Was ist Unfruchtbarkeit?
Unfruchtbarkeit – die sogenannte „Infertilität“ – wird nach Definition der WHO festgestellt, wenn es bei regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten nicht zu einer Schwangerschaft kommt.
Diese Definition gilt unabhängig vom Alter, was in der Praxis jedoch kritisch gesehen wird. Denn insbesondere ab dem 35. Lebensjahr sinkt die natürliche Fruchtbarkeit deutlich. Zeit wird dann zu einem entscheidenden Faktor bei der Diagnostik und Therapie.
Die Diagnose „Infertilität“ ist häufig die Voraussetzung für Kostenübernahmen von reproduktionsmedizinischen Leistungen durch Krankenkassen. Eine medizinisch diagnostizierte Unfruchtbarkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist – auch nicht bei Endometriose.
Wie beeinflusst Endometriose die Fruchtbarkeit?
Endometriose kann auf mehreren Ebenen die natürliche Fruchtbarkeit einschränken. Laut Prof. Krüssel spielen dabei sowohl mechanische als auch hormonelle und immunologische Faktoren eine Rolle. Je nach Ausprägung und Lokalisation sind die Auswirkungen unterschiedlich stark.
Mögliche Mechanismen, durch die Endometriose die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann:
- Verklebungen oder Fehlstellungen können den Transport der Eizelle blockieren
- Die Eizelle kann nicht mehr zuverlässig aufgefangen oder weitergeleitet werden
- Entzündungsprozesse und Botenstoffe aus Endometriose-Herden können die Gebärmutterschleimhaut so verändern, dass sich ein Embryo schlechter einnistet
- Endometriose-Zysten (Endometriome) im Eierstock können die Qualität der Eizellen negativ beeinflussen
- Besonders schwierig zu behandeln
- Kann lokal die Einnistung behindern
- Medikamentöse Behandlung oft nicht mit Kinderwunsch vereinbar
- Eine Schwangerschaft ist dennoch möglich, aber mit reduzierter Wahrscheinlichkeit
Trotz allem gilt: Endometriose und / oder Adenomyose schließen eine Schwangerschaft nicht aus.
Weitere Informationen zu Unfruchtbarkeit und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel.
Wie wird Unfruchtbarkeit diagnostiziert?
Wenn es trotz Kinderwunsch über einen längeren Zeitraum nicht zu einer Schwangerschaft kommt, folgt in vielen Fällen die Überweisung in ein reproduktionsmedizinisches Zentrum. Die Diagnostik erfolgt dort strukturiert und meist standardisiert in mehreren Schritten, immer unter Einbezug beider Partner*innen.
Ablauf der Diagnostik bei der Frau (sowie Personen, die sich nicht als Frau fühlen, aber mit einem weiblichen Chromosomensatz (46 XX) geboren wurden):
Zyklusbeginn (Tag 2–5):
Blutuntersuchung: u. a. FSH, LH, Östrogen, Progesteron, Anti-Müller-Hormon (AMH), Schilddrüsen- und männliche Hormone
Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, Gebärmutter, evtl. sichtbare Zysten (z. B. Endometriome)
Eisprungphase:
Kontrolle der Eizellreifung durch Ultraschall und Blutuntersuchung
Ggf. medikamentöse Auslösung des Eisprungs
Nach dem Eisprung (optional):
Kontrolle der Spermienbeweglichkeit im Gebärmutterhals (Post-Koitus-Test)
Ergänzende Untersuchungen (je nach Befund):
-
Hysterokontrastsonographie (HyCoSy): Beurteilung der Eileiterdurchgängigkeit ohne Narkose
-
Laparoskopie (Bauchspiegelung): wenn starker Endometriose-Verdacht oder unklare Befunde vorliegen
Diagnostik beim Mann (sowie Personen, die sich nicht als Mann fühlen, aber mit einem männlichen Chromosomensatz geboren wurden):
-
Zwei Spermiogramme im Abstand von zwei bis drei Wochen, da diese stark schwanken können
-
Andrologische Untersuchung bei Auffälligkeiten
Fachbereiche & Zusammenarbeit bei Endometriose und Kinderwunsch
