Endometriose und Fibromyalgie

Viele Menschen mit Endometriose leiden zusätzlich unter Symptomen wie diffusen Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen oder kognitiven Beeinträchtigungen, wie sie auch bei Fibromyalgie auftreten. Dies macht eine differenzierte Betrachtung sowie individuell angepasste Behandlungs- und Bewältigungsstrategien erforderlich.

Basierend auf einem Fachgespräch mit Kerstin Goldstein, das im Rahmen der Gesprächsreihe zu begleitenden Beschwerden und Erkrankungen bei Endometriose im Kontext unserer Jahrestagung 2025 stattfand, haben wir Informationen zu Symptomen, Abgrenzung und Überschneidungen sowie zu alltagsnahen Strategien im Umgang mit beiden Erkrankungen zusammengetragen.

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom, das sich durch weit verbreitete Muskel- und Gliederschmerzen, ausgeprägte Erschöpfung und häufig auch kognitive Beeinträchtigungen („Fibro-Fog“) äußert. Die Beschwerden ähneln in ihrer Wirkung einem langanhaltenden Grippegefühl, nur ohne Fieber.

Viele Betroffene beschreiben, dass sie sich dauerhaft schlapp, müde und antriebslos fühlen. Schmerzen und Erschöpfung beeinträchtigen oft den Alltag, das Arbeitsleben und die Lebensqualität erheblich. Dazu kommen häufig Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und eine erhöhte Reizempfindlichkeit.

Trotz messbarer Einschränkungen lässt sich Fibromyalgie bislang nicht durch eindeutige Labor- oder Bildgebungsverfahren nachweisen. Sie gehört daher zu den sogenannten funktionellen oder somatoformen Erkrankungen, was keinesfalls bedeutet, dass die Schmerzen „nur eingebildet“ sind. Im Gegenteil: Die Beschwerden sind real und ernst zu nehmen.

 

Fibromyalgie erkennen - typische Symptome

Fibromyalgie zeigt sich durch ein vielschichtiges Bild an Symptomen. Besonders charakteristisch sind vier Hauptbeschwerden:

  • Weit verbreitete Schmerzen im gesamten Körper – oft ohne erkennbare Ursache, mal in der Hüfte, mal im Fuß, mal stärker, mal schwächer. Viele Betroffene sprechen von „Wanderschmerzen“.

  • Fatigue – eine tiefe, körperliche und geistige Erschöpfung, die auch durch Schlaf oder Urlaub nicht wirklich verschwindet.

  • Schlafstörungen – man schläft schlecht ein oder durch, wälzt sich im Bett, wacht gerädert auf. Der Schlaf ist nicht erholsam.

  • „Brain Fog“ (Gehirnnebel) – Probleme mit Konzentration, Merkfähigkeit oder Wortfindung, oft begleitet von einem Gefühl mentaler Benommenheit.

Kerstin Goldstein berichtet über ihre eigene Erfahrung mit Brain Fog folgendermaßen: „Ich habe gesagt: ‚Heb den rechten Arm‘ – und habe selbst das linke Bein gehoben.“

Gemeinsame Beschwerden: Endometriose und Fibromyalgie

Viele Symptome der Fibromyalgie überschneiden sich mit denen der Endometriose:

  • Chronische Schmerzen – begleiten beide Erkrankungen häufig über Jahre

  • Schlafprobleme – durch nächtliche Schmerzen oder innere Unruhe

  • Fatigue – als Folge von Dauerbelastung und unzureichender Regeneration

  • Kognitive Beeinträchtigungen – bei beiden Erkrankungen berichten Betroffene über Konzentrationsschwierigkeiten und mentale Erschöpfung.

Beide Erkrankungen greifen körperlich wie psychisch tief in den Alltag ein. Und auch wenn die Symptome sich ähneln, braucht jede Diagnose ihren eigenen, individuellen Blick.

