Was ist PCOS?
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Störungen und betrifft schätzungsweise 5–10 % der Frauen, sowie Menschen, die sich nicht als Mädchen oder Frau fühlen, aber mit einem weiblichen Chromosomensatz (46 XX) geboren wurden, im gebärfähigen Alter.
Entgegen der Bezeichnung handelt es sich beim PCOS eigentlich nicht um echte „Zysten“, sondern um eine Vielzahl unreifer Follikel (Eibläschen), die sich in den Eierstöcken anlagern. Diese zeigen sich im Ultraschall häufig als perlschnurartiges Muster am Rand des Eierstocks (Ovar). Aus diesem Grund ist die korrektere Bezeichnung eigentlich „polyfollikuläres Ovarialsyndrom“.
Laut Dr. Luisa Skupin ist PCOS ein Krankheitsbild mit einer vielschichtigen Bandbreite an Beschwerden.
PCOS erkennen: Typische Symptome
PCOS zeigt sich in der Praxis oft sehr unterschiedlich und gerade deshalb bleibt es bei vielen Betroffenen lange unerkannt. Die Symptome sollten nicht bagatellisiert werden – weder vom Umfeld noch im ärztlichen Gespräch – denn sie sind wichtig für eine genaue und differenzierte Diagnostik.
Ein zentrales Symptom sind Zyklusstörungen, insbesondere:
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Ausbleibende Regelblutungen über mehrere Monate
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Sehr unregelmäßige Zyklen, z. B. mal monatlich, dann wieder über längere Zeit gar nicht
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Zyklen länger als 35 Tage
Diese Auffälligkeiten sind häufig der erste Anlass, warum Betroffene ärztliche Hilfe suchen. Denn im Gegensatz zu anderen PCOS-Symptomen sind sie relativ eindeutig messbar. PCOS muss nicht automatisch mit Schmerzen verbunden sein und sollte somit von anderen gynäkologischen oder endokrinologischen Erkrankungen abgegrenzt werden.
Weitere typische Beschwerden können sein:
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Vermehrte Körperbehaarung (z. B. im Gesicht – sog. „Damenbart“)
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Akne, v. a. im Gesicht, Brust- oder Schulterbereich
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Haarausfall im Bereich der Geheimratsecken oder am Scheitel
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Gewichtszunahme, teils trotz unverändertem Essverhalten
Viele Betroffene berichten, dass sie schon „vom Anblick eines Stück Kuchens zunehmen“ – eine Erfahrung, die gesellschaftlich oft stigmatisiert wird, medizinisch jedoch mit dem hormonellen Ungleichgewicht beim PCOS zu tun hat.
Die Ursachen für diese Beschwerden sind vielschichtig und sind hormonell bedingt:
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Erhöhte Androgenspiegel („männliche“ Hormone wie Testosteron) führen zu sichtbaren Veränderungen wie Akne, Haarwuchs oder Haarausfall.
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Gleichzeitig liegt häufig eine Insulinresistenz vor: Der Körper kann das Hormon Insulin nicht mehr effektiv nutzen, was zu Gewichtszunahme und weiteren Stoffwechselproblemen führen kann.
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Ein komplexes hormonelles Wechselspiel sorgt dafür, dass Follikel im Eierstock nicht ausreifen, sondern dauerhaft im unreifen Stadium verbleiben. Dort produzieren sie weiterhin Androgene.
Warum diese Symptome ernst genommen werden sollten
Dr. Skupin betont: Entscheidend ist der individuelle Leidensdruck. Auch wenn nicht alle Symptome medizinisch akut behandlungsbedürftig sind, können sie die Lebensqualität erheblich physisch wie psychisch beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, eigene Beschwerden ernst zu nehmen und fachärztlich abklären zu lassen, auch wenn es „nur“ um eine unregelmäßige Blutung, Hautveränderungen oder Gewichtszunahme geht.
Endometriose und PCOS
Dr. Luisa Skupin beschreibt den aktuellen Stand in der Forschung als diskutiert, aber nicht eindeutig. Zwar betreffen beide Erkrankungen hormonelle Regelkreise, insbesondere die sogenannte Hirn-Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse (auch Gehirn-Eierstock-Achse), doch ihre Entstehung ist jeweils komplex und in vielen Aspekten noch nicht vollständig verstanden.
