Endometriose-Forschung: Fünf Verbünde starten

Am 29. September 2022 waren wir zum ersten Mal im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Heike Engelhardt, der Stiftung Endometriose-Forschung (SEF), der AG Endometriose der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (AG|EM) und der European Endometriosis League e.V. (EEL) luden wir Abgeordnete der Regierungsparteien ein, mit uns über Endometriose ins Gespräch zu kommen.

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Koalitionsfachgespräch 29.09.2022

Bei diesem Koalitionsfachgespräch konnten wir die Abgeordneten davon überzeugen, dass Endometriose eine ernstzunehmende und schwerwiegende Erkrankung ist und dass es in vielen Bereichen politischen Handlungsdruck gibt.

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Das Video über unsere Arbeit zeigt auch Szenen aus dem Koalitionsfachgespräch

Im Anschluss an das Koalitionsfachgespräch engagierten sich mehrere Abgeordnete dafür, dass nach vielen Jahren der Unterfinanzierung endlich Gelder für die Erforschung der Endometriose im Haushalt des Bundes eingestellt werden. Im Ergebnis ihres Engagements wurden für mehrere Jahre jährlich fünf Millionen Euro eingeplant.

Am 6. Dezember 2022, also nur wenige Monate später, trafen wir uns mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung zu einem Fachgespräch. Inhalt des Gesprächs war die Frage, in welchen Bereichen der Forschungsbedarf am drängendsten ist.

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Gespräch BMBF 06.12.2022

Anderthalb Jahre später gehen nun fünf Forschungsprojekte an den Start, die verschiedene Aspekte der Endometriose untersuchen:

ENDO-PAIN

Die Erforschung von Endometriose-Schmerzen steht beim Verbund ENDO-PAIN unter der Koordination von Professorin Sylvia Mechsner (Charité Berlin) im Fokus. Das Forschungsteam untersucht die Entstehungsursachen von Schmerzen durch Entzündung von Nervengewebe (Neuroinflammation), einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes (Fibrose) und den daran beteiligten Signalwegen im Körper. Die Kenntnis über typische Signalwege könnte eine Diagnose der Erkrankung auch ohne Entnahme von Gewebeproben ermöglichen und den Patientinnen damit einen Eingriff ersparen. Ein besseres Verständnis der zellbiologischen Zusammenhänge der Erkrankung kann auch zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze beitragen und es ermöglichen, den individuellen Krankheitsverlauf einer Patientin besser vorherzusagen.1

ENDO-RELIEF

Der Verbund ENDO-RELIEF unter Koordination von Professor Bernhard Krämer (Universität Tübingen) kombiniert Methoden der Grundlagenforschung mit klinischen Fragestellungen, um herauszufinden, warum und wie sich Endometriose entwickelt. Das Zusammenspiel zwischen den Endometrioseherden und dem sie umgebenden Gewebe sowie der Einfluss des Immunsystems soll besser verstanden werden. Die Forschenden wollen mit ihrer Arbeit aufklären, warum und wie Endometriose zu Organschäden führen kann und so zu verbesserten Therapien und einer personalisierten Behandlung der Patientinnen beitragen. Darüber hinaus könnten die Forschungsergebnisse potenziell die Grundlage für eine Verbesserung der Hormontherapie und neuartige Antikörperbehandlungen schaffen.2

ENDOFERT

Der von Professor Martin Götte (Universität Münster) koordinierte Verbund ENDOFERT untersucht den Zusammenhang zwischen Endometriose und Unfruchtbarkeit sowie schwierigen Schwangerschaftsverläufen. Es werden Daten und biologische Proben von Patientinnen aus verschiedenen Quellen zusammengeführt, um eine umfassende Datenbank zu schaffen. Mit Hilfe dieser Datenbank sollen verschiedene Prozesse auf zellulärer Ebene entschlüsselt werden, die die Fruchtbarkeit beeinflussen. Der Verbund strebt die Entwicklung von Tests für ein frühes und kontinuierliches Krankheitsmanagement an, die eine sichere Diagnose ohne Entnahme einer Gewebeprobe ermöglichen und so den Bedarf an chirurgischen Eingriffen reduzieren. Durch die Erkenntnisse sollen außerdem neue Angriffspunkte für Medikamente gefunden werden, die auch bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft eingenommen werden können.3

StEPP-UPP

Endometriose kann mit einer Vielzahl von Symptomen verbunden sein. Der Verbund StEPP-UPP unter Koordination von Professorin Esther Pogatzki-Zahn (Universität Münster) möchte die zugrunde liegenden Mechanismen, insbesondere von Schmerz und weiteren mit Schmerz in Verbindung stehenden Symptomen, besser verstehen. Hierzu werden psychosoziale Daten von Patientinnen in einer Verlaufsstudie erhoben und zusammen mit Proben von Blut, Stuhl und Endometrioseherden analysiert, um Biomarker für neue, zielgerichtete Behandlungen zu finden. Die Patientinnen-Daten sowie ebenfalls erhobene präklinische Daten sollen mit Hilfe von Ansätzen des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz interpretiert werden, um die komplexen Daten adäquat auswerten zu können und Computermodelle zu erstellen. Diese Modelle könnten Behandelnde in Zukunft dabei unterstützen, durch Endometriose verursachte Schmerzen besser zu diagnostizieren und individualisiert zu therapieren.4

HoPE

Das von Professorin Iris-Tatjana Kolassa (Universität Ulm) koordinierte Forschungsteam des HoPE-Verbundes wird verschiedene, miteinander in Verbindung stehende Mechanismen untersuchen, um das ganzheitliche Verständnis der Ursachen von Endometriose zu verbessern. Der Verbund widmet sich der Entschlüsselung des Zusammenspiels von Ernährung, Immunsystem, Stoffwechsel und Darmmikrobiom und untersucht hierbei, wie Bakterien und andere Mikroorganismen des Darms entzündliche und hormonelle Mechanismen beeinflussen können. Basierend auf den Projektergebnissen sollen Ernährungskonzepte für Patientinnen mit Endometriose entwickelt und getestet werden.5

In den Forschungsverbünden ENDO-PAIN, ENDOFERT und HoPE sind wir als Vertretung der Betroffenenperspektive Projektpartner und werden zukünftig aus diesen Forschungsprojekten berichten.

Dieses tolle Ergebnis unseres Engagements zeigt, dass es sich lohnt, sich zu engagieren, auch wenn der Weg noch