Unser Angebot: Beratung und Selbsthilfegruppe
Ab August 2025 bietet unsere Beratungsstelle kostenfreie psychosoziale Beratungsgespräche zu Endometriose, Adenomyose und Kinderwunsch an. Die einzelnen Termine dauern 45-60 Minuten und können deutschlandweit per Telefon oder Video, sowie in Leipzig vor Ort stattfinden. Die Beratung richtet sich an Einzelpersonen und Paare.
In der Beratung können unter anderem folgende Fragen besprochen werden:
- „Ich habe die Diagnose Endometriose/Adenomyose erhalten – was bedeutet das für meine Familienplanung?“
- „Ich versuche seit längerer Zeit schwanger zu werden und habe die Diagnose erhalten – wie kann ich damit umgehen?“
- „Ich habe Endometriose/Adenomyose und fühle mich nicht ernst genommen, weil ich keinen Kinderwunsch habe – was kann ich tun?“
- „Was erwartet mich in einem Kinderwunschzentrum?“
- „Die Kinderwunschzeit ist emotional sehr belastend – wie kann ich damit umgehen?“
Um einen Beratungstermin zu vereinbaren, rufen Sie uns an: 0341 3065304
oder schreiben uns eine E-Mail an: info@endometriose-vereinigung.de
Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo, Di, Do, Fr: 10:00 - 12:00 Uhr
Mi: 16:00 - 18:00 Uhr
Neue Selbsthilfegruppe
Mittlerweile gibt es über 100 Selbsthilfegruppen für Endometriose- und Adenomyose-Betroffene. Auch für Personen in der Kinderwunschzeit und mit unerfülltem Kinderwunsch gibt es viele Angebote. Wir bekommen immer mal Anfragen zu Selbsthilfegruppen, die beide Themen explizit miteinander verknüpfen. Daher wollen wir im Rahmen unseres Projektes eine solche Gruppe ins Leben rufen. Sie startet erstmals am 11.08.25 wird bis Ende 2026 moderiert von einer Betroffenen aus der Endometriose-Vereinigung Deutschland (EVD). Hier können Betroffene sich austauschen, Unterstützung finden und gemeinsam Wege finden, mit den Herausforderungen umzugehen. Normalerweise gründen Selbsthilfegruppen sich eigenständig und so soll es auch zukünftig bleiben: Je nach Bedarf freuen wir uns über weitere Gründungen und unterstützen diese gern nach unseren Möglichkeiten.
Termine Selbsthilfegruppe
Die Gruppe wird jeweils montags von 19:00-20:30 Uhr virtuell stattfinden. An jedem Termin können maximal 15 Personen teilnehmen. Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos. Die Anmeldung ist ab dem 01.08. per E-Mail an kinderwunsch@endometriose-vereinigung.de möglich.
Termine Oktober-November 2025: 20.10., 03.11., 17.11., 01.12.
Auf dieser Seite wollen wir einen möglichst umfassenden Überblick zu den vielfältigen Fragen rund um den Zusammenhang von Endometriose sowie Adenomyose und Kinderwunsch bzw. Fruchtbarkeit geben. Dazu soll zunächst beschrieben werden, wie eine Schwangerschaft überhaupt entsteht.
Wie entsteht eigentlich eine Schwangerschaft?
Der weibliche Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation und dauert im Durchschnitt ca. 28 bis 30 Tage. Dies kann zwischen 21 und 45 Tagen variieren. In der Menstruationsphase (ca. 1 bis 5 Tage) wird die alte Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und über die Vagina ausgeschieden. Die Hormone Östrogen und Progesteron sind zu diesem Zeitpunkt niedrig.
Parallel zur Menstruation beginnt die Follikelphase (ca. 14 Tage). In den Eierstöcken beginnt die Reifung neuer Eibläschen (Follikel). Diese wird angestoßen durch das Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon). Eines der Follikel entwickelt sich meist weiter zur dominanten Eizelle. Die wachsenden Follikel produzieren Östrogen, das wiederum den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut stimuliert – die Vorbereitung auf eine mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle.
Die Ovulationsphase ist die kürzeste Zyklusphase und dauert etwa 16 bis 32 Stunden. In dieser Phase steigt das LH (luteinisierendes Hormon) und löst den Eisprung aus. Eine reife Eizelle wird aus dem Eierstock freigesetzt, sodass eine Samenzelle in die Eizelle eindringen kann. Der Tag des Eisprungs ist der Tag mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung. Die fruchtbaren Tage umfassen die Tage vor, während und kurz nach dem Eisprung. Spermien können bis zu 5 Tage im weiblichen Körper überleben.
Wenn Spermien in die Eizelle gelangen, verschmilzt deren Kern mit dem der Eizelle im Eileiter. Nach der Befruchtung wandert die Zygote (befruchtete Eizelle) innerhalb von 3 bis 4 Tagen durch den Eileiter bis in die Gebärmutter. Während der Wanderung teilt sich die Zygote mehrmals und entwickelt sich zu einer Morula (aus 8 bis 32 Zellen) und später zu einer Blastozyste (aus ca. 100 Zellen). Rund 5 bis 7 Tage nach der Befruchtung erreicht die Blastozyste die Gebärmutterhöhle und nistet sich in die aufgebaute Schleimhaut ein. Die Einnistung markiert den Beginn einer Schwangerschaft.
