigung Deutschland als bundesweiter Betroffenenverband in den Aufbau der Strategie. 

 

 

Die Idee einer Nationalen Endometriose-Strategie ist nicht neu, denn andernorts ist Endometriose längst ein Thema auf der politischen Agenda. Frankreich hat einen Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Endometriose verabschiedet und will damit zur führenden Nation im Kampf gegen Endometriose werden – neben Australien, das bereits 2018 eine fünfjährige nationale Strategie verabschiedet hatte. 

Genauere Informationen zu politischen Handlungsbedarfen finden sich in unserem Vorschlagspapier für eine Nationale Endometriose-Strategie für Deutschland.