Zusammenhang zwischen Depression und Endometriose
Depression und Endometriose treten häufig gemeinsam auf. Studien zeigen, dass Menschen mit Endometriose ein erhöhtes Risiko für depressive Störungen und Angststörungen haben. Mögliche Erklärungsansätze für diesen Zusammenhang umfassen:
Langandauernde, nicht ausreichend behandelte Schmerzen können auf Dauer zu psychischer Erschöpfung, Rückzug und depressiven Symptomen führen.
Endometriose wirkt sich oft stark auf Lebensqualität, Partnerschaft, Sexualität und Berufsleben aus und kann dadurch das Risiko für Depressionen erhöhen.
Frühe belastende Erfahrungen wie emotionale Vernachlässigung, Gewalt oder chronischer Stress im Erwachsenenleben können die Wahrscheinlichkeit für beide Erkrankungen erhöhen. Studien zeigen teils widersprüchliche Ergebnisse, während klinische Erfahrungen auf einen Zusammenhang hinweisen.
Es gibt Hinweise darauf, dass bei beiden Erkrankungen ähnliche Prozesse auf zellulärer Ebene betroffen sein könnten, wie z. B. die sogenannte mitochondriale Dysfunktion, also eine Beeinträchtigung der „Energieversorgung“ der Zellen. Auch hormonelle und immunologische Faktoren könnten eine Rolle spielen.
Aktuell ist noch nicht eindeutig geklärt, wie diese Faktoren zusammenwirken – doch interdisziplinäre Forschungsprojekte wie das HOPE-Projekt gehen diesen Zusammenhängen gezielt nach. Das Ziel ist ein besseres Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Körper, Psyche und Umwelt und daraus abgeleitet neue Therapieansätze, die alle Ebenen berücksichtigen.
Weitere Informationen zu Depression bei Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa.
Wie wird eine Depression diagnostiziert?
Die Diagnose einer Depression basiert auf klar definierten Kriterien – etwa denen der ICD-10, die derzeit in der Praxis noch weit verbreitet sind. Diese beschreiben, welche Symptome über welchen Zeitraum vorliegen müssen, um von einer behandlungsbedürftigen depressiven Episode sprechen zu können.
Die Diagnostik erfolgt durch psychologische Psychotherapeut*innen, oder Fachärzt*innen für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie. Auch Hausärzt*innen können für eine erste Abklärung aufgesucht werden.
Dabei gilt:
In den ersten drei bis fünf probatorischen Sitzungen für eine Psychotherapie können Betroffene ihr Erleben schildern, mögliche Auslöser benennen und gemeinsam mit der oder dem Behandelnden klären, ob die Kriterien für eine depressive Störung erfüllt sind.
Strukturelle Instrumente wie das „Beck’sche Depressionsinventar“ oder standardisierte Interviews helfen dabei, Symptome systematisch zu erfassen.
Prof. Kolassa betont, dass Diagnosen im klinischen Alltag vor allem als Arbeitshypothese für die Therapieplanung dienen und nicht als starres Etikett verstanden werden sollten. Symptome können sich verbessern, verändern oder durch andere Belastungen überlagert sein.
Gerade bei Endometriose-Betroffenen ist es wichtig, psychische Symptome im Gesamtkontext zu betrachten. Vor allem starke Depressionen treten häufig nicht isoliert, sondern begleitend zu körperlichen Erkrankungen auf.
Zu den relevanten Einflussfaktoren zählen:
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Dauerhafte Schmerzen, insbesondere unbehandelte oder therapieresistente Beschwerden
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Langer Leidensweg bis zur Endometriose-Diagnose
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Eingeschränkte Lebensqualität durch die Erkrankung (z. B. im Alltag, Berufsleben oder Sexualität)
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Wahrnehmung von Kontrollverlust oder Hilflosigkeit
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Niedriger sozioökonomischer Status und begrenzter Zugang zu Versorgung
Diese Faktoren können einen Teufelskreis auslösen: Schmerzen verstärken psychische Belastungen und umgekehrt. Eine Depression kann die Schmerzwahrnehmung intensivieren und zu sozialem Rückzug, Erschöpfung und Antriebslosigkeit führen.
Umso wichtiger ist es, dass behandelnde Fachpersonen körperliche und psychische Beschwerden gemeinsam denken und Betroffene wissen, an wen sie sich wenden können.
Eine psychotherapeutische Abklärung kann häufig ein entscheidender Schritt zur Entlastung sein. Gerade bei Endometriose lohnt sich der Blick über das rein Gynäkologische hinaus hin zu einer Versorgung, die den Menschen als Ganzes im Blick hat.