Sowohl bei PCOS als auch bei Endometriose handelt es sich um chronische Erkrankungen, die mit Störungen des Hormonhaushalts und der Reproduktionsfunktion einhergehen können. Beide setzen häufig bereits in jungen Jahren ein und können zu langfristigen Beschwerden führen.
Bei PCOS liegt oft eine beschleunigte GnRH-Freisetzung im Hypothalamus vor, die zu einem hormonellen Ungleichgewicht und damit zur typischen Follikelreifungsstörung führt.
Bei Endometriose ist der Mechanismus weniger eindeutig, jedoch werden Entzündungsprozesse, Immunreaktionen und eine zyklusabhängige Schmerzverarbeitung als zentrale Einflussfaktoren diskutiert.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Ein wesentlicher Schnittpunkt zwischen beiden Erkrankungen ist der mögliche Einfluss auf die Fruchtbarkeit. In der Reproduktionsmedizin trifft man häufig auf Betroffene mit PCOS oder Endometriose, manchmal auch mit beidem. Zwar lässt sich daraus keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten, doch es zeigt sich eine relevante klinische Überschneidung, insbesondere bei Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch.
Auch wenn die Kombination aus PCOS und Endometriose in der klinischen Praxis durchaus beobachtet wird, warnt Dr. Skupin davor, aus dieser Häufung voreilig auf einen biologischen Zusammenhang zu schließen. Vielmehr sei es möglich, dass Endometriose-Betroffene häufiger operiert oder gynäkologisch intensiv betreut werden und dabei ein bislang unerkanntes PCOS diagnostiziert wird. Es handelt sich also möglicherweise eher um einen diagnostischen Zufallsbefund als um eine echte Koinzidenz.
PCOS und Endometriose sind unterschiedliche Krankheitsbilder und dennoch berichten viele Betroffene von ähnlichen Beschwerden. Dr. Luisa Skupin beschreibt in diesem Zusammenhang nicht nur mögliche hormonelle Wechselwirkungen, sondern auch überschneidende Symptome, die die Abgrenzung erschweren können.
Ein zentrales Beispiel ist der Schmerz rund um die Menstruation, der bei PCOS zwar seltener im Vordergrund steht als bei Endometriose, aber dennoch auftreten kann. Typische Merkmale:
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Zyklusunregelmäßigkeiten führen dazu, dass der Körper auf bestimmte hormonelle Signale nicht wie gewohnt reagiert
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Unterbauchziehen oder Druckgefühl kann bereits bei einem Östrogenanstieg auftreten, auch ohne tatsächliche Blutung
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Viele Betroffene berichten über Schmerzen „wie bei der Periode“, obwohl keine Blutung einsetzt
Diese Beschwerden ähneln den azyklischen Schmerzepisoden, wie sie auch bei Endometriose häufig beschrieben werden – etwa das Gefühl, zu menstruieren, obwohl keine Blutung vorliegt.
Ein weiterer Punkt betrifft die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur: Durch das gestörte hormonelle Gleichgewicht (v. a. einen fehlenden oder verspäteten Progesteronabfall) kommt es zu einer Art „Desynchronisation“ der Gebärmuttermuskulatur. Dr. Skupin beschreibt dies als mögliche Ursache für Krampf- und Druckbeschwerden, die klassischen Menstruationsschmerzen ähneln.
Gleichzeitig betont Dr. Skupin: Die Hauptsymptomatik des PCOS liegt nicht in den Schmerzen, sondern in den hormonellen Veränderungen, insbesondere der sog. Hyperandrogenämie. Hinweise dafür sind:
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Vermehrte Körperbehaarung (z. B. im Intimbereich, an Oberschenkeln oder Bauch)
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Haarverlust an Kopfhaut oder Scheitel
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Akne, besonders neu auftretend im Erwachsenenalter
Diese Symptome sind klarer dem PCOS zuzuordnen und treten bei Endometriose nicht in vergleichbarer Häufigkeit auf. Dennoch kann es für Betroffene schwer sein, die Ursache ihrer Beschwerden ohne fachärztliche Hilfe klar einzuordnen.
