Gemeinsam Wissen schaffen und Versorgung verbessern
Lange Zeit war Endometriose trotz ihrer weiten Verbreitung und der erheblichen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen eine untererforschte Erkrankung. Dass sich dies nun ändert, ist auch dem langjährigen politischen Engagement der Endometriose-Vereinigung Deutschland zu verdanken.
Durch unseren kontinuierlichen Einsatz und mehrfache Gespräche mit Politiker*innen konnten wir auf bundespolitischer Ebene einen Erfolg verzeichnen: Seit September 2024 stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gezielt Fördermittel für die Endometriose-Forschung bereit.
Neben der vom BMFTR geförderten Grundlagenforschung zu Endometriose gibt es auch Forschung zur Versorgung und Behandlung von Endometriose. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses unterstützt seit 2025 ein wichtiges Forschungsprojekt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Endometriose-Betroffenen.
Diese Förderungen markieren einen Meilenstein für die Endometriose-Forschung in Deutschland. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland begleitet diese Projekte aktiv und bringt die Perspektive der Betroffenen in die Forschung ein. Wie dies genau passiert erklärt Victoria Vonau in einem Interview mit dem BMFTR.
Unser Ziel ist es dabei, die Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen mit Endometriose in die Forschungsprojekte einzubringen und über den Fortschritt der Projekte zu informieren, damit die Forschung nicht nur neue Erkenntnisse gewinnt, sondern auch zu mehr Wissen und einer besseren Versorgung der Betroffenen beiträgt.
Grundlagenforschung zu Endometriose
Mit fünf neuen Forschungsprojekten, die seit September 2024 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert werden, sollen nun die Grundlagen der Erkrankung - die sogenannte Pathogenese - besser verstanden werden. Diese fünf interdisziplinären Forschungsverbünde sind ENDO-PAIN, HOPE, STEPP-UPP, ENDOFERT und ENDO-RELIEF.
An den Endometriose-Zentren in Münster, Berlin, Tübingen und Ulm arbeiten die Forschenden mit Hochdruck an drängenden Fragen zu Endometriose und untersuchen unter anderem:
- Zusammenhänge zwischen Endometriose und Unfruchtbarkeit,
- Chronische Schmerzen und ihre Mechanismen,
- Das Zusammenspiel zwischen Endometriose-Herden und dem Immunsystem,
- Den Einfluss von Ernährung und Darmflora auf die Krankheitsmechanismen.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sollen dazu beitragen, die Versorgung von Endometriose-Betroffenen zu verbessern und neue Ansätze in der Diagnostik und Therapie zu entwickeln.
ENDO-PAIN
Die Forschung an Endometriose-Schmerzen steht im Mittelpunkt des Forschungsverbunds ENDO-PAIN, der unter der Leitung von Professorin Sylvia Mechsner an der Charité Universitätsmedizin Berlin koordiniert wird. Das Team widmet sich den Ursachen chronischer Schmerzen bei Endometriose und untersucht Mechanismen wie die Neuroinflammation (Entzündung des Nervengewebes), die Fibrose (krankhafte Bindegewebsvermehrung) und die daran beteiligten Signalwege im Körper. Diese Erkenntnisse sollen dazu beitragen, gezielte Ansätze für die Schmerztherapie bei Endometriose zu entwickeln.
HoPE
Im Forschungsverbund HoPE, unter der Leitung von Professorin Iris-Tatjana Kolassa (Universität Ulm), werden die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Immunsystem, Stoffwechsel und Darmmikrobiom sowie psychischen Einflussfaktoren untersucht. Im Fokus steht, wie Bakterien und Mikroorganismen im Darm hormonelle und entzündliche Mechanismen bei Endometriose beeinflussen. Basierend auf den Ergebnissen sollen individuelle Ernährungskonzepte für Patient*innen mit Endometriose entwickelt und getestet werden, um die Behandlung zu optimieren.
StEPP-UPP
Der Verbund StEPP-UPP, geleitet von Professorin Esther Pogatzki-Zahn (Universität Münster), widmet sich der Erforschung von Endometriose-Schmerzen und anderen schmerzbezogenen Symptomen. Mithilfe einer Verlaufsstudie werden psychosoziale Daten sowie Proben von Blut, Stuhl und Endometriose-Herden analysiert, um Biomarker für neue, gezielte Behandlungen zu identifizieren. Ziel ist die Entwicklung von Computermodellen, die eine bessere Diagnose und eine individualisierte Therapie von Schmerzen ermöglichen.
ENDOFERT
Der Forschungsverbund ENDOFERT, koordiniert von Professor Martin Götte (Universität Münster), untersucht den Zusammenhang zwischen Endometriose, Unfruchtbarkeit und schwierigen Schwangerschaftsverläufen. Mithilfe einer umfassenden Datenbank aus biologischen Proben und Patient*innendaten werden zelluläre Prozesse entschlüsselt, die die Fruchtbarkeit beeinflussen. Ziel ist die Entwicklung von nicht-invasiven Diagnosetests, die chirurgische Eingriffe reduzieren und ein frühzeitiges sowie kontinuierliches Krankheitsmanagement ermöglichen.
ENDO-RELIEF
Der Verbund ENDO-RELIEF, koordiniert von Professor Bernhard Krämer (Universität Tübingen), kombiniert Grundlagenforschung und klinische Ansätze, um die Entwicklung von Endometriose besser zu verstehen. Dabei stehen das Zusammenspiel von Endometriose-Herden, umgebendem Gewebe und Immunsystem im Fokus. Die Forschung zielt darauf ab, Organschäden und deren Ursachen zu entschlüsseln, um personalisierte Therapien zu entwickeln. Zudem könnten die Erkenntnisse neue Ansätze für Hormontherapien und Antikörperbehandlungen schaffen.
Versorgungsforschung zu Endometriose
Der Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert gezielt innovative neue Versorgungsformen und die Versorgungsforschung. Seit September 2025 gibt es in der Förderlinie neue Versorgungsformen „ENDO-EVE“ – ein Forschungsprojekt zu Endometriose.
ENDO-EVE
Ziel des Projektes ENDO-EVE mit dem Titel „Endometriose effektiv erkennen und koordiniert ganzheitlich therapieren“ – erforscht ein neue Versorgungsformen bei der Behandlung von Endometriose. Die engmaschige Zusammenarbeit zwischen gynäkolgischen Praxen und spezialisierten Endometriose-Zentren sowie der Einsatz einer begleitenden App werden als zentrale Maßnahmen für eine schnellere Diagnose und individuelle Behandlung erprobt.
Gemeinsam Wissen schaffen und Versorgung verbessern
In den Forschungsverbünden ENDO-PAIN, ENDOFERT, HoPE, StEPP-UPP und ENDO-EVE sind wir Projektpartner und vertreten die Perspektiven und Interessen von Betroffenen im Forschungsprozess. Unser Ziel ist es, den Forschungsprozess und die gewonnenen Erkenntnisse für euch transparent zu machen. Wie dies genau passiert erklärt Victoria Vonau in einem Interview mit dem BMFTR.
Wir halten euch regelmäßig mit Updates aus der Endometriose-Forschung auf dem Laufenden und informieren euch, sobald die Ergebnisse der Forschungsprojekte vorliegen.
Bei Fragen zu den Forschungsprojekten oder der Mitwirkung der Endometriose-Vereinigung Deutschland steht Victoria Vonau unter v.vonau@endometriose-vereinigung.de zur Verfügung.