Therapie bei Depression im Kontext von Endometriose
Nicht jede Depression muss sofort psychotherapeutisch oder medikamentös behandelt werden. Bei leichten Ausprägungen kann es sinnvoll sein, zunächst die eigene Lebenssituation zu reflektieren, Gewohnheiten zu hinterfragen und Lebensstilfaktoren zu verändern. Dazu zählen:
- Schilddrüsenfunktion (Über- oder Unterfunktion ausschließen)
- Eisenstatus (v. a. bei starker Menstruation/Adenomyose)
- Vitamin B12, Vitamin D, Selen (insbesondere in Deutschland häufig unterversorgt)
- viel frisches Obst und Gemüse (idealerweise 50 % des Tagesbedarfs)
- Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse
- hochwertige Öle (z. B. Raps-, Oliven-, Leinöl) statt stark verarbeiteten Fetten
- ggf. Omega-3-Fettsäuren ergänzen (z. B. über Fischöl oder Algenöl)
- regelmäßige, moderate Aktivität (z. B. Spazierengehen, Radfahren, Sport)
- progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Atemübungen
- achtsame Pausen und Reizreduktion im Alltag
Diese Faktoren können nicht nur depressive Symptome lindern, sondern haben auch positive Effekte auf Endometriose, das Immunsystem und die Schmerzwahrnehmung.
Exkurs: Psyche, Ernährung und Mikrobiom
Die Verbindung zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit wird zunehmend besser erforscht, auch wenn sie in der medizinischen Praxis bisher noch wenig Beachtung findet. Prof. Kolassa beschreibt hier unter anderem:
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Darmbakterien (Mikrobiom) produzieren wichtige Vitamine (B-Vitamine, K, C), die die Energieversorgung und Emotionsregulation mit beeinflussen.
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Ballaststoffe fördern die Bildung kurzkettiger Fettsäuren (z. B. Butyrat), die entzündungshemmend wirken und die Integrität der Darmschleimhaut stärken.
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Mitochondrien, also die Kraftwerke unserer Zellen, sind abhängig von Nährstoffen – bei Mangel können sie die Energieversorgung des Körpers und des Gehirns beeinträchtigen.
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Selen ist ein kritischer Spurenelement-Mangel in Deutschland: Ein Zuviel oder Zuwenig kann schädlich sein – eine gezielte Blutuntersuchung kann hier sinnvoll sein.
Auf der Webseite von Prof. Kolassas Forschungsteam gibt es einen Patient*innenratgeber zu Nährstoffen, abgestimmt auf verschiedene Ernährungsweisen (omnivor, vegetarisch, vegan).
Psychotherapie und medikamentöse Behandlung
Wenn sich durch Veränderungen im Alltag keine spürbare Verbesserung zeigt, ist es sinnvoll, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
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Psychotherapie (kassenärztlich möglich)
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z. B. kognitive Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie
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Einstieg über psychotherapeutische Sprechstunden (3–5 probatorische Sitzungen)
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Kurzzeittherapie (25 Sitzungen) oder Langzeittherapie (bis zu 60+ Sitzungen möglich)
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Psychiatrie (bei schwereren Fällen oder Medikamentenbedarf)
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Ärztliche Abklärung, ggf. medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva
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Kombination mit Psychotherapie oft besonders wirksam
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Hausärztliche Begleitung ist ein sinnvoller erster Anlaufpunkt für Abklärung, Überweisung und Begleitung
Multimodale Therapie und interdisziplinäre Versorgung
Besonders bei einer komplexen Doppelbelastung durch Endometriose und Depression ist es hilfreich, wenn verschiedene Fachbereiche zusammenarbeiten. Prof. Kolassa beschreibt, wie ein optimaler Therapieansatz aussehen könnte:
Gynäkologie & Endometriose-Zentrum (inkl. Schmerztherapie, Hormontherapie, ggf. OP)
Psychotherapie oder psychosoziale Beratung
Physiotherapie / Bewegungstherapie
Gastroenterologie (z. B. bei Verdauungsbeschwerden)
Sozialmedizinische Beratung (z. B. Reha, Kinderwunsch, Krankenkasse, Beruf)
Ernährungstherapie (wird anteilig von den Krankenkassen übernommen)
Die Behandlung bei Depression und Endometriose ist stets individuell – es gibt keine Standardlösungen. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen, Therapien aufeinander abzustimmen und sich sektorübergreifende Unterstützung zu holen. Eine gute Therapie beginnt oft mit einer klaren Frage: Was tut mir wirklich gut?