Fazit: Ähnlich – aber nicht gleich
Endometriose und PCOS können sich in hormonellen Wirkmechanismen ebenso wie in bestimmten Symptomen überschneiden. Zugleich bleiben sie zwei eigenständige Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Ursache, Diagnostik und Behandlung. Gerade deshalb ist eine präzise ärztliche Abklärung entscheidend, besonders bei unklaren oder vermischten Beschwerdebildern.
Weitere Informationen zu PCOS und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Dr. Luisa Skupin.
Wie wird PCOS diagnostiziert?
Die Diagnose des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) ist komplex und erfordert ärztliches Fachwissen sowie eine systematische Herangehensweise. Die Diagnose stützt sich auf die sogenannten Rotterdam-Kriterien. Um PCOS zu diagnostizieren, müssen zwei der folgenden drei Merkmale vorliegen:
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Hyperandrogenämie: ein Zuviel an männlichen Hormonen im Körper, das zu Symptomen wie Akne, Hirsutismus (vermehrter Haarwuchs) oder androgenetischem Haarausfall führen kann.
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Ovarielle Dysfunktion: Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Periode, verursacht durch seltene oder ausbleibende Ovulationen (Eisprünge).
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Polyzystisches Ovarialbild im Ultraschall: ein vergrößertes Ovar mit vielen kleinen Follikeln, meist mit einem Volumen über 10 ml.
Dr. Skupin betont, dass eine fundierte Diagnostik mehrere Bausteine umfasst, darunter körperliche Untersuchung, Labordiagnostik und Ultraschall.
Wichtige Elemente der Diagnosestellung sind:
Blutuntersuchung
Es werden verschiedene Hormonwerte bestimmt, insbesondere:
- Gesamttestosteron und freies Testosteron
- Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG)
- Weitere Parameter des Zyklusstatus (z. B. LH, FSH, Estradiol)
Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
- Beurteilung der Eierstockgröße (Ovarienvolumen >10 ml ist auffällig)
- Darstellung der sog. „perlschnurartigen“ Follikelanordnung
- Beurteilung der Gebärmutterschleimhaut
Zyklusanamnese
- Informationen über Blutungsrhythmus, Blutungshäufigkeit und -dauer helfen, Zyklusstörungen besser einzuordnen
Ausschluss anderer Ursachen
- z. B. adrenogenitales Syndrom oder Schilddrüsenerkrankungen
Wichtig: Idealerweise erfolgen Blutabnahmen und Ultraschalluntersuchung in der ersten Zyklushälfte, etwa drei bis fünf Tage nach Beginn der Menstruation. In der Praxis ist das jedoch nicht immer möglich, insbesondere bei langen oder ausbleibenden Zyklen. Dann kann auch eine „zyklusunabhängige“ Beurteilung sinnvoll sein, ggf. mit ärztlicher Einschätzung zur Hormondynamik.
Differentialdiagnosen nicht vergessen
Nicht jede sichtbare Veränderung im Ultraschall bedeutet automatisch PCOS. Ebenso muss das Vorliegen einzelner Symptome (z. B. Akne oder Zyklusstörungen) nicht zwangsläufig auf das Syndrom hinweisen. Und auch nicht alle erhöhten Androgenspiegel deuten automatisch auf PCOS hin. Auch andere Erkrankungen – wie z. B. das sogenannte Late-Onset-adrenogenitale Syndrom – können ähnliche Laborwerte verursachen. In solchen Fällen sind zusätzliche Tests und eine genaue Differntialdignostik wichtig, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerdebildern auszuschließen.
Hierfür ist eine umfassende hormonelle und klinische Beurteilung nötig, idealerweise durch erfahrene Fachärzt*innen für Gynäkologie oder Endokrinologie.
Wer ist zuständig?
Da PCOS häufig mit weiteren Begleiterkrankungen einhergeht, braucht es oft eine fachübergreifende Versorgung. Dazu gehören z. B.:
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Gynäkologie: für Zyklusregulierung, Verhütungsfragen und Diagnostik
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Endokrinologie: bei komplexen Hormonstörungen oder unklarer Befundlage
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Innere Medizin: zur Abklärung von Stoffwechselerkrankungen (z. B. Prädiabetes, Fettstoffwechselstörungen)
Wie bereite ich mich auf ein ärztliches Gespräch vor?