Bei bestehender oder vermuteter Endometriose wird die Diagnostik individuell angepasst, insbesondere, wenn bereits Voroperationen oder auffällige Befunde bekannt sind. Dabei ist interdisziplinäre Zusammenarbeit zentral:
-
In spezialisierten Endometriose-Zentren arbeiten Gynäkologie, Reproduktionsmedizin und ggf. Chirurgie Hand in Hand
-
Umgekehrt kann bei einem Erstbefund im Kinderwunschzentrum eine gezielte Überweisung ins Endometriose-Zentrum sinnvoll sein, z. B. zur Beurteilung operativer Optionen
Therapie bei Endometriose und unerfülltem Kinderwunsch
Die Behandlung von Endometriose im Kontext eines unerfüllten Kinderwunsches erfordert eine individuelle und sorgfältige Abwägung. Nicht jede Maßnahme, die grundsätzlich medizinisch sinnvoll erscheint, ist in der Kinderwunschphase auch empfehlenswert. Einige Behandlungsoptionen können sogar die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, etwa durch eine Schädigung der Eizellreserve.
Endometriose operieren – nur mit Bedacht
-
Operationen am Eierstock (z. B. Entfernung von Endometriose-Zysten) können die Eizellreserve dauerhaft schädigen, da bei jedem Eingriff auch gesundes Gewebe betroffen ist.
-
Eingriffe sollten im Kinderwunschkontext nur dann erfolgen, wenn:
-
sie zwingend notwendig sind (z. B. bei starken Schmerzen oder eingeschränkter Punktionsmöglichkeit für IVF)
-
pathologische Flüssigkeit in verschlossenen Eileitern die Einnistung behindert
-
-
Routine-Operationen ohne klaren Nutzen für die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit sollten vermieden werden.
Wichtig: Eine operative Behandlung von Endometriose wird in der Kinderwunschbehandlung nicht pauschal empfohlen, sondern individuell abgewogen. Leitlinien raten bei milden oder symptomfreien Verläufen von vorschnellen Eingriffen ab.
Reproduktionsmedizinische Therapiemöglichkeiten
Je nach individuellem Befund kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage:
Gezielte Bestimmung des Eisprungs und Empfehlung zum Geschlechtsverkehr, unterstützt durch ggf. hormonelle Zyklusregulierung.
Aufbereitung der Spermien und Übertragung in die Gebärmutter zum optimalen Zeitpunkt.
-
Nur bei bestimmten Indikationen sinnvoll (z. B. leicht eingeschränkte Spermienqualität)
-
Erfolgschancen:
-
ca. 15 % pro Zyklus bei Frauen unter 35
-
ca. 8 % bei über 40-Jährigen
-
Stimulation des Eizellwachstums, Entnahme der Eizellen und Befruchtung im Labor:
-
IVF (In-vitro-Fertilisation): Eizelle + viele Spermien werden zusammengebracht
-
ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion): Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert (bei eingeschränkter Spermienqualität)
Ablauf:
-
Hormonelle Stimulation über 10–14 Tage mit engmaschiger Kontrolle
-
Eizellentnahme unter Kurznarkose
-
Kultivierung der Embryonen über mehrere Tage
-
Embryotransfer: Der Embryo wird über einen dünnen Schlauch in die Gebärmutter gebracht. In der Regel wird nur ein Embryo transferiert, um Risiken durch Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden.
Die Chancen auf eine Einnistung sind bei Endometriose- oder Adenomiose-Patient*innen geringer als bei Betroffenen ohne diese Diagnosen. Dennoch bleiben die Erfolgsaussichten grundsätzlich gut, insbesondere bei frühzeitiger Diagnostik und Behandlung
Ausführliche Daten zur künstlichen Befruchtung, einschließlich spezifischer Auswertungen zu Endometriose – stellt das Deutsche IVF-Register (DIR) jährlich zur Verfügung. Das aktuelle Jahrbuch des IVF-Registers ist online frei zugänglich und bietet eine gute Orientierung zu Erfolgsraten und Einflussfaktoren in der Reproduktionsmedizin.