Alltag, Selbstfürsorge und psychosoziale Unterstützung
Der Alltag mit Endometriose und Depression ist oft geprägt von körperlicher Erschöpfung, emotionalem Rückzug und Unsicherheit im Umgang mit Symptomen. Umso wichtiger ist es, den Lebensstil als Ressource zu erkennen und jene Lebensbereiche zu stärken, auf die man selbst aktiv Einfluss nehmen kann:
Besonders hormonelle Präparate oder Schmerzmittel können depressive Symptome begünstigen. Ärztliche Rücksprache ist hier entscheidend und es sollten ggf. mehrere Fachrichtungen einbezogen werden.
- psychotherapeutische Unterstützung in Betracht ziehen, ggf. auch traumatherapeutisch
- Ernährung schrittweise optimieren (z. B. Zucker reduzieren, Mikronährstoffe gezielter aufnehmen)
- Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten einbauen (Spaziergänge, Dehnung, Yoga)
Sie schädigen das Mikrobiom und damit auch die psychische und körperliche Widerstandskraft. Nicht jede Infektion erfordert ein Antibiotikum.
- durch Mikronährstoffe wie Selen, Zink, Omega-3-Fettsäuren
- durch pflanzenbasierte Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen
- Wie oft esse ich? Wie viel Fertigessen? Wie ausgewogen ist mein Essen?
- Schlaf, Medienkonsum und Reizverarbeitung im Blick behalten
All das sind keine „Wundermittel“, aber viele kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann und von denen jede einzelne zu mehr Stabilität beitragen kann.
Soziale Unterstützung
Einsamkeit ist ein nachweislich entzündungsfördernder Stressor, der Depressionen begünstigt und auch körperliche Erkrankungen verschlimmern kann. Umgekehrt ist soziale Unterstützung ein mächtiger Schutzfaktor.
Psychosoziale Unterstützung suchen:
- Freund*innen, Partnerin oder Partner, Familie oder auch Therapeut*innen
- Selbsthilfegruppen (z. B. vor Ort oder online)
Erfahrungen austauschen:
- es kann entlastend wirken zu merken, mit Symptomen und Herausforderungen nicht allein zu sein
- von anderen lernen wie sie mit Symptomen, Angst, Rückschlägen umgehen
Der Kontakt zu anderen Betroffenen wird von vielen als emotional auffangend und stärkend beschrieben, besonders, wenn Verständnis im direkten Umfeld fehlt.
Selbstakzeptanz und Selbstwirksamkeit
Ein zentrales Thema ist die Selbstwahrnehmung: Viele erleben Schuldgefühle, Selbstzweifel oder das Gefühl, „nicht richtig zu funktionieren“. Prof. Kolassa betont: „Krankheit ist keine Schwäche. Und Selbstakzeptanz kann man lernen.“
Dazu gehört auch:
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die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen
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mitzufühlen statt zu verurteilen
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symptomatische Zusammenhänge selbst zu beobachten (z. B. über Tagebuch oder Tracking-Apps)
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sich über Rechte und Therapiemöglichkeiten zu informieren
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aktiv eigene Wege zu finden – im eigenen Tempo
Gerade bei Endometriose ist es oft notwendig, sich selbst zur Expertin für den eigenen Körper zu machen. Auch wenn das nicht fair ist – es kann zur Ressource werden.
Emotionale Resilienz
Neben Gesprächen, Therapie und Medizin gibt es auch einfache Aktivitäten, die sich nachweislich positiv auf das emotionale Gleichgewicht auswirken – zum Beispiel:
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Singen (z. B. im Chor, unter der Dusche oder zu Musik)
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Meditation, Hypnose oder Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelrelaxation)
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Tagebuch schreiben oder kreative Ausdrucksformen wie Malen oder Musik
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Selbstmitgefühl üben, statt sich innerlich unter Druck zu setzen
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Vagusnerv-Stimulation (z. B. durch Atmung, Singen, Entspannung) als einfache Methode zur Stressreduktion
All diese Methoden aktivieren das parasympathische Nervensystem, also jenen Teil des Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und emotionale Ausgeglichenheit sorgt.
Weitere Informationen zu Depression bei Endometriose gibt es im Video zum Fachgespräch mit Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa.
Aus der Community: Eure Fragen – Prof. Kolassa antwortet
Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa ist Professorin für Klinische & Biologische Psychologie an der Universität Ulm. Sie ist Mitglied der professoralen Leitung der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz und Leiterin des Forschungsprojektes HoPE. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Stress, Traumata und Depression sowie mit deren immunmetabolischen Grundlagen.