Dr. Skupin empfiehlt, sich aktiv vorzubereiten, insbesondere durch:
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Symptomtagebuch: Dokumentation von Zykluslänge, Blutungsmustern, Hautveränderungen, Stimmungsschwankungen oder Gewichtsentwicklung (auch auf unserer Webseite kostenfrei bestellbar)
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„Krankheitslebenslauf“: Ein kurzer Überblick über bisherige Beschwerden, Diagnosen und ggf. Therapien – möglichst strukturiert (bei Endometriose z. B. mithilfe unseres Endometriose-Behandlungspasses, auf unserer Webseite bestellbar)
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Konkrete Fragen: z. B. „Welche Untersuchungen können ausschließen, dass ich PCOS habe?“ oder „Was spricht für oder gegen diese Diagnose bei mir?“
Diese gezielte Vorbereitung hilft nicht nur, das kurze Ärzt*innengespräch effektiver zu nutzen, sondern stärkt auch die Selbstwirksamkeit der Betroffenen. Dr. Skupin rät außerdem dazu, bei fehlender Ernstnahme eine zweite Meinung einzuholen, denn eine fundierte Diagnostik ist die Voraussetzung für jede wirksame Therapie.
Therapie bei PCOS
Die Therapie des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) richtet sich stark nach den individuellen Beschwerden, Lebenszielen und Begleiterkrankungen der Betroffenen und ist symptomorientiert. Dr. Skupin betont: „Die erste Frage ist immer: Was ist Ihr Ziel?“. Ob es um Zyklusregulierung, Hautbildverbesserung, Gewichtsmanagement oder den Wunsch nach Schwangerschaft geht – entsprechend variieren die therapeutischen Wege.
Medikamentöse Optionen
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Kombinierte Antibabypillen (Östrogen + Gestagen) mit antiandrogener Wirkung können helfen, Beschwerden wie Akne, Haarausfall oder Hirsutismus zu lindern.
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Bei gleichzeitiger Endometriose ist eine reine Gestagen-Therapie oft vorzuziehen, da Östrogene das Wachstum von Endometriose-Herden fördern können.
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Wird insbesondere bei Insulinresistenz oder Prädiabetes eingesetzt.
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Verbessert die Insulinaufnahme in den Zellen und kann so den Teufelskreis aus erhöhtem Insulin und verstärkter Androgenbildung durchbrechen.
- Neue GLP-1-Rezeptor-Agonisten („Abnehmspritzen“) sind teilweise in der Diskussion, da sie über die Gewichtsreduktion sekundär auch die Stoffwechselbalance verbessern können.
Nicht-hormonelle und unterstützende Maßnahmen
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Ziel ist eine Reduktion von Insulinspitzen durch ballaststoffreiche, vollwertige Kost (z. B. mediterrane Ernährung).
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Eine qualifizierte Ernährungsberatung hilft, Mangelernährung oder einseitige Diäten zu vermeiden.
- Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt die Gewichtsregulation, verbessert die Insulinsensitivität und kann Entzündungsprozesse abschwächen.
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Anhaltender Stress erhöht das Cortisol-Level und belastet das hormonelle Gleichgewicht zusätzlich.
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Dr. Skupin betont die Rolle von Gesundheitspsychologie, Selbstfürsorge und Achtsamkeit – nicht nur als Begleitung, sondern als integralen Bestandteil der Therapie.
Weitere Informationen zu PCOS und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Dr. Luisa Skupin.
Dr. med. Luisa Skupin ist Fachärztin im Endometriose-Zentrum der Charité Berlin. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner leitete sie das klinische Team des Forschungsprojektes „MeMäF“. Das vom Innovationsfond finanzierte Projekt hat ein digitales Versorgungsmodell (wie die App „period.“) zur Reduktion von Regelschmerzen und frühzeitigen Identifizierung von Endometriose-Risikogruppen entwickelt.
Im Anschluss an das Gespräch beantwortete sie Fragen aus der Community zu PCOS, Endometriose und hormonellen Wechselwirkungen. Ihre Einschätzungen bieten vertiefte Einblicke in medizinische Zusammenhänge, Behandlungsansätze und aktuelle Forschungsdiskussionen.
Dazu existieren Hypothesen, aber keine abschließende Evidenz. Eine vielzitierte Studie mit weiblichen Mäusen deutet darauf hin, dass Testosteron-Überschuss in der Embryonalentwicklung zu einer Fehlregulation im Gehirn führen könnte – mit späteren Auswirkungen auf LH-Ausschüttung, Testosteronproduktion und Zyklusverlauf. Ob das auch auf den Menschen übertragbar ist, wird derzeit weiter erforscht.