Nach der Einnistung beginnt der Körper, hCG (humanes Choriongonadotropin) zu produzieren, ein Hormon, das für den Erhalt der Schwangerschaft relevant ist. Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Einnistung liegt bei etwa 25–30 % .
Einfluss von Endometriose und Adenomyose auf den Kinderwunsch
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund zehn Prozent aller Frauen* im gebärfähigen Alter und damit 190 Millionen Menschen weltweit von Endometriose betroffen. Das bei Endometriose gebärmutterschleimhautähnliche Gewebe, welches außerhalb der Gebärmutter oder in der Gebärmutterwand wächst, ist eine der Hauptursachen für unerfüllten Kinderwunsch. [1] Frauen mit Endometriose sollten über die möglicherweise eingeschränkten Schwangerschaftschancen und den Effekt des Alters auf die Fruchtbarkeit aufgeklärt werden. [2]
Durch Endometriose ausgelöste Entzündungen, Verwachsungen und damit verbundene Zyklusstörungen können die Fruchtbarkeit. Aber auch andere Auswirkungen der Erkrankung, wie chronische Schmerzen oder auch die fehlende Diagnose und Unverständnis, können Einfluss auf Lebensqualität und Psyche nehmen und dadurch negativ auf die Fruchtbarkeit wirken. Eingeschränkte Fruchtbarkeit ist also ein häufiges Symptom bei Endometriose-Betroffenen, ausgelöst durch verschiedene Begleiterscheinungen:
- Verwachsungen: Endometriose kann zu Vernarbungen (Adhäsionen) und Verwachsungen führen, welche die Funktion der Eierstöcke und der Eileiter beeinträchtigen können. Veränderte Strukturen im Becken können den Weg für Eizelle und Spermium blockieren.
- Entzündungsprozesse: Durch Endometriose ausgelöste chronische Entzündungen können die Eizellqualität und -reserve reduzieren und die Beweglichkeit der Spermien beeinflussen.
Die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut kann durch Veränderung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und Störung des bakteriellen Mikromilieus behindert werden. - Eierstockzysten: Zysten können die Eierstockfunktion negativ beeinflussen. Es können zudem Hormonstörungen auftreten und die Eizellreifung kann gestört werden.
- Immunreaktionen: Eine erhöhte Immunaktivität bei Endometriose kann sowohl Eizellen als auch Spermien schädigen und die Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Schwangerschaft verringern.
- Adenomyose: Indem sie die Einnistung in die Gebärmutter behindert, kann Adenomyose die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und so zu wiederholten Implantationsfehlern führen. Auch bei künstlicher Befruchtung kann Adenomyose zu Einnistungsversagen führen. Eine Metaanalyse zeigt, dass die Lebendgeburtenrate signifikant niedriger ist bei Frauen, die eine Adenomyose aufweisen als bei Frauen ohne Adenomyose. [3]
- Ektope Schwangerschaften: Die Erkrankungen können den Weg und die Einnistung der befruchteten Eizelle soweit stören, dass sich der Embryo bspw. im Eileiter oder Bauchraum einnistet. Die Eileiterschwangerschaft ist die häufigste Art der ektopischen Schwangerschaft. Folge kann einer gefährlicher Riss im Eileiter sein. Da der Embryo außerhalb der Gebärmutter nicht versorgt werden kann, ist er hier nicht überlebensfähig.
- Schmerzen: Monatlich wiederkehrende oder chronische Schmerzen im Alltag sind ein großes Problem für viele Betroffene. Schmerzen schränken die Lebensqualität der Betroffenen und ihre sexuelle Aktivität ein. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft sinkt. Etwa 95 Prozent aller Frauen mit Endometriose leiden unter starken krampfartigen Schmerzen während der Menstruation (Dysmenorrhoe). Einige Betroffe leiden außerdem unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), die Sex unangenehm oder unerträglich machen können.
- Fehlende Diagnose: 7,5 Jahre dauert es im Schnitt, bis Endometriose erkannt wird und die Behandlung beginnen kann. Noch immer ist die Erkrankung nicht ausreichend erforscht. Oft wird die Krankheit erst behandelt, nachdem Betroffene viele Jahre versucht haben, schwanger zu werden. Eine spezielle Behandlung kann Voraussetzung für eine Schwangerschaft bei Endometriose- oder Adenomyose-Betroffenen sein.
WICHTIG
Die Diagnose Endometriose und/oder Adenomyose ist NICHT mit Unfruchtbarkeit gleichzusetzen und jedes Krankheitsbild ist individuell. Es gibt durchaus viele Betroffene, die ohne Probleme schwanger werden.
Weitere Einflussfaktoren
Unabhängig von einer Endometriose-Erkrankung dauert es bei jeder dritten Frau mit Kinderwunsch länger als ein Jahr, bis eine Schwangerschaft eintritt. Die gute Nachricht: Nicht immer liegt eine Unfruchtbarkeit vor. In Deutschland bleiben letztlich weniger als fünf Prozent aller Paare dauerhaft ungewollt kinderlos. [4]
Neben Endometriose als einem möglichen Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch kommen aber auch weitere Ursachen in Betracht, die einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben können.
