Was ist Adenomyose?

Die Frage „Endo… Was?“ scheint mittlerweile seltener zu werden, da Endometriose zum Glück immer bekannter in der breiten Öffentlichkeit wird. Anders sieht es da bei der „Adenomyose“ aus. Diese ist noch wesentlich unbekannter und auch bei der Suche nach medizinischen Fachartikeln bekommt man im Jahr 2023 zehnmal so viele Ergebnisse zu „Endometriose“ wie zu „Adenomyose“. Da es sich aber um eine ebenfalls sehr verbreitete Erkrankung handelt, möchten wir an dieser Stelle darüber informieren, was dazu aktuell bekannt ist.

Allgemeines zu Adenomyose

Lange wurde die Adenomyose (auch: Adenomyosis uteri) als eine Unterform der Endometriose bezeichnet. Einige ordnen die Erkrankung bis heute so ein. Davon abgeleitet wurde sie als „Endometriose des Uterus“ (internationale medizinische Klassifikation im ICD 10: N80.0) eingeordnet [1].

Vereinfacht gesagt ist Adenomyose das Vorkommen von Endometriose-Herden in der Muskelwand der Gebärmutter (Myometrium). Mittlerweile wurde allerdings festgestellt, dass die Struktur dieser Herde Unterschiede zu „klassischen“ Endometriose-Herden aufweist. Unter anderem deshalb wird die Adenomyose mittlerweile als eigenständige Erkrankung angesehen [3, 4]. Adenomyose kann sowohl gemeinsam mit Endometriose, als auch einzeln auftreten.

Die Adenomyose-Herde können verschiedene Formen und Größen haben und unterschiedlich über die Muskelwand des Uterus verteilt sein (= lokal oder diffus) [1, 3].

Wie verbreitet ist Adenomyose?

Zu dieser Frage ist der Forschungsstand noch unklarer als bei Endometriose: Schätzungen zufolge sollen zwischen 5% und 70% aller Menschen mit Uterus im sogenannten „gebärfähigen Alter“ betroffen sein. Das mangelnde Wissen über die Verbreitung hat unter anderem damit zu tun, dass die Erkrankung über viele Jahre nur zufällig nach einer (meist aus anderen Gründen vorgenommenen) Gebärmutterentfernung diagnostiziert wurde [3].

Symptome

Die häufigsten Symptome der Adenomyose sind:

  • Eine besonders starke Menstruationsblutung

  • Starke Schmerzen bei der Menstruation

  • Chronische Unterbauchschmerzen

  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit

Ebenfalls häufig genannt werden:

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Verlängerte Blutungsdauer

  • Azyklische Blutungen/Zwischenblutungen

  • Erhöhte Rate an Fehl- und Frühgeburten

Hier lässt sich bereits erkennen, dass es für Betroffene nicht einfach ist, die Symptome von Endometriose und Adenomyose zu unterscheiden.

Diagnose

Die Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Endometriose akzeptiert für die Adenomyose ausdrücklich die Diagnosestellung durch vaginalen Ultraschall und/oder Magnetresonanztomografie (MRT). Das ist ein Unterschied zur Diagnose von Endometriose: diese kann mittlerweile häufig durch Ultraschall aussagekräftig sein, gilt jedoch nach wie vor nur durch eine Gewebeprobe, die im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) entnommen wird, als gesichert. Der Grund für diesen Unterschied liegt darin, dass die Ergebnisse von Gewebeproben bei Adenomyose nicht eindeutig genug sind [1, 2].

Spezialisierte Ärzt*innen können an verschiedenen Merkmalen im Ultraschall bzw. MRT erkennen, ob eine Person wahrscheinlich an Adenomyose erkrankt ist. Beispielsweise ist die Gebärmutter häufig vergrößert, die Gebärmuttermuskelwand auf verschiedene Weisen auffällig geformt und die sogenannte Junktionalzone (Zwischenschicht zwischen Gebärmutterschleimhaut und Muskelschicht) verbreitert [1, 2].

Behandlung

In der evidenzbasierten Medizin (oft Schulmedizin genannt) gibt es nach aktuellem Stand einige medikamentöse sowie operative Therapiemethoden.

Medikamentöse Behandlung

Hier wird zwischen hormonellen und nicht-hormonellen Therapien unterschieden. Bei den nicht-hormonellen Behandlungsformen geht es v. a. um Schmerzmedikamente.