Ja, das ist möglich. Selbst wenn kein regulärer Zyklus vorliegt, kann durch die Umwandlung männlicher Hormone (Androgene) in Östrogene – z. B. im Fettgewebe oder in den Herden selbst – Endometriose weiterwachsen. Auch ohne Blutung kann somit ein hormonelles Milieu entstehen, das das Fortschreiten der Erkrankung begünstigt.
Ja. Die Diagnose beruht auf den sogenannten Rotterdam-Kriterien: Mindestens zwei von drei Merkmalen müssen erfüllt sein – polyzystisches Ovar (im Ultraschall), Hyperandrogenämie (z. B. Akne, Haarwuchs) und Zyklusstörung. Fehlen die sichtbaren Follikel, können dennoch die anderen Kriterien ausreichen. Differentialdiagnostisch sollte auch an Nebennierenerkrankungen gedacht werden.
Da Östrogene das Wachstum von Endometriose fördern können, wird in solchen Fällen häufig auf eine Gestagen-Monotherapie gesetzt. Sie wirkt auch gegen die Symptome des PCOS – etwa Akne oder unregelmäßige Blutungen – und birgt weniger Risiko für ein Wiederaufflammen der Endometriose. Eine Kombinationstherapie mit Östrogen wird eher vermieden.
In solchen Fällen kommen häufig sogenannte „Long-Protokolle“ in der Reproduktionsmedizin zum Einsatz: Eine hormonelle Unterdrückung senkt zunächst die Entzündung durch Endometriose-Herde. Anschließend erfolgt die Eizellentnahme. So kann die Chance auf eine erfolgreiche Implantation erhöht werden, insbesondere bei vorbestehender Immunaktivierung im Bauchraum.
Das ist theoretisch möglich, insbesondere wenn es in der Zeit der Pilleneinnahme zu einer Gewichtszunahme kam und nach dem Absetzen ein starker Androgenanstieg („Post-Pill-Syndrom“) auftritt. Entscheidend ist hier das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, nicht allein das Absetzen selbst.
Nicht direkt. Mounjaro gehört zu den GLP-1-Rezeptoragonisten und wirkt vor allem appetitzügelnd. Die Insulinresistenz verbessert sich, wenn durch die Gewichtsabnahme weniger Insulin im Blut zirkuliert, nicht durch das Medikament selbst. Entscheidend ist also der indirekte Effekt über die Körperveränderung, nicht die Substanz an sich.
Eine direkte Kausalität ist derzeit nicht bekannt. Zwar kann es Wechselwirkungen mit der Nebennierenfunktion geben, aber dass PCOS die Nebenniere schwächt oder eine Insuffizienz verursacht, ist medizinisch bislang nicht belegt.
Das Fachgespräch zum Nachschauen
Das vollständige Interview mit Dr. med. Luisa Skupin zum Thema Endometriose und Polyzystisches Ovarialsyndrom finden Sie hier:
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FAQ - Endometriose und PCOS
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine häufige hormonelle Erkrankung bei Menschen im gebärfähigen Alter. Entgegen des Namens handelt es sich nicht um echte Zysten, sondern um unreife Eibläschen (Follikel), die im Ultraschall sichtbar werden. Die Diagnose erfolgt nach den sogenannten Rotterdam-Kriterien, von denen zwei erfüllt sein müssen:
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Zyklusstörungen oder fehlender Eisprung
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Erhöhte männliche Hormone (Hyperandrogenämie)
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Polyzystisches Ovarialbild im Ultraschall
Wichtig: Nicht jede unregelmäßige Periode oder jede „Zyste“ bedeutet automatisch PCOS. Eine umfassende hormonelle und klinische Abklärung ist notwendig.
Häufige Hinweise sind ausbleibende oder sehr unregelmäßige Zyklen, vermehrte Körperbehaarung, Akne, Haarausfall sowie Gewichtszunahme. Eine hormonelle Abklärung und Ultraschalluntersuchung helfen bei der Diagnosestellung – basierend auf den Rotterdam-Kriterien.