 

Weitere Informationen zu Fibromyalgie und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Kerstin Goldstein.

Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?

Die Diagnose Fibromyalgie ist bis heute eine Herausforderung. Denn es gibt keinen eindeutigen Labortest oder bildgebenden Nachweis, der die Erkrankung zuverlässig belegt. Stattdessen basiert die Diagnose auf einem Ausschlussverfahren und auf den Beschwerden selbst.

Die wichtigsten Schritte:

 

Ausschluss anderer Erkrankungen

Zunächst wird geprüft, ob andere körperliche Ursachen (z. B. Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen oder Nährstoffmängel) die Symptome erklären können.

 

Schmerzerfassung per Fragebogen

Ärzt*innen nutzen standardisierte Fragebögen, um die Häufigkeit, Intensität und Verteilung der Schmerzen sowie Begleitsymptome wie Fatigue oder kognitive Einschränkungen zu erfassen.

 

Dauer der Symptome

Die Beschwerden müssen mindestens drei Monate anhalten und verschiedene Körperbereiche (oben/unten, rechts/links) betreffen.

 

Früher: Tender Points

In den 1990er Jahren galt eine Druckempfindlichkeit an mind. 11 von 18 definierten Körperstellen als Kriterium. Heute spielt das eine untergeordnete Rolle.

 

Wie bei Endometriose vergeht auch bei Fibromyalgie oft viel Zeit, bis eine Diagnose gestellt wird. Viele Betroffene fühlen sich bis dahin nicht ernst genommen. Umso wichtiger kann es sein, wenn die Diagnose endlich Klarheit und Handlungsoptionen bringt.

Wer ist zuständig?

Ein Verdacht auf Fibromyalgie stellt viele Betroffene zunächst vor die Frage: Wer hilft mir weiter? Damit beginnt die Herausforderung: Fibromyalgie ist bislang keiner medizinischen Fachrichtung eindeutig zugeordnet. Das führt dazu, dass sich viele Ärzt*innen im System nicht zuständig fühlen und sich Betroffene „von Stelle zu Stelle“ weiterüberweisen lassen müssen. 

Erste Anlaufstellen bei Verdacht auf Fibromyalgie sind:

  • Hausärztin oder Hausarzt: Die erste und wichtigste Anlaufstelle, auch zur Koordination von fachärztlichen Terminen.

  • Fachärztliche Mitwirkung: Je nach Symptomlage kommen folgende Fachrichtungen infrage:

    • Rheumatologie (zum Ausschluss entzündlich-rheumatischer Erkrankungen)

    • Neurologie (bei Nervenschmerzen, Taubheitsgefühlen etc.)

    • Schmerzmedizin (für ein multimodales Schmerzmanagement)

  • Ganzheitlich denkende Mediziner*innen: Hausärzt*innen mit Zusatzausbildung in funktioneller Medizin, Naturheilkunde oder integrativer Medizin können hilfreich sein, wenn die Symptome komplex sind und mehrere Körpersysteme betreffen.

 

Gut vorbereitet ins Gespräch

Die Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) bietet Fragebögen zur Selbsteinschätzung an, mit denen man Symptome dokumentieren und besser einschätzen kann. Das erleichtert nicht nur die eigene Orientierung, sondern kann auch im ärztlichen Gespräch hilfreich sein.

Therapie bei Fibromyalgie

Die Behandlung der Fibromyalgie erfordert Zeit, Geduld und vor allem Selbstbeobachtung. Es gibt nicht die eine Therapie, die allen gleichermaßen hilft. Vielmehr braucht es eine Kombination aus medizinischer Begleitung, Selbsthilfe, achtsamem Lebensstil und kleinen, nachhaltigen Veränderungen im Alltag.