Um einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung mit Endometriose den Weg zu ebnen, ist es wichtig, mögliche andere Faktoren und Begleiterkrankungen bei Frau* UND Mann* abzuklären.
Medizinische Ursachen neben einer Endometriose und/oder Adenomyose können u.a. sein:
Bei der Frau*:
- Störungen der Eierstockfunktionen
- Hormonelle Störungen der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse, der Nebennierenrinde
- PCO Syndrom
- Körperliche Erkrankungen wie Diabetes und Infektionskrankheiten
- Verwachsungen oder andere Fehlbildungen der Eierstöcke
- Myome
- Nicht behandelte Chlamydieninfektion
- Immunologische Ursachen
Beim Mann*:
- Gestörte Hodenfunktion
- Qualität, Anzahl und Beweglichkeit der Samenzellen
- Samenleiterverschluss
- Immunologische Sterilität: Antikörper gegen Samenzellen
- Infektionen
Neben medizinischen Ursachen spielt auch die individuelle Lebensweise eine große Rolle. Beispielsweise können eine ungesunde Lebensführung und Ernährung (starkes Übergewicht, Alkohol, Nikotin, Bewegungsmangel etc.) oder Umweltgifte einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit bei allen Geschlechtern haben.
Eine besondere Rolle spielt auch das Lebensalter. Die Eizellen sind im Körper von Frauen* bereits vor ihrer eigenen Geburt angelegt und altern entsprechend mit. Statistisch gesehen sinkt die Fruchtbarkeit ab 30 Jahren und nimmt ab 35 Jahren deutlich ab.[5] Der Alterungsprozess der Eizellen ist der Hauptgrund für das sogenannte Social Freezing, also das Einfrieren von Eizellen für einen späteren Kinderwunsch, der aus verschiedenen Gründen der individuellen Lebensumstände erst später erfüllt werden soll oder kann.
Diagnose und Behandlung von Endometriose: Welchen Einfluss hat das Thema Kinderwunsch?
Diagnostik und Therapie von Endometriose sind sehr komplex und individuell - insbesondere bei Kinderwunsch. Menschen, die unter endometriosespezifischen Symptomen leiden, können diese z.B. in spezialisierten Endometriose-Sprechstunden abklären lassen – besonders, wenn Kinderwunsch besteht. Auf unserer Webseite informieren wir über die allgemeinen diagnostischen Schritte und Therapieansätze bei Endometriose und Adenomyose. Kinderwunsch und Fruchtbarkeit können diese Aspekte jedoch in unterschiedlicher Weise beeinflussen, je nachdem ob dieser aktuell oder in Zukunft oder gar nicht (mehr) besteht:
Aktueller Kinderwunsch
- Die Diagnose erfolgt möglicherweise wegen eines bislang unerfüllten Kinderwunsches - für manche als völlig überraschende Diagnose, für andere als Erklärung jahrelanger Beschwerden
- Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann als Behandlung infrage kommen, um die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen
- Um schwanger werden zu können, muss eine hormonelle Therapie der Erkrankung unterbrochen werden, wodurch viele neue Ansätze im Umgang mit Beschwerden während des Zyklus brauchen
- Eine aktuelle Abklärung der Ausbreitung von Endometriose und Adenomyose mittels Ultraschall kann sinnvoll sein
- Falls eine Endometriose-Zyste am Eierstock operativ entfernt werden soll: bestimmte OP-Techniken können nachweislich schädlich für die Eizellreserve sein - dieses Risiko sollte im ärztlichen Vorgespräch genau erfragt und besprochen werden
Zukünftiger Kinderwunsch
- Laut Studien kann eine Therapie der Erkrankung mit Hormonen im Langzyklus einen positiven Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit haben - somit kann ein zukünftiger Kinderwunsch ein mögliches Pro-Argument für eine solche Behandlung darstellen
- Auch hier sollte bei einer geplanten Operation am Eierstock das Risiko bezüglich der Eizellreserve besprochen und abgewogen werden
- Eine (diagnostische oder therapeutische) Laparoskopie wird teilweise vor einem aktuellen Kinderwunsch empfohlen und daher je nach Fall möglicherweise nicht zu einem früheren Zeitpunkt empfohlen
Kein Kinderwunsch bzw. bereits abgeschlossene Familienplanung
- Die Fruchtbarkeit ist kein individuelles Entscheidungskriterium bei Therapieentscheidungen
- Es kommen Therapieformen infrage, welche die Fruchtbarkeit erheblich beeinflussen, z.B. die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) bei sehr starker Adenomyose
- Betroffene berichten häufig, trotz ihrer Entscheidung, keine Kinder (mehr) bekommen zu wollen, Therapieempfehlungen mit Blick auf ihre Fruchtbarkeit zu bekommen
Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin
Wird eine Frau* innerhalb eines Jahres nicht schwanger, trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs, spricht man von ungewollter Kinderlosigkeit. [10] In dem Fall raten Ärzt*innen zur Abklärung. Bei einer bekannten Endometriose/Adenomyose-Diagnose, besonders bei ausgeprägten Befunden, kann bereits deutlich früher zu einer solchen Abklärung geraten werden. Vielen Betroffenen fällt der nächste Schritt schwer und sie gehen ihn oft erst nach vielen gescheiterten Zyklen oder Fehlgeburten. Häufig fehlen relevante Informationen und die Scham erschwert den ersten Schritt. Kinderlosigkeit und Kinderwunschbehandlung sind noch immer Tabuthemen.