Im Anschluss an das Gespräch beantwortete sie Fragen aus der Community. Ihre Einschätzungen geben Einblicke in aktuelle Forschungsansätze rund um Immunmetabolismus, Stress und Endometriose sowie in die Bedeutung ganzheitlicher Versorgungskonzepte.
Diese Unterscheidung scheint in der Praxis nicht sinnvoll. Körper und Psyche bilden ein zusammenhängendes System, das sich nicht klar in Einzelursachen zerlegen lässt. Vielmehr können alle genannten Faktoren – Menopause, Endometriose, Fibromyalgie – einen gemeinsamen Ursprung haben, etwa:
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Entzündungsprozesse
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hormonelle Umstellungen
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mitochondriale Dysfunktion
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psychosoziale Belastungen
Entscheidend ist daher nicht, was die "Hauptursache" ist, sondern wie man das System durch Ernährung, Lebensstil, Stressreduktion und therapeutische Begleitung stabilisiert und stärkt.
Studien wie jene von Larsen (2024) zeigen, dass das Risiko für Depressionen bei hormonellen Verhütungsmethoden (wie z. B. der Hormonspirale) in Abhängigkeit von folgenden Faktoren steigt:
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Dauer der Anwendung
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Hormon-Dosierung
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Individueller Vorbelastung (z. B. frühere Depressionen, Trauma, hormonelle Sensitivität)
Prof. Kolassas Einschätzung: Betroffene mit psychischer Vorbelastung oder hoher Stressbelastung sind anfälliger. Wichtig sei, Veränderungen individuell zu beobachten. Wenn sich depressive Symptome nach Einsetzen der Hormonspirale entwickeln, sollte dies nicht ignoriert, sondern ärztlich überprüft werden.
Schlechte Phasen gehören zu chronischen Erkrankungen dazu. Entscheidend ist:
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Akzeptieren, wenn der Körper eine Auszeit braucht
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Selbstmitgefühl üben, statt sich zusätzlich unter Druck zu setzen
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Den Fokus auf stärkende Elemente im Alltag legen:
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Bewegung & Aktivität (auch kleine Spaziergänge helfen)
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soziale Kontakte & Hobbys (Malen, Singen, Musik…)
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Ernährung & Mikronährstoffe
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Entspannung (PMR, Hypnose, Atemübungen, Meditation)
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eigene Ressourcen aktivieren und pflegen
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Psychotherapie kann helfen, wenn Rückschläge zu stark belasten oder alte Muster immer wiederkehren. Symptomtagebücher können helfen, Zusammenhänge zu erkennen, z. B. zwischen Stress, Zyklus, Ernährung oder Schlaf.
Eine der schwersten, aber wichtigsten Fragen. Prof. Kolassa betont: Oft ist der Körperhass nicht allein durch die Erkrankung entstanden, sondern geht auf frühere Erfahrungen zurück – etwa:
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Trauma, Missbrauch, Vernachlässigung
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Essstörungen
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frühe Ablehnung des eigenen Körpers
In der Therapie geht es darum, Selbstmitgefühl zu entwickeln und zu lernen, dass Akzeptanz nicht bedeutet, alles gut zu finden – sondern mit dem, was ist, achtsam und liebevoll umzugehen. „Radikale Akzeptanz“ nennt man diesen Ansatz in der Psychotherapie. Diese Haltung lässt sich trainieren.
Ja, allerdings macht die Unterscheidung „psychisch oder körperlich“ hier wenig Sinn. Fatigue entsteht multifaktoriell, also aus einem Zusammenspiel von:
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Entzündungen
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Mitochondrialer Energiedysfunktion
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Mikrobiomveränderungen
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Stressbelastung und Traumatisierung
Psychischer und körperlicher Stress wirken auf denselben biologischen Ebenen. Beide können Entzündungen auslösen, oxidativen Stress erzeugen, Heilungsprozesse behindern. Das ist vergleichbar mit Narbengewebe – auch psychische Wunden hinterlassen Spuren im System.
Das Fachgespräch zum Nachschauen
Das vollständige Interview mit Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa zum Thema Endometriose und Depression finden Sie hier:
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Unterstützende Informationen & Angebote
- Weitere Informationen zu Depressionen bietet die Deutsche Depressionsliga e. V.
- Selbsthilfegruppen finden und einen Selbsttest bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
- Auf der Webseite von Prof. Kolassas Team gibt es einen Patient*innenratgeber zu Ernährung & Psyche.
- Auch aufklärende Infos werden im Rahmen des HOPE-Projekts zur Verfügung gestellt.
Die Endometriose-Vereinigung Deutschland unterstützt Betroffene durch eine kostenfreie Endometriose-Beratung.