Der Alltag hat großen Einfluss auf das Beschwerdebild. Ernährung, Schlaf, Arbeit, Stress und soziale Verpflichtungen wirken unmittelbar auf das Nervensystem und damit auch auf die Fibromyalgie.
Kerstin Goldstein rät, den eigenen Lebensstil schrittweise zu überprüfen:

  • Achtsamkeit & Stressmanagement: regelmäßige Pausen, Entlastung im Alltag, Meditation, Atemübungen, Progressive Muskelrelaxation (PMR)

  • Ernährung: entzündungsarme, ausgewogene Ernährung, ohne ständigen Perfektionsdruck

  • Beruf & Alltag: Belastungen realistisch anpassen – das Hamsterrad darf sich auch mal langsamer drehen

  • Veränderungsbereitschaft: kleine, machbare Schritte wirken langfristig stärker als große, kurzfristige Umstellungen

Fibromyalgie bedeutet, dass der Körper mit seinen Energieressourcen besonders achtsam umgehen muss. Energie sparen beginnt bei kleinen Details:

  • Energie sparen im Alltag:

    • Sitzen statt stehen beim Kochen oder Hausarbeiten

    • Arbeitsabläufe vereinfachen, unnötige Wege vermeiden

    • Gut geschliffene Messer oder ergonomische Hilfsmittel nutzen

  • Energieplanung: bewusste Pausen einbauen, Aufgaben priorisieren

  • Selbstwahrnehmung: spüren, wann genug ist, bevor der Körper zur Ruhe zwingt

Bewegung ist essenziell für Muskeln, Stoffwechsel und Wohlbefinden. Doch bei Fibromyalgie gilt: Weniger kann mehr sein.
Viele Betroffene erleben, dass zu intensive oder falsche Bewegungsformen die Symptome verschlimmern. Entscheidend ist, Aktivitäten zu finden, die Energie geben statt rauben.

Empfehlenswert sind:

  • Sanfte Bewegung (z. B. Spaziergänge, Dehnübungen, Yoga, Pilates, Aqua-Fitness)

  • Kurze, regelmäßige Einheiten statt intensiver Belastung

  • Bewusste Körperwahrnehmung – was fühlt sich nachhaltig gut an?

Wer früher Sport geliebt hat, kann mit Geduld oft wieder dorthin zurückfinden, aber der Weg dahin braucht Zeit, Stabilität und Selbstbeobachtung.

Fibromyalgie ist keine Erkrankung, die sich in wenigen Tagen bessert. Sie erfordert kontinuierliche, achtsame Anpassung. Kleine Fortschritte sind genauso wichtig wie große Erfolge und jeder Tag, an dem man den eigenen Körper besser versteht, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Mögliche Gründe für ausbleibende Linderung

Viele Betroffene probieren über Monate hinweg verschiedene Maßnahmen aus, von Ernährung über Bewegung bis hin zu medizinischen Behandlungen. Doch manchmal bleibt der gewünschte Effekt aus.

Kerstin Goldstein beschreibt es so: „Dein Körper ist wie ein Orchester – und wenn nur ein oder zwei Instrumente schief spielen, klingt das ganze Stück nicht harmonisch.“

Häufige Ursachen für stagnierende Beschwerden können vielfältig sein:

Viele wichtige Faktoren werden in der ärztlichen Routineversorgung nicht ausreichend berücksichtigt:

  • Schlafstörungen, die unbehandelt bleiben
  • Schilddrüsenprobleme, die durch Standardtests nicht auffallen
  • Nährstoffmängel, etwa bei Magnesium, Vitamin D oder B12
  • Hormonelle Ungleichgewichte
  • Verdauungsprobleme, die den Körper zusätzlich belasten

    Wichtig: Eine gründliche Diagnostik – idealerweise mit funktioneller oder integrativer Sicht – kann hier entscheidende Hinweise liefern.