Die Behandlung bei Fertilitätsstörungen ist individuell und reicht von hormoneller Stimulation bis hin zur künstlichen Befruchtung. Die Wahl der Behandlung und ihre Erfolgsaussichten sind abhängig von möglichen Erkrankungen und deren Ausprägung (bspw. hormonelle oder gynäkologische Erkrankungen), vom Alter, den Hormonwerten als Anzeichen der Fruchtbarkeit und ob eine Samenspende nötig oder gewünscht ist – bspw. aufgrund unzureichender Samenqualität des Partners, bei Behandlung eines gleichgeschlechtlichen Paars oder einer alleinstehenden Frau*.
Kinderwunschbehandlungen
Wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht eintritt und möglicherweise medizinische Einschränkungen der Fruchtbarkeit gefunden werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten der medizinischen Unterstützung einer Befruchtung – die sogenannte assistierte Reproduktion (ART). Inzwischen wurden 412.230 Kinder nach In-vitro-Fertilisation (IVF) geboren. [6] Die Behandlungen werden durchgeführt in Spezialpraxen für Reproduktionsmedizin – das Teilgebiet der Medizin, welches sich mit Fortpflanzung, Fruchtbarkeit und deren Störung befasst. Das Deutsche IVF Register (D·I·R) bietet eine Liste dieser Kliniken und Praxen in Deutschland. Es gibt verschiedene ART-Methoden, die mit menschlichen Keimzellen oder Embryonen arbeiten, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Meist gehen einer künstlichen Befruchtung Hormonbehandlungen voraus, die den Körper auf die bevorstehende Behandlung vorbereiten sollen und Eizellreifung und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut stimulieren. Aufgrund der genannten Faktoren wird entschieden, welches Verfahren die besten Chancen mit den geringsten Risiken für die Frau* und ihren Kinderwunsch birgt. Denn Kinderwunschbehandlung ist nicht gleich Kinderwunschbehandlung.
Grundsätzlich können bei Endometriose und Adenomyose alle Arten der Kinderwunschbehandlung infrage kommen. Es sollte immer im Einzelfall abgeklärt werden, ob es Besonderheiten durch die individuelle Ausprägung der Erkrankung gibt (z.B. bei durch Endometriose verklebten Eileitern oder der Frage, ob eventuell vor einer Behandlung eine therapeutische Bauchspiegelung empfohlen wird). Folgende ART-Verfahren sind in Deutschland möglich:
Ist eine eingeschränkte Fruchtbarkeit noch nicht gesichert, können Eizellreifung und Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hormonell unterstützt werden. Neben der Hormoneinnahme muss ein genaues Zyklusmonitoring erfolgen, indem der Geschlechtsverkehr auf den Zeitpunkt des Eisprungs abgestimmt wird. Ermittelt wird dieser per Ovulationstest und/oder mittels Ultraschall. Für ein genaueres Timing kann der Eisprung mittels Hormonspritze (hCG-Injektion) ausgelöst werden.
Die wohl schonendste Methode für den Körper ist die IUI. Hierbei werden aufbereitete Spermien per Katheter direkt in die Gebärmutter übertragen. Dieses Verfahren ist nicht möglich bei verschlossenen Eileitern. In diesem Fall wird eine IVF oder ICSI durchgeführt (siehe unten). Auch wenn die IUI als schonendste Methode gilt, bleiben Aufregung bis hin zu psychischem Stress vor, während und nach dem Eingriff nicht aus. Jeder Befruchtungsversuch kann mit viel Hoffnung und zugleich Ängsten verbunden sein.
Für eine IVF oder ICSI werden mehrere Wochen eingeplant, da zunächst eine längere und höhere Hormonbehandlung (per Injektion oder oral) eingeleitet wird, welche die Reifung möglichst vieler Eizellen (ca. 8 bis 20) bewirken soll. Die hohe Anzahl an Eizellen ist wichtig, weil nicht alle Eizellen befruchtungsfähig sind und sich nicht alle befruchteten Eizellen erfolgreich weiter entwickeln. Der Eisprung wird in beiden Verfahren vorab und zu einem berechneten Zeitpunkt medikamentös ausgelöst. Die Eizellentnahme (Punktion) wird während einer Kurznarkose durchgeführt. Dabei werden die Eizellen direkt aus den Eibläschen (Follikeln) im Eierstock entnommen. Es folgt eine Untersuchung, ob bzw. wie viele Eizellen befruchtungsfähig sind.
Es gibt zwei Methoden der künstlichen Befruchtung von Eizellen. Bei der IVF werden Eizellen und Spermien in einem Reagenzglas im Labor zusammengebracht und die Spermien finden ihren Weg zur Eizelle. Bei der ICSI hingegen wird ein einzelnes Spermium mit einer Pipette direkt in die Eizelle injiziert.