Wir finanzieren unsere kostenlosen Endometriose-Beratungen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Unterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Mitgliedschaft oder Spende!
FAQ - Endometriose und Depression
Studien zeigen, dass depressive Symptome bei Betroffenen mit Endometriose deutlich häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Schmerz, Diagnosestress und hormonelle Veränderungen sind nur einige mögliche Ursachen und meist wirken mehrere Faktoren zusammen.
Zu den häufigsten Anzeichen zählen anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Schuldgefühle und Konzentrationsprobleme. Laut ICD-10 müssen mindestens fünf dieser Symptome über zwei Wochen hinweg bestehen.
Die Diagnostik erfolgt über Gespräche mit Fachärzt*innen oder Psychotherapeut*innen, ergänzt durch Fragebögen. Wichtig: Eine Diagnose ist keine endgültige Zuschreibung, sondern eine Orientierungshilfe für die Therapieplanung.
Beide Erkrankungen könnten über ähnliche biologische Mechanismen (z. B. Entzündung, mitochondriale Dysfunktion, Mikrobiomveränderungen) verknüpft sein. Auch psychosoziale Belastungen und frühe Traumatisierungen spielen eine Rolle.
Hilfreich sind: Blutwerte checken (z. B. Eisen, B12, Vitamin D), Ernährung verbessern, Bewegung integrieren, Stress reduzieren, Schlafhygiene fördern und soziale Kontakte pflegen.
Darmbakterien beeinflussen über Nährstoffproduktion und Entzündungsregulation auch die psychische Gesundheit. Eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung mit gezielter Mikronährstoffzufuhr (z. B. Selen, Zink, Omega-3) wirkt oft stabilisierend.
Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder den Alltag beeinträchtigen. Einstieg über psychotherapeutische Sprechstunden (kassenfinanziert) ist niedrigschwellig möglich.
Bei schweren Depressionen oder starken Schmerzen kann eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie helfen. Wichtig: Rücksprache mit Ärzt*innen, v. a. bei paralleler Hormontherapie.
Ja – insbesondere bei entsprechender Vorbelastung. Studien zeigen: Dauer, Dosierung und individuelle Sensitivität beeinflussen das Risiko.
Hilfreich sind: Selbstmitgefühl, achtsame Pausen, Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten, kreative Tätigkeiten, Meditation, Symptomtagebuch führen und gegebenenfalls professionelle Begleitung.
Körperhass entsteht oft nicht nur durch die Erkrankung, sondern hat tiefere Wurzeln. In der Psychotherapie kann Selbstmitgefühl gezielt aufgebaut werden, z. B. durch „radikale Akzeptanz“.
Ja. Fatigue ist bei Endometriose häufig und kann eng mit Depression verbunden sein. Sie entsteht vermutlich durch ein komplexes Zusammenspiel aus Entzündung, Energiemangel, Stress und Trauma. Körperliche und psychische Ursachen sind dabei nicht trennscharf, sondern greifen ineinander.
Nebenwirkungen wie depressive Verstimmungen unter Hormontherapie sollten ernst genommen und gemeinsam mit Fachärzt*innen besprochen werden. Ziel ist eine individuell abgestimmte, interdisziplinäre Versorgung.
Soziale Isolation verschlechtert oft das Befinden. Austausch mit anderen Betroffenen, Selbsthilfegruppen oder psychosoziale Beratung können emotional stärken und Perspektiven eröffnen.
Eine mediterran orientierte Ernährung, mit viel Gemüse, Vollkorn, gesunden Fetten und moderatem Tierprotein, wird allgemein empfohlen. Histaminarme Diäten sind nur kurzfristig sinnvoll. Prä-, Pro- und Postbiotika können unterstützend wirken.
Danke
Unsere Themenreihe „Endometriose - begleitende Beschwerden und Erkrankungen" im Rahmen unserer 29. Jahrestagung ist uns ein Herzensanliegen: Wir wollen Raum schaffen für Wissen, Austausch und neue Perspektiven auf die vielfältigen Begleiterscheinungen von Endometriose.
Hilfreiche Informationen zu 11 weiteren häufigen Begleitbeschwerden und -erkrankungen bei Endometriose finden Sie hier.
Unser besonderer Dank gilt dem AOK Bundesverband, der mit seiner Unterstützung maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Themenreihe im Rahmen der Jahrestagung möglich zu machen.
Ein herzliches Dankeschön auch an alle Mitwirkenden, die mit ihrem Wissen, Engagement und Herzblut diese Themenreihe gestaltet haben!