Wer dauerhaft über seine Belastungsgrenzen geht, kann auch mit der besten Therapie keine echte Verbesserung erwarten. Häufige Hindernisse können sein:

  • Man kennt hilfreiche Maßnahmen, wendet sie aber nicht an
  • Man bleibt im alten Rhythmus, obwohl der Körper zur Veränderung drängt
  • Es fehlt die Bereitschaft, wirklich etwas im Alltag zu verändern
  •  

Fibromyalgie kann – wie auch Endometriose – oft ein Umdenken im Lebensstil erfordern. Wer versucht, den „alten Alltag“ weiterzuleben wie zuvor, kann an seine Grenzen stoßen. Veränderung muss nicht radikal sein, aber kleine, kontinuierliche Schritte machen langfristig einen großen Unterschied.

Manchmal liegt es schlicht an den Umständen:

  • Fehlender Zugang zu geeigneter medizinischer oder therapeutischer Hilfe
  • Familiäre Verpflichtungen (z. B. kleine Kinder), die keine Entlastung zulassen
  • Finanzielle Einschränkungen, die bestimmte Behandlungen oder Tests unmöglich machen
  •  

Aber: Wer Verständnis für die Komplexität der Erkrankung entwickelt und gleichzeitig selbstwirksam bleibt, kann auch aus vermeintlichen Stillständen neue Kraft schöpfen.

Weitere Informationen zu Fibromyalgie und Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Kerstin Goldstein.

Aus der Community: Eure Fragen – Kerstin Goldstein antwortet 

Kerstin Goldstein ist Fitnesscoach und Expertin für Verhaltensveränderung mit langjähriger Erfahrung in der ganzheitlichen Gesundheitsförderung. Seit ihrer eigenen Fibromyalgie-Diagnose begleitet sie insbesondere Betroffene mit chronischen Schmerzerkrankungen dabei, durch achtsame Bewegung, Energie-Management und alltagsnahe Strategien einen selbstbestimmten Umgang mit ihren Beschwerden zu entwickeln. Über ihre Arbeit informiert sie zusätzlich auch auf ihrem Instagram-Kanal.

Im Anschluss an das Gespräch beantwortete sie Fragen aus der Community zu Fibromyalgie, Endometriose und dem Umgang mit chronischen Schmerzen und Erschöpfung. Ihre Einschätzungen geben Einblicke in alltagsnahe Bewältigungsstrategien sowie in Möglichkeiten und Grenzen eines integrativen, nicht-medikamentösen Ansatzes.

Kerstin Goldstein

Typisch sind:

  • Wandernde Schmerzen ohne organischen Befund (z. B. Schulter heute, Knie morgen)

  • Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf

  • Leistungseinbußen im Alltag (z. B. beim Treppensteigen oder Spazierengehen)

  • Schlafstörungen ohne erkennbare Ursache

  • Häufige Untersuchungen ohne eindeutige Ergebnisse (z. B. leere MRT-Befunde)

Ein möglicher Zusammenhang mit chronischem Stress sollte ebenfalls beachtet werden.

Nein, Fibromyalgie ist weder eine rheumatische noch eine Autoimmunerkrankung. Sie gilt als eigenständiges chronisches Schmerzsyndrom. Dennoch treten bei vielen Betroffenen zusätzlich Autoimmunerkrankungen auf, was die Diagnostik erschwert und die Beschwerden verstärken kann.

Viele Betroffene erleben Wellenverläufe: Phasen mit besseren Tagen wechseln sich mit starken Schmerzschüben ab. Auslöser können sein:

  • Überforderung (körperlich, emotional)

  • Schlechter Schlaf

  • Wetterumschwünge

  • Hormonveränderungen

  • Reizüberflutung oder ungewohnte Aktivitäten

Ziel ist es oft, ein stabiles individuelles Niveau zu erreichen, mit möglichst kleinen „Wellen“ im Verlauf.