Alle befruchteten Eizellen werden in einen Inkubator gegeben, wo die Zellteilung beginnt. Nach zwei bis fünf Tagen zeigt sich, ob sich mindestens eine befruchtete Eizelle soweit entwickelt hat, dass sie in die Gebärmutter eingesetzt werden kann (Tranfser). Dieser Transfer erfolgt nicht immer im selben Zyklus wie die Entnahme der Eizellen. In diesem Fall werden die weit genug entwickelten befruchteten Eizellen (Blastozysten) zwischenzeitlich eingefroren. Nach dem Einsetzen der befruchteten Eizelle beginnt die Wartezeit von ca. vierzehn Tagen bis zum Schwangerschaftstest. In dieser Zeit werden häufig ebenfalls Hormone zur Aufrechterhaltung der Gebärmutterschleimhaut eingenommen.
Auf Wunsch und je nach Voraussetzungen kann auch ein natürlicheres Verfahren ohne oder mit geringerer Hormondosis angewendet werden: eine IVF im natürlichen Zyklus (IVF Naturelle) oder die Mini-IVF im modifizierten Zyklus. Bei der IVF Naturelle wird nur eine Eizelle und bei einer Mini-IVF nur wenige Eizellen gewonnen, was die Wahrscheinlichkeit senkt, eine oder mehrere befruchtbare Eizellen zu gewinnen, die sich nach der Befruchtung ausreichend weiterentwickeln. Je nach Wunsch und körperlicher Voraussetzung können diese sanfteren Methoden aber für einige Frauen* auch aufgrund der geringeren hormonellen Belastung zu einem positiven Ergebnis führen.
Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA) werden angewendet, wenn sich keine Samenzellen in der Samenflüssigkeit befinden. Mithilfe eines operativen Eingriffs wird Sperma direkt aus den Hoden (TESE) oder den Nebenhoden (MESA) entnommen. Anschließend erfolgt eine ICSI.
Der Begriff Social Freezing beschreibt das Einfrieren von Keimzellen, wie Eizellen, Samenzellen oder Hodengewebe. Verwendung findet er meist im Kontext vom Erhalt der Fruchtbarkeit ohne medizinischen Grund, sondern aus Gründen der Lebensplanung. In der Regel ist das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen oder befruchteten Eizellen im Vorkernstadium gemeint (Kryokonservierung). Später können diese aufgetaut und nach Weiterentwicklung im Inkubator transferiert werden. Social Freezing ist also ein Teilschritt einer künstlichen Befruchtung und auch hier geht eine hormonelle Stimulation voraus. Weitere Informationen finden Sie in unserem Blog-Artikel zum Unterschied zwischen Social Freezing und Medical Freezing bei Endometriose.
Gesetzeslage und Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen in Deutschland
In Deutschland sind die rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen für Kinderwunschbehandlungen im Embryonenschutzgesetz (ESchG, seit 1991) festgelegt. Hier werden die Bedingungen für ART-Methoden oder Gametenspenden (Eizellen oder Samen einer dritten Person) reglementiert. Es verbietet neben Leihmutterschaft und Embryonenauswahl („social sexing“) auch die Eizellspende.[7]
Im Gegensatz zu Deutschland sind Eizellspenden in vielen europäischen Ländern erlaubt und auch die Embryonenspende ist hier mit deutlich geringeren Hürden verbunden. In Australien, Georgien, Griechenland, Indien, Kanada, den Niederlanden, der Ukraine und den USA ist außerdem die Leihmutterschaft erlaubt. Viele Deutsche entscheiden sich nicht nur wegen der umfassenderen Möglichkeiten und der Offenheit gegenüber Singles und gleichgeschlechtlichen Paaren für eine Behandlung im Ausland, sondern auch aufgrund höherer reproduktionsmedizinischer Standards. Auch die Altersgrenze ist in vielen Ländern deutlich höher gesetzt als in Deutschland.
Verheiratete Paare oder Paare, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben, können unter bestimmten Voraussetzungen für die ärztlichen Behandlungen eine staatliche Unterstützung beantragen. In jedem Bundesland gelten unterschiedliche Bedingungen und die Höhe der finanziellen Hilfe variiert.[8] Gleichgeschlechtliche Paare und Alleinstehende sind in Deutschland von finanziellen Förderungen ausgeschlossen (vgl. § 27a SGB V).[9]
Ausführliche Informationen zum rechtlichen Rahmen und möglichen Finanzierungen sowie eine umfangreiche Mediathek bietet das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seinem Informationsportal.
Sofern eine Unfruchtbarkeit und die Erfolgsaussicht der Behandlung ärztlich bestätigt sind und die Altersgrenze nicht überschritten ist, können verheiratete Paare eine Beteiligung bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Auch private Krankenversicherungen beteiligen sich je nach Leistungsumfang an den Kosten. Welche Voraussetzungen Paare noch erfüllen müssen, sollten Betroffene am besten frühzeitig bei ihrer Krankenversicherung erfragen.