Ja, in der klinischen Praxis ist das nicht selten. Zwar gibt es bislang keine eindeutige biologische Verbindung, aber hormonelle Wechselwirkungen, vergleichbare Symptomcluster und reproduktionsmedizinische Überschneidungen sind möglich.
Die Diagnose erfolgt über Anamnese, Blutuntersuchungen (z. B. Androgene, Zyklushormone) und Ultraschall der Eierstöcke. Wichtig ist der Ausschluss anderer Ursachen – etwa Schilddrüsenerkrankungen oder das adrenogenitale Syndrom.
Ja. Entscheidend sind zwei von drei Kriterien (Hyperandrogenämie, Zyklusstörung, polyzystisches Ovarialbild). Fehlen die Zysten, können andere Kriterien die Diagnose rechtfertigen.
Insulinresistenz tritt bei vielen PCOS-Betroffenen auf und verstärkt hormonelle Ungleichgewichte. Sie kann Stoffwechselprobleme verursachen und die Therapie erschweren. Eine gezielte Ernährungs- und Bewegungstherapie ist hier besonders wirksam.
Ziele der Behandlung sind Zyklusregulation, Reduktion von Androgensymptomen und Verbesserung des Stoffwechsels. Je nach Beschwerden kommen hormonelle Therapien (z. B. Pille, Gestagenmonopräparate), Metformin oder Lebensstiländerungen zum Einsatz.
Durch ausbleibende Eisprünge kann es zu unerfülltem Kinderwunsch kommen. Gleichzeitig bleibt eine Schwangerschaft grundsätzlich möglich – oft mit reproduktionsmedizinischer Unterstützung.
Indirekt kann Endometriose die Therapie von PCOS beeinflussen – etwa bei der Auswahl hormoneller Präparate. Umgekehrt kann bei PCOS auch ohne Blutung ein hormonelles Milieu bestehen, das Endometriose-Herde begünstigt. Wichtig ist eine individuelle, fachübergreifende Therapieplanung.
Es existieren Hypothesen – etwa zur Fehlprogrammierung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse in der Embryonalentwicklung – aber keine gesicherten Erkenntnisse. Beide Erkrankungen haben komplexe, teils überschneidende Entstehungsmechanismen.
Hier lohnt sich die Abklärung einer möglichen Endometriose. Denn auch ohne Periode kann es durch Hormonproduktion im Fettgewebe oder in Herden zu Beschwerden kommen. Schmerzursachen sollten differenziert betrachtet werden.
In der Reproduktionsmedizin wird häufig zunächst eine hormonelle Unterdrückung (z. B. bei Endometriose) durchgeführt, bevor eine stimulierte Eizellentnahme folgt. Ziel ist eine kontrollierte, möglichst entzündungsarme Umgebung für die Implantation.
GLP-1-Rezeptor-Agonisten wirken primär gewichtsreduzierend. Bei Übergewicht und Insulinresistenz kann dies sekundär auch die hormonelle Situation verbessern. Allerdings sind sie nicht für alle geeignet und derzeit nicht primär zur PCOS-Therapie zugelassen.
Weil hormonelle, metabolische und gynäkologische Faktoren ineinandergreifen. Idealerweise arbeiten Gynäkologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und ggf. Psychologie eng zusammen – mit dem Ziel einer ganzheitlichen, langfristigen Versorgung.
Ein Symptomtagebuch, strukturierte Fragen und ein Überblick über bisherige Diagnosen und Therapien helfen, das Behandlungsgespräch effektiv zu gestalten. Selbstfürsorge, Informationskompetenz und ggf. der Austausch in Selbsthilfegruppen können zusätzlich stärken.
Danke
Unsere Themenreihe „Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkrankungen" im Rahmen unserer 29. Jahrestagung ist uns ein Herzensanliegen: Wir wollen Raum schaffen für Wissen, Austausch und neue Perspektiven auf die vielfältigen Begleiterscheinungen von Endometriose.
Hilfreiche Informationen zu 11 weiteren häufigen Begleitbeschwerden und -erkrankungen bei Endometriose finden Sie hier.
Unser besonderer Dank gilt dem AOK Bundesverband, der mit seiner Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Themenreihe im Rahmen der Jahrestagung möglich zu machen.
Ein herzliches Dankeschön auch an alle Mitwirkenden, die mit ihrem Wissen, Engagement und Herzblut diese Themenreihe gestaltet haben!