Die durch Endometriose verursachten Schmerzen sind sehr vielgestaltig, was die Diagnose häufig erschwert. Typisch sind starke Menstruationsschmerzen, doch Beschwerden können sowohl zyklusabhängig als auch zyklusunabhängig auftreten. Endometriose kann nicht nur im Beckenbereich, sondern auch im gesamten Körper Schmerzen – etwa im Rücken, in den Beinen, im Bauchraum oder sogar an weniger typischen Stellen - verursachen.

Die Fibromyalgie hingegen zeigt sich meist durch wandernde, diffuse und dumpfe oder stechende Schmerzen, die in ihrer Intensität stark schwanken können, etwa nach körperlicher oder emotionaler Überlastung. Viele Betroffene beschreiben die Schmerzen als tiefgehend oder als Gefühl, „wie von einem unsichtbaren Hammer getroffen“, ohne dass sich dafür eine äußerliche Ursache findet.

Während sich Endometriose-Schmerzen oft durch Entzündungen und Verwachsungen erklären lassen können, beruhen Fibromyalgie-Schmerzen eher auf einer Fehlverarbeitung von Schmerzreizen im Nervensystem. Beide Erkrankungen können jedoch gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

Fibromyalgie wirkt wie ein Schmerzverstärker: Das bedeutet, bereits vorhandene Schmerzen, z. B. durch Endometriose, können sich durch die Fibromyalgie deutlich intensiver anfühlen. Eine kombinierte Behandlung beider Erkrankungen kann hier sinnvoll sein, auch wenn kurzfristig ein Rückschritt möglich ist.

Ja, Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen können Teil der Fibromyalgie sein, insbesondere, wenn sie nicht dauerhaft ortsfest sind und sich durch Belastung verstärken.
Atemnot unter Belastung ist nicht typisch für Fibromyalgie, kann aber durch Medikamente, Erschöpfung oder begleitende Erkrankungen auftreten. Eine ärztliche Abklärung ist hier wichtig.

Hilfreich sind ruhige, sanfte Bewegungen, z. B.:

  • Yin Yoga

  • Qi Gong, Tai Chi

  • Sanftes Pilates

  • Feldenkrais

  • Faszienarbeit (vorsichtig und angepasst)

Ungünstig sind meist:

  • Kraftgeräte im Fitnessstudio

  • Ballsportarten mit schnellen Bewegungen (z. B. Tennis, Squash)

  • Überfordernde Workouts ohne ausreichende Pausen

Die wichtigste Regel: Was einen nach der Bewegung schlechter fühlen lässt als vorher, war zu viel.

Faszien – das Bindegewebe, das unseren Körper durchzieht – können sich durch Bewegungsmangel oder Fehlbelastung stark verspannen. Diese Verspannungen gelten bei vielen Expert*innen als möglicher Mitverursacher chronischer Schmerzen. Sanfte Faszienarbeit (nicht mit schmerzhafter Faszienrolle) kann hier oft hilfreich sein.

Ja, verschiedene Wirkstoffe können nach individueller Indikationsstellung durch Ärzt*innen zum Einsatz kommen:

  • Amitriptylin (häufig bei Schlafproblemen)

  • Gabapentin, Pregabalin (bei neuropathischen Schmerzen)

  • Low Dose Naltrexon (LDN) – ein Off-Label-Medikament mit wachsender Beliebtheit

Wichtig: Nicht jedes Medikament wirkt bei jeder Person gleich. Eine offene, kooperative Ärzt*innen-Patient*innen-Beziehung ist hier entscheidend.

Nein, eine universelle „Fibromyalgie-Diät“ existiert nicht. Viele Betroffene profitieren jedoch von individuellen Anpassungen: Etwa durch eine glutenfreie oder histaminarme Ernährung, eine Reduktion von Zucker und Alkohol oder den Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel. Ausschlussdiäten über 4–6 Wochen helfen dabei, persönliche Trigger zu identifizieren. Ernährung kann dennoch überfordern, wenn man sich in einem schlechten Zustand befindet. Kerstin Goldstein empfiehlt, diesen Aspekt nicht als ersten Ansatzpunkt zu wählen, sondern ihn anzugehen, wenn etwas mehr Stabilität im Alltag besteht.