Risiken während und nach Assistierter Reproduktion
Kinderwunschbehandlungen wie IVF und ICSI bergen physische und psychische Risiken. Schließlich erleben die Frauen* nicht nur die Nebenwirkungen der hohen hormonellen Stimulation von emotionalen Hochs bis hin zu depressiven Verstimmungen, sondern auch und zumeist mehrere operative Eingriffe.
Während der Eizellentnahme kommt es in seltenen Fällen zu Komplikationen, wie Verletzungen von Nachbarorganen, zu Blutungen oder Entzündungen (2021-22: 0,8%).[10] Die über Tage oder Wochen injizierten Hormone können zu einem ovariellen Überstimulationssyndrom (OHSS) führen, was jedoch ebenfalls selten vorkommt (2021-22: 0,2%). Dabei handelt es sich um eine Überreaktion der Eierstöcke, die zu Übelkeit, Bauchschmerzen und in schweren Fällen zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum führt. Zudem birgt die hormonelle Behandlung das Risiko einer Thrombose. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften und Eileiterschwangerschaften ist nach Kinderwunschbehandlung ebenfalls erhöht.
Eine gute Aufklärung durch die Klinik ist also unabdingbar vor jeder Kinderwunschbehandlung. In einer guten Beratung sollte neben Risiken auch über Chancen gesprochen werden. Denn bei aller Hoffnung sollte den Frauen* und Paaren bewusst sein, dass assistierte Reproduktion keine Garantie auf eine Schwangerschaft und eine erfolgreiche Geburt gibt. Während die Rate klinischer Schwangerschaften pro Embryotransfer 2022 bei 31 Prozent lag, betrug die Lebendgeburtenrate (Baby-Take-Home Rate) pro Transfer 22,5 Prozent.[8] Das heißt, knapp ein Drittel der Schwangerschaften endet in Fehlgeburten bzw. verhaltenen, also unbemerkten, Fehlgeburten (Missed Abortion - MA) und selten in einer Totgeburt.
Der Verlust kann nach fortgeschrittener Schwangerschaft und bestätigtem Herzschlag per Ultraschall besonders belastend sein. Dies kann für die Frauen* und ihre Partner*innen, sowie für ihre Beziehung, die Familie und den weiteren Weg der Kinderwunschreise herausfordernd sein.
Psychische Belastungen und Ressourcen im Kinderwunsch
Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt im Vierwochentakt. Menschen, die aktiv ihren Kinderwunsch verfolgen, können monatlich eine Achterbahn der Gefühle erleben und das meist im Stillen, ohne Begleitung oder therapeutische Betreuung. Ungewollte Kinderlosigkeit kann zu einer tiefgreifenden Veränderung des Alltags führen.
Die Entscheidung für eine Kinderwunschbehandlung fällt nicht immer leicht. Und wenn diese Entscheidung getroffen wurde, folgen meist noch zahlreiche weitere. Spezielle Kliniken führen die Behandlungen durch und stehen den Frauen* oder Paaren beratend zur Seite, die Entscheidungen innerhalb der Behandlungen liegen aber immer bei den Kinderwunschpatient*innen selbst.
Der Weg zur Erfüllung des sehnlichsten Wunsches kann zu einem klinischen Projekt mit Deadlines, Pflichten, Terminstress und Wahrscheinlichkeitsrechnungen werden. Zeitlicher und psychischer Stress kann sich schon bei Geschlechtsverkehr nach Zyklusmonitoring einstellen. Während einer ART-Behandlung kommen noch regelmäßige Praxistermine, Kontrolluntersuchungen und die Verabreichung von Hormonspritzen nach Plan, teils vor oder während der Arbeitszeit, hinzu.
Eine Kinderwunschbehandlung kann nicht nur zeitintensiv, sondern auch sehr kostspielig sein. Die hohe finanzielle Belastung ist ein weiterer Stressfaktor und führt dazu, dass viele Frauen* und Paare ihren Kinderwunsch deshalb aufgeben. Für viele Paare ist die Zeit der Kinderwunschbehandlung eine Herausforderung, da sie sich nicht immer einig sind bezüglich der Behandlung oder auch der Frage, wann es Zeit ist aufzugeben. Singles hingegen fühlen sich auch mit Unterstützung durch Freund*innen und Familie alleine in ihrer Situation und mit den für sie so wichtigen Entscheidungen.
Zeitlicher Druck, Sorge vor einem weiteren negativen Versuch und die Behandlungen an sich können zu erheblichem Stress, Ängsten und Depressionen führen. In manchen Fällen können Frauen* ein Trauma erleiden mit anschließender Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Es ist wichtig, dass Menschen in Kinderwunschbehandlung rechtzeitig über emotionale und psychische Langzeitfolgen aufgeklärt werden. Es kann z.B. währenddessen oder bereits vorher eine psychosoziale Kinderwunschberatung in Anspruch genommen werden.
Der verhaltene Umgang mit den Themen Kinderwunsch, Fehlgeburt, Kinderlosigkeit und Kinderwunschbehandlung macht diese noch immer zu Tabuthemen. Betroffenen fehlen damit relevante Informationen und der Austausch über die Belastung. Zudem ist ein zunächst positives Testergebnis mit späterem negativen Ausgang nicht selten und die Betroffenen können nach einem hoffnungsvollen Hoch tief fallen. Vielen hilft es, sich in einschlägigen Foren mit Leidensgenoss*innen auszutauschen, sich von Kinderwunschexpert*innen beraten zu lassen.