Social Freezing – Eizellen vorsorglich einfrieren
Das sogenannte „Social Freezing“ bietet insbesondere für jüngere Endometriose-Betroffene eine mögliche Verbesserung der Chancen für den späteren Kinderwunsch. Eizellen können in jüngerem Alter entnommen und unbefruchtet eingefroren werden. So bleibt die Eizellqualität unabhängig vom Alter erhalten.
Social Freezing ist eine Selbstzahlerleistung und keine Garantie für eine spätere Schwangerschaft, jedoch eine vorsorgliche Option, die individuell abgewogen werden sollte. Bei anstehender Operation am Eierstock können die Kosten für das Einfrieren der Eizellen von der Krankenkasse übernommen werden, weil die Operation zu den potenziell keimzellschädigenden Behandlungen gehört. Man spricht dann von „Medical Freezing“. Die Kosten für eine spätere künstliche Befruchtung richten sich nach den gleichen Kriterien wie in allen anderen Fällen.
Weitere Informationen zu Unfruchtbarkeit und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel.
Psychosoziale Begleitung und Unterstützungsangebote
Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt für viele betroffene Paare nicht nur eine medizinische Herausforderung dar, sondern auch eine erhebliche emotionale Belastung. Besonders in Kombination mit einer Endometriose- oder Adenomyose-Diagnose entstehen für Betroffene häufig Unsicherheiten, Sorgen und Ängste. Der Druck, die hohe Erwartungslast und die körperlichen Belastungen durch hormonelle Behandlungen können zu einer deutlichen psychischen Erschöpfung führen und werden von vielen als belastender erlebt als die medizinischen Eingriffe selbst.
Auch wenn viele Betroffene versuchen, mit diesen Belastungen zunächst allein oder im privaten Umfeld umzugehen, kann professionelle Unterstützung helfen, emotionale Ressourcen zu stärken, Entscheidungen zu erleichtern und Belastungen zu mindern.
Typische Belastungsfaktoren im Kinderwunschkontext sind:
-
Emotionale Anspannung durch langanhaltende Unsicherheit, Hoffnung und Enttäuschung
-
Sozialer Druck im privaten Umfeld oder durch gesellschaftliche Erwartungen
-
Partnerschaftliche Herausforderungen durch unterschiedliche Verarbeitungsweisen
- Belastung der (partnerschaftlichen) Sexualität
-
Psychische Belastung durch invasive Behandlungen, hormonelle Therapien oder Operationen
-
Angst vor dem Scheitern, insbesondere bei gleichzeitiger Endometriose-Diagnose
Unser Beratungsangebot
Um betroffene Personen gezielt zu unterstützen, bieten wir:
-
Kostenfreie psychosoziale Einzelberatungen zum Thema Kinderwunsch und Endometriose
-
Eine überregionale virtuelle Selbsthilfegruppe „Kinderwunsch & Endometriose“ zum Austausch mit anderen Betroffenen
Die Erfahrung zeigt: Viele Menschen zögern, sich Hilfe zu holen, doch gerade niedrigschwellige Angebote können dabei unterstützen, emotionale Stabilität wiederzufinden und neue Wege zu entwickeln.
Wir finanzieren unsere kostenlosen Endometriose-Beratungen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Unterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Mitgliedschaft oder Spende!
Aus der Community: Eure Fragen – Prof. Krüssel antwortet
Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel ist Professor für Reproduktionsmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dort leitet er das Interdisziplinäre Zentrum für Reproduktionsmedizin (UniKiD), das er 2004 gegründet hat und das heute zu den größten universitären IVF-Zentren im deutschsprachigen Raum zählt. Über seine Arbeit informiert er zusätzlich auch auf seinem Instagram-Kanal.