Ja, hormonelle Dysbalancen können Fibromyalgie-Symptome beeinflussen und sollten bei Verdacht ärztlich abgeklärt werden. Leider werden viele Hormon-Tests nicht von den Kassen übernommen.

Nein, aktuell gilt Fibromyalgie als nicht heilbar. Aber viele Betroffene schaffen es, durch individuelle Strategien, Selbstfürsorge und professionelle Unterstützung ein deutlich besseres Leben mit der Erkrankung zu führen.

Fibromyalgie akzeptieren und trotzdem nach vorne schauen - ein persönlicher Impuls von Kerstin Goldstein

Kerstin Goldstein begleitet als Coach viele Menschen mit Fibromyalgie und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es sein kann, sich mit einer chronischen Erkrankung auseinanderzusetzen. Doch für sie steht fest: Selbstmitgefühl, kleine Schritte und ein veränderter Fokus können vieles bewegen.

„Ich muss akzeptieren, dass ich immer noch die gleiche Person bin – aber in einem anderen Körper lebe.“

Für Kerstin Goldstein bedeutet Akzeptanz nicht Stillstand, sondern einen neuen Ausgangspunkt. Statt sich nur auf Schmerzen, Erschöpfung und Einschränkungen zu konzentrieren, lädt sie dazu ein, den Blick zu weiten: auf das, was guttut, Kraft gibt und neue Perspektiven eröffnet.

Das schließt auch soziale Kontakte ein: Offen über die Erkrankung zu sprechen, z. B. mit Freund*innen, Kolleg*innen oder im erweiterten Umfeld, kann helfen, Missverständnissen vorzubeugen und Unterstützung zu erhalten. Selbst kleine Anpassungen im Alltag, wie ein passender Stuhl oder ein ruhiger Treffpunkt, können spürbar entlasten.

Nicht zuletzt ist auch das Thema gesellschaftlicher Umgang für Kerstin Goldstein zentral. Sie wünscht sich mehr Aufklärung, nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Politik und Öffentlichkeit. Denn wer mit chronischen Erkrankungen lebt, braucht neben Therapie auch Anerkennung, Verständnis und ernst gemeinte Unterstützung.

Ein Gedanke, der sie im Alltag begleitet, stammt vom Münchner Kabarettisten Karl Valentin:

„Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Diese Haltung zieht sich durch Kerstin Goldsteins gesamte Arbeit: Die Umstände mögen sich nicht immer ändern lassen – doch wie wir ihnen begegnen, liegt zu einem großen Teil in unserer Hand. Und genau darin steckt Selbstwirksamkeit.

Das Fachgespräch zum Nachschauen

Das vollständige Interview mit Kerstin Goldstein zum Thema Endometriose und Fibromyalgie finden Sie hier:

 

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FAQ - Endometriose und Fibromyalgie

Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom mit weit verbreiteten Muskel- und Gliederschmerzen, starker Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen („Brain-Fog“). Die Erkrankung beeinträchtigt Alltag und Lebensqualität erheblich, lässt sich bislang aber nicht durch klassische Labor- oder Bildgebungsverfahren nachweisen.

Ja. Einige Betroffene leiden sowohl unter Endometriose als auch unter Fibromyalgie. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig verstärken, z. B. durch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Fatigue oder Reizverarbeitung im Nervensystem.

Endometriose-Schmerzen treten häufig im Unterbauch auf und sind zyklusabhängig - können aber auch azyklisch oder an anderen Stellen im Körper auftreten.
Fibromyalgie-Schmerzen sind dagegen meist diffus, wandernd und fühlen sich oft dumpf oder stechend an. Viele Betroffene beschreiben sie als „tiefgehend“, ähnlich wie Gliederschmerzen bei einer Grippe, nur ohne Fieber. Während Endometriose auf Entzündungen und Verwachsungen beruht, geht man bei Fibromyalgie von einer Fehlverarbeitung von Schmerzreizen im Nervensystem aus.