Im Gegensatz zur Endometriose-Behandlung, bei der das Gestagen „Dienogest 2 mg“ offiziell für die hormonelle Behandlung zugelassen ist und eine klare erste Wahl darstellt, gibt es für Adenomyose bislang kein eindeutig bevorzugtes hormonelles Mittel. Folgende Hormonpräparate können laut Leitlinie eingesetzt werden:

  • GnRH-Analoga (führen zu künstlichen Wechseljahren; max. Einnahme 6 Monate)

  • Hormonspirale (Wirkstoff: Levonorgestrel)

  • Pillen mit Gestagen als hormonellem Wirkstoff

  • Pillen mit Östrogen und Gestagen (Kombinierte orale Kontrazeptiva; KOK)

Die Hormonspirale kann die Methode der Wahl sein, da sie direkt in die Gebärmutter eingesetzt wird und entsprechend nah an den Adenomyose-Herden wirkt.

Operative Methoden

Laut medizinischer Leitlinie ist die chirurgische Entfernung von Adenomyose-Herden mittels einer Bauchspiegelung – unter Erhaltung des Uterus! – durchaus möglich. Je nachdem, wie ausgedehnt die Herde sind und ob sie eher diffus oder auf einzelne Punkte verteilt liegen, ist eine solche Entfernung besser oder schlechter möglich. Es sollte unbedingt abgeklärt werden, ob die Chirurgin oder der Chirurg die nötige Erfahrung für eine solche Operation hat [1, 2].

Nach abgeschlossener bzw. nicht gewünschter Familienplanung und mit gründlicher Aufklärung und Abwägung, kann auch eine Behandlung durch die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) erfolgen.

Es gibt außerdem radiologische Therapieformen (Embolisation, Elektroablation, hochfrequentierter gebündelter Ultraschall), mit denen die Adenomyose-Herde entfernt werden sollen. Für die Wirksamkeit gibt es aber bisher keine klaren Belege. Daher sollte diese Form der Behandlung nur in kontrollierten medizinischen Studien angewendet werden [1].

Komplementäre Behandlung

Wie bei Endometriose möchten viele Betroffene, zusätzlich oder anstatt konservativer Behandlungsformen, weitere Möglichkeiten nutzen, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Dabei kann es beispielsweise um die Regulierung des Zyklus und der Blutungsstärke durch pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer gehen.

Bei chronischen Schmerzen kann eine multimodale Schmerztherapie, oder einzelne Komponenten daraus, wirksam sein. Dazu zählen u. a.:

  • Bewegung/Sport

  • Physiotherapie

  • Osteopathie

  • Traditionelle Chinesische Medizin

  • Krampflösende und entzündungshemmende Kräutertees (z.B. Schafgarbe, Kamille)

  • Yoga/Meditation

  • Psychologische Beratung/Psychotherapie

  • Ausgewogene Ernährung

Betroffene können für sich individuell herausfinden, welche (Mischung aus) Behandlungsformen ihnen die bestmögliche Lebensqualität bringen.

Bei Verdacht auf Adenomyose und/oder Endometriose empfiehlt es sich, diesen in einer spezialisierten Fachklinik oder Facharztpraxis abklären zu lassen.

Das Team unserer Beratungsstelle steht Ihnen sehr gern im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ zur Seite.

Wichtiger Hinweis:

Die auf unserer Webseite veröffentlichten Informationen stellen keinen Ersatz für professionelle Beratungen durch Ärzt*innen dar. Unsere Seiten informieren aus Sicht unserer Selbsthilfe-Vereinigung über Endometriose und damit verbundene Themen. Die Inhalte sind nicht zur selbständigen Diagnostizierung, Therapie oder Veränderung einer Behandlung geeignet. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Krankheit haben, sprechen Sie bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Überprüft und aktualisiert: 2023

Referenzen

  1. AWMF-S2k-Leitlinie Nr. 015-045: Diagnostik und Therapie der Endometriose (2020).

  2. Janschek, E. (2019). Adenomyose. Ein aktueller Überblick. Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Österreich, 29, 76-85.

  3. Hutmacher, J., Imesch, P., & Fink, D. (2018). Die Adenomyose. Update 2018. Gynäkologie, 1, 20-28.

  4. Lacheta, J. (2019). Uterine adenomyosis: pathogenesis, diagnostics, symptomatology and treatment. Česká gynekologie, 84(3), 240-246.