Neben professionellen Unterstützungsmöglichkeiten und Selbsthilfe-Angeboten können Betroffene auf bereits vorhandene Ressourcen und Bewältigungsstrategien zurückgreifen. Eine offene Kommunikation innerhalb der Partnerschaft und mit anderen Vertrauenspersonen im Umfeld kann Entlastung bringen. Es kann auch eine hilfreiche Strategie sein, sich bewusst eine Auszeit vom Kinderwunsch zu nehmen, z.B. in einem Urlaub. Manchen tut es gut, sich möglichst ausführlich über die Möglichkeiten und Grenzen von Kinderwunschbehandlungen zu informieren und sich dadurch auch emotional auf die Höhen und Tiefen einstellen zu können. Dabei kann es manchmal herausfordernd sein, dem Thema nicht zu viel Raum zu geben.
Es kann sinnvoll sein, sich bereits frühzeitig mit alternativen Lebensplänen auseinanderzusetzen und sich diese gedanklich auszumalen. Dabei kann es um alternative Wege zur Elternschaft (z.B. Pflegschaft oder Adoption) oder die Möglichkeit eines Lebens ohne eigene Kinder. Dadurch erweitert sich der gedankliche Möglichkeitsraum, was entlastend sein kann.
Jeder Mensch hat unterschiedliche Strategien im Umgang mit psychischen Belastungen und Krisen. Es kann helfen, sich an frühere belastende Situationen im Leben zu erinnern und zu überlegen, was damals geholfen hat und wie man es geschafft hat, die Krise zu meistern.
Um einen kostenfreien Beratungstermin zum Thema Endometriose und Kinderwunsch zu vereinbaren, rufen Sie uns an: 0341 3065304 oder schreiben uns eine E-Mail an: info@endometriose-vereinigung.de
Telefonisch erreichen Sie uns:
Mo, Di, Do, Fr: 10:00 - 12:00 Uhr
Mi: 16:00 - 18:00 Uhr
Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) hat außerdem eine Liste mit weiteren zertifizierten Berater*innen im Bereich psychosoziale Kinderwunschberatung. Die Angebote sind teilweise kostenfrei und teilweise auf Honorarbasis.
Abschied vom Kinderwunsch
Der Abschied vom Kinderwunsch ist keine Entscheidung, die Menschen von einem auf den anderen Tag treffen. Oft verhandeln sie über einen langen Zeitraum mit sich selbst. Viele durchlaufen zuvor eine Reihe psychischer Reaktionen auf Diagnosen, Behandlung und Verluste: Verleugnung, Ohnmachtsgefühl, Ärger bis Wut, Isolation, Schuld, depressive Symptome und Trauer.
Mögliche Gedanken und Gefühle
Oft suchen die Betroffenen nach Gründen für den unerfüllten Kinderwunsch und glauben, psychologische Ursachen, bestimmte Verhaltensweisen oder Ereignisse, wie ein Schwangerschaftsabbruch in jungen Jahren, als Ursache für die Fertilitätsstörung und Kinderlosigkeit ausmachen zu können. Sie geben sich selbst die Schuld und schämen sich für Vergangenes oder nehmen sich selbst übel, zu lange gewartet zu haben.
Durch Trauer zur Akzeptanz
Das Nicht-Ereignis zu akzeptieren ist häufig ein Trauerprozess. Im ersten Schritt wird die Trauer zugelassen und im zweiten lernen die Betroffenen, ihr und sich selbst Zeit zu geben. Dabei hilft es, die Ressourcen, die über Monate oder Jahre in den Kinderwunsch investiert wurden, nicht als verlorene Kraft zu sehen, sondern ihnen angemessene Wertschätzung entgegenzubringen. Schließlich war es eine Investition in einen wichtigen Wunsch und in sich selbst. Der Kinderwunsch darf liebevoll verabschiedet werden. Es braucht jetzt viel Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl. Neben Gesprächen mit Partner*in, Freund*innen und Therapeut*innen können individuelle Rituale dabei unterstützen. Auch eine professionelle Trauerbegleitung kann in Betracht gezogen werden.
Und jetzt?
Das Nicht-Ereignis ist ein Wendepunkt im Leben. Handelt es sich doch eigentlich um eine Kindersehnsucht und grundlegende menschliche Bedürfnisse, wie Zugehörigkeit oder Verlässlichkeit, die nicht einfach kompensiert werden können. Eine berufliche Neuorientierung oder eine lang aufgeschobene Reise können ein Anfang sein für neue Perspektiven und ein neues Lebenskonzept. Auch die Vorteile eines Lebens ohne Kind können wiederentdeckt und das kinderlose Leben kann sogar zum kinderfreien Leben werden.
Oft haben Menschen nach abgeschlossener aber erfolgloser Kinderwunschbehandlung hohen Nachholbedarf an Leben und nicht selten entsteht daraus ein großes Lebenswerk.
Ein Plan B, der bereits früh durchdacht und bestenfalls besprochen oder niedergeschrieben wurde, kann helfen, die Kinderlosigkeit zu akzeptieren und kann bereits während der Kinderwunschzeit eine Stütze sein.