Die Diagnose erfolgt über ein Ausschlussverfahren. Ärztinnen und Ärzte schließen zunächst andere Erkrankungen wie Rheuma, Schilddrüsenstörungen oder Nährstoffmängel aus. Dann werden mithilfe von Fragebögen Schmerzen, Fatigue und Begleitsymptome dokumentiert. Die Beschwerden müssen mindestens drei Monate bestehen und mehrere Körperregionen betreffen.

Für Fibromyalgie gibt es keinen eindeutigen schnellen Test. Viele Betroffene erleben eine lange Odyssee, bis sie ernst genommen werden. Eine Diagnose kann jedoch entlasten, sie bringt Klarheit und eröffnet gezieltere Behandlungswege.

Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Je nach Symptomen können Fachrichtungen wie Rheumatologie, Neurologie oder Schmerzmedizin hinzukommen. Auch Ärztinnen und Ärzte mit ganzheitlichem Ansatz (z. B. integrativer oder funktioneller Medizin) können unterstützen. Die Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) bietet zudem Fragebögen zur Selbsteinschätzung an.

Eine einheitliche Therapie gibt es nicht. Der Behandlungsansatz ist ganzheitlich und kombiniert medizinische, psychologische und körperliche Maßnahmen. Dazu gehören:

  • achtsamer Umgang mit Energie und Belastung

  • sanfte Bewegung (z. B. Yoga, Qi Gong, Pilates, Spaziergänge)

  • gute Schlafhygiene

  • ausgewogene, entzündungsarme Ernährung

  • Stressmanagement und Entspannungstechniken

Dosierte Bewegung ist wichtig. Überforderung kann Symptome verstärken. Kurze, regelmäßige und ruhige Bewegungseinheiten helfen, den Körper zu stabilisieren. Entscheidend ist, dass Bewegung Energie gibt, statt raubt.

Eine allgemeingültige „Fibromyalgie-Diät“ gibt es nicht. Viele Betroffene profitieren jedoch von einer entzündungsarmen Ernährung mit viel frischem Gemüse, wenig Zucker, Alkohol und Fertigprodukten. Ausschlussdiäten (z. B. gluten- oder histaminarm) können helfen, individuelle Trigger zu erkennen.

Manchmal bleiben Beschwerden bestehen, weil unerkannte Begleitfaktoren (z. B. Schlafstörungen, Hormonstörungen, Nährstoffmängel oder Stress) fortbestehen. Auch Überforderung, Perfektionismus oder fehlende Veränderungsbereitschaft können Fortschritte bremsen.
Hilfreich ist es, kleine Schritte zu gehen, Routinen anzupassen und auf Signale des Körpers zu achten, statt ihn zu übergehen.

Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. Aber viele Betroffene schaffen es, ihre Symptome zu stabilisieren und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Der Weg dahin erfordert Geduld, Eigenverantwortung und ein gutes Netzwerk an Unterstützung.

Danke

Unsere Themenreihe „Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkrankungen" im Rahmen unserer 29. Jahrestagung ist uns ein Herzensanliegen: Wir wollen Raum schaffen für Wissen, Austausch und neue Perspektiven auf die vielfältigen Begleiterscheinungen von Endometriose.

Hilfreiche Informationen zu 11 weiteren häufigen Begleitbeschwerden und -erkrankungen bei Endometriose finden Sie hier.

Unser besonderer Dank gilt dem AOK Bundesverband, der mit seiner Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Themenreihe im Rahmen der Jahrestagung möglich zu machen. 

Ein herzliches Dankeschön auch an alle Mitwirkenden, die mit ihrem Wissen, Engagement und Herzblut diese Themenreihe gestaltet haben!

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