Im Anschluss an das Gespräch beantwortete er Fragen aus der Community zu Kinderwunsch bei Endometriose und Adenomyose. Seine Einschätzungen geben Einblicke in individuelle Behandlungssituationen sowie in Möglichkeiten und Grenzen moderner reproduktionsmedizinischer Verfahren, teils auch zu neueren oder umstrittenen Methoden.
Hier kommen hormonelle Langzeittherapien mit Gestagenen infrage. Diese unterdrücken die Erkrankung und können helfen, Symptome zu kontrollieren, bis ein Kinderwunsch besteht. Andere Maßnahmen (z. B. Ernährung) zeigen bislang keine gesicherte Wirkung auf die spätere Fruchtbarkeit.
Nicht direkt. Gestagene beeinträchtigen die Eizellqualität nicht. Nach Absetzen kehrt der Zyklus meist schnell zurück. Ein relevanter Einfluss entsteht aber durch den Zeitfaktor: Wer lange nicht versucht schwanger zu werden, wird älter und das allein kann die Fruchtbarkeit verringern.
Die sogenannte Down-Regulation, z. B. durch GnRH-Agonisten, versetzt den Körper künstlich in die Wechseljahre und senkt dadurch die Hormonproduktion. Sie kann die Adenomyose (und auch Endometriose) kurzfristig unterdrücken. Allerdings zeigen aktuelle Leitlinien (z. B. der ESHRE) keinen klaren Nutzen für die Verbesserung der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Daher sollte sie nur individuell und für maximal zwei bis drei Monate erwogen werden.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine OP verbessert nicht zwingend die Einnistungschancen. Wenn die Eizellen bereits außerhalb des Körpers befruchtet wurden, ist der Einfluss begrenzt. Nur bei sehr ausgeprägten Befunden kann eine OP individuell sinnvoll sein.
Laut aktuellen Empfehlungen sollte direkt versucht werden, schwanger zu werden, wenn ein Kinderwunsch besteht, ohne hormonelle Pause. Eine zeitnahe Umsetzung verbessert die Chancen, weil die Endometriose wieder aktiv werden kann.
Nur wenn am Eileiter operiert wurde. Verwachsungslösende Eingriffe können das Risiko eher senken. Narben am Eileiter durch frühere OPs hingegen können es erhöhen.
Leicht, vor allem durch entzündliche Veränderungen und Verwachsungen. Der Hauptrisikofaktor für frühe Fehlgeburten bleibt jedoch das Alter der Eizellen. Ab etwa 32 Jahren steigt das Risiko exponentiell, mit oder ohne Endometriose.
Die Schwangerschaft wirkt meist lindernd auf Endometriosebeschwerden. Schmerzmittel sollten in der Frühschwangerschaft nur zurückhaltend eingesetzt werden. Bei weiterbestehenden Beschwerden ist die behandelnde Gynäkologin die erste Ansprechpartnerin. Prof. Krüssel selbst verweist Patientinnen nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel in die reguläre Betreuung.
Besteht bei einem Eileiter-Durchgängigkeits-Test ein Verletzungsrisiko?
Nein. Die Untersuchung ist minimalinvasiv, risikoarm und wird über einen dünnen Katheter mit Zuckerlösung durchgeführt. Im Gegenteil: Nicht selten tritt danach spontan eine Schwangerschaft ein. Der Grund dafür ist bislang nicht eklärt.
Selten. Mögliche Gründe: Abklärung von Adenomyose oder chronischen Entzündungen (z. B. durch Plasmazellen). Killerzellen und deren Rolle werden zunehmend kritisch bewertet. Biopsien werden nicht routinemäßig empfohlen.
Nach einem Jahr ist eine Wiederholung sinnvoll, da sich die Qualität verändern kann. Spermienparameter schwanken stark, auch bei gesunden Männern. Für eine fundierte Einschätzung sind meist zwei aktuelle Proben notwendig.
Noch als experimentell. Es fehlen fundierte Wirksamkeitsnachweise. Aktuell laufen Studien, z. B. in Lübeck. Außerhalb von Studien wird sie nicht empfohlen.