In jedem Fall kann professionelle Hilfe wie eine psychosoziale Beratung, Besuch von Selbsthilfegruppen oder eine Gesprächstherapie ratsam sein.
Empfehlungen zum Weiterlesen:
- Webseite des Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD): https://www.bkid.de/
- Psychosoziale Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch: die BKiD-Checkliste für Paare: https://www.bkid.de/wp-content/uploads/2019/04/BKiD-Checkliste-2019.pdf
- Ratgeber des BKiD Kinderwunsch (Kohlhammer 2022): „Der Traum vom eigenen Kind - Psychologische Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch”, H. Stammer u. T. Wischmann
- „Wege der Trauer. Leben mit Tod und Verlust”, Vamik Volkan u. Elisabeth Zintl (Psychosozial-Verlag 2000)
- „Einen geliebten Menschen verlieren. Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer”, Doris Wolf (PAL Verlag 2000)
- „Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses”, Verena Kast (Kreuz Verlag 2011)
- „Lebenskrisen werden Lebenschancen: Wendepunkte des Lebens aktiv gestalten”, Verena Kast (Herder 2003)
Herausforderungen für Betroffene ohne Kinderwunsch
Endometriose wird mit eingeschränkter Fruchtbarkeit und somit häufig mit einem unerfüllten Kinderwunsch in Verbindung gebracht. Und das nicht ohne Grund, bei 50 % der Patientinnen* mit unerfülltem Kinderwunsch liegt eine Endometriose-Diagnose vor. Daher wird der Kinderwunsch sowohl im medizinischen als auch privaten Kontext im Rahmen der Endometriose-Diagnose schnell zum zentralen Bezugspunkt. Doch was passiert mit Betroffenen, die explizit keinen Kinderwunsch haben?
Endometriose-Betroffene berichten davon, dass bei der ärztlichen Beratung ein möglicher Kinderwunsch selbst dann in den Vordergrund rückt, wenn sie klar kommunizieren, keine Kinder bekommen zu wollen. Therapieentscheidungen, wie etwa der Umgang mit Operationen, orientieren sich dabei zum Teil vorrangig am potentiellen Erhalt der Fruchtbarkeit.
Ein Beispiel ist die Diskussion um eine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter), die für manche Betroffene eine letzte Option bei starkem Leidensdruck (v. a. bei Adenomyose) darstellt. Doch auch, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, und der Wunsch nach einem solchen Eingriff artikuliert wird, erleben Betroffene eine Ablehnung seitens des medizinischen Personals, mit dem Argument, dass „vielleicht ja doch noch ein Kinderwunsch aufkommt“.
Dies kann dazu führen, dass Frauen* trotz massiver Einschränkungen im Alltag und fehlender Wirksamkeit anderer Therapien keine angemessene Behandlung erhalten. Die eigene Entscheidung für ein kinderfreies Leben wird dabei nicht als gleichwertig anerkannt, sondern infrage gestellt. Solche Erfahrungen können zu einem Gefühl der Entmündigung und Frustration führen, insbesondere dann, wenn sich solche Situationen wiederholen.
Die ständige Konfrontation mit einem Kinderwunsch, den man selbst nicht hat, kann für Betroffene belastend sein, besonders, wenn sie sich vor medizinischem Fachpersonal und/oder im privaten Umfeld dafür rechtfertigen müssen. Dies kann die ohnehin schon erhebliche psychische Belastung von Betroffenen verstärken. Die Vielfalt an Lebensentwürfen und Bedürfnissen bleibt bislang sowohl gesellschaftlich als auch medizinisch unberücksichtigt.
Ein Ziel der Versorgung von Endometriose-Betroffenen sollte es sein, Lebensentwürfe wertfrei und objektiv zu begleiten. Dazu gehört eine Beratung, die auf Augenhöhe erfolgt, individuelle Bedürfnisse ernst nimmt und verschiedene Therapieoptionen nicht ausschließlich unter dem Fokus der Fruchtbarkeit bewertet.
Wichtiger Hinweis:
Die auf unserer Webseite veröffentlichten Informationen stellen keinen Ersatz für professionelle Beratungen durch Ärzt*innen dar. Unsere Seiten informieren aus Sicht unserer Selbsthilfe-Vereinigung über Endometriose und damit verbundene Themen. Die Inhalte sind nicht zur selbständigen Diagnostizierung, Therapie oder Veränderung einer Behandlung geeignet. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Krankheit haben, sprechen Sie bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Überprüft und aktualisiert: 2025
Disclaimer
An Endometriose können Mädchen und Frauen erkranken, sowie Personen, die sich nicht als Mädchen oder Frau fühlen, aber mit einem weiblichen Chromosomensatz (46 XX) geboren wurden. Alle Menschen mit einem weiblichen Chromosomensatz können an Endometriose erkranken, unabhängig vom Vorhandensein einer Gebärmutter, von Alter, ethnischer Herkunft, Geschlechtsidentität, sozialem Hintergrund oder Lebensstil. Im Folgenden sind alle möglicherweise betroffenen Menschen gemeint, selbst wenn nur von Frauen oder Mädchen gesprochen wird.