PRP steht für „Platelet-Rich Plasma“. Es wird aus dem eigenen Blut gewonnen und enthält konzentrierte Blutplättchen. Ihnen werden regenerative Wirkungen zugeschrieben. Bisher sind diese Effekte bei Kinderwunschbehandlungen aber nicht ausreichend belegt.
Dazu liegen keine gesicherten Erkenntnisse oder Erfahrungen vor. Prof. Krüssel konnte die Methode daher nicht einschätzen.
Die Methode kann Adenomyoseherde gezielt zerstören. Doch auch hier fehlen Langzeitdaten zur Schwangerschaftssicherheit. Da geschädigtes Gewebe zurückbleibt, ist ein möglicher Einfluss auf die Gebärmutterstruktur nicht auszuschließen.
Nur eingeschränkt. Duphaston kann ggf. zur Unterstützung der Gelbkörperphase genutzt werden, verhindert aber gleichzeitig eine Schwangerschaft – und ist damit nicht geeignet für den aktiven Kinderwunsch, sondern eher zur symptomatischen Therapie.
Die gesetzliche Krankenversicherung (nach SGB V) übernimmt nur Kosten, wenn das Paar:
-
miteinander verheiratet ist,
-
die Frau jünger als 40 ist,
-
der Mann jünger als 50 ist,
-
beide älter als 25 sind.
Für gleichgeschlechtliche oder unverheiratete Paare besteht kein Anspruch auf Erstattung. Private Kassen beurteilen das individuell nach Erfolgsaussicht, meist mit Grenze bei ca. 43 Jahren.
Ja, das ist möglich. Zwar wird durch das Stillen das Hormon Prolaktin ausgeschüttet, was zu einer Unterdrückung des Östrogenspiegels führen kann – und Endometriose ist eine östrogenabhängige Erkrankung. Allerdings ist Stillen kein sicherer Schutz: Sobald der Prolaktinspiegel sinkt, kann, meist unbemerkt, wieder ein Eisprung stattfinden. Damit steigt auch wieder der Östrogenspiegel und Herde können wachsen.
Das Fachgespräch zum Nachschauen
Das vollständige Interview mit Prof. Dr. med. Jan Krüssel zum Thema Endometriose und Unfruchtbarkeit finden Sie hier:
Wir benötigen Ihre Zustimmung, um das Youtube-Video zu laden!
Wir verwenden einen Service eines Drittanbieters, um Videoinhalte einzubetten. Dieser Service kann Daten zu Ihren Aktivitäten sammeln. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um dieses Video anzusehen.
Unterstützende Informationen & Angebote
- Deutsche Gesellschaft für Kinderwunschberatung
- Instagram-Kanal von Prof. Dr. med. Krüssel
- Kinderwunsch-Beratung der Endometriose-Vereinigung
Wir finanzieren unsere kostenlosen Endometriose-Beratungen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Unterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Mitgliedschaft oder Spende!
FAQ - Endometriose und unerfüllter Kinderwunsch
Endometriose und Adenomyose können verschiedene Faktoren der Fruchtbarkeit beeinflussen, etwa durch Verwachsungen, eine gestörte Eileiterfunktion oder eine beeinträchtigte Eizellqualität. Sie bedeuten aber nicht automatisch Unfruchtbarkeit. Viele Betroffene mit Endometriose und / oder Adenomyose können, mit oder ohne Unterstützung, schwanger werden.
Adenomyose, also das Vorkommen von Endometriose-Herden in der Muskelwand der Gebärmutter (Myometrium) – kann die Einnistung eines Embryos erschweren und wird zunehmend als relevanter Faktor bei unerfülltem Kinderwunsch erkannt. Sie kann die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit senken, muss aber nicht zwangsläufig eine Schwangerschaft verhindern.
Neben einer ausführlichen Anamnese und Ultraschalluntersuchung werden oft weitere Faktoren untersucht, z. B. die Eileiterdurchgängigkeit, hormonelle Blutwerte oder die Spermienqualität des Partners. Entscheidend ist eine individuelle Einschätzung der Gesamtsituation, inkl. Alter, Zyklus, vorherigen Behandlungen und möglichen Beschwerden.
Je nach individueller Situation kommen unterschiedliche Optionen infrage:
-
Zyklusregulation & Timing (VZO)
-
Intrauterine Insemination (IUI)
-
Künstliche Befruchtung (IVF/ICSI)
-
Operative Eingriffe bei Verwachsungen oder Zysten
-
Social Freezing (Eizellen vorsorglich einfrieren)
Wichtig ist eine sorgfältige Abwägung, z.B., ob eine Operation hilfreich oder riskant für die Eizellreserve ist.
Langfristige Gestagen-Therapien (z. B. zur Schmerzbehandlung) beeinflussen die Eizellqualität in der Regel nicht negativ. Allerdings kann durch die verlängerte Einnahme schlicht wertvolle Zeit vergehen, in der die Fruchtbarkeit altersbedingt abnimmt. Auch deshalb ist eine individuelle Beratung entscheidend.
Das Einfrieren unbefruchteter Eizellen (Social Freezing) kann für Betroffene mit Endometriose sinnvoll sein. Vor einer geplanten Operation am Eierstock kann auch „Medical Freezing“ infrage kommen, so dass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Eingefrorene Eizellen „altern“ nicht weiter und können zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden, wenn ein Kinderwunsch besteht. Dadurch besteht jedoch keine Garantie für eine spätere erfolgreiche künstliche Befruchtung der Eizellen und die Entscheidung ist immer individuell abzuwägen.
Hier gilt: Nicht immer ist eine OP sinnvoll oder nötig. Eine Operation am Eierstock kann die Eizellreserve schädigen. Ob eine OP die Einnistungschancen verbessert, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von der Ausprägung und Lage der Herde ab und sollte individuell besprochen werden.
Stillen senkt in der Regel den Östrogenspiegel und wirkt dadurch hemmend auf das Wachstum der Endometriose-Herde. Allerdings ist Stillen kein sicherer Schutz. Der Östrogenspiegel kann trotz Stillens wieder ansteigen, sodass die Erkrankung auch in dieser Zeit aktiv bleiben kann.
Viele Betroffene berichten von einer Besserung der Symptome während der Schwangerschaft, da die Hormonlage stabilisiert wird. Eine Schwangerschaft ist jedoch keine Heilung der Erkrankung. Nach der Geburt können die Symptome wieder aktiv werden.
Kinderwunsch und Endometriose stellen eine große psychische Belastung dar, oft sogar mehr als die körperlichen Beschwerden. Die Endometriose-Vereinigung bietet:
-
kostenfreie Beratung zu psychosozialen Aspekten
-
eine virtuelle Selbsthilfegruppe zum Thema Kinderwunsch
Grundsätzlich wird empfohlen, sich bei unerfülltem Kinderwunsch nach 12 Monaten ungeschützten Geschlechtsverkehrs (bei Frauen über 35 bereits nach 6 Monaten) ärztlich beraten zu lassen. Bei bekannter Endometriose kann es sinnvoll sein, früher aktiv zu werden, um keine wertvolle Zeit zu verlieren.
Danke
Unsere Themenreihe „Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkrankungen" im Rahmen unserer 29. Jahrestagung ist uns ein Herzensanliegen: Wir wollen Raum schaffen für Wissen, Austausch und neue Perspektiven auf die vielfältigen Begleiterscheinungen von Endometriose.
Hilfreiche Informationen zu 11 weiteren häufigen Begleitbeschwerden und -erkrankungen bei Endometriose finden Sie hier.
Unser besonderer Dank gilt dem AOK Bundesverband, der mit seiner Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Themenreihe im Rahmen der Jahrestagung möglich zu machen.
Ein herzliches Dankeschön auch an alle Mitwirkenden, die mit ihrem Wissen, Engagement und Herzblut diese Themenreihe gestaltet haben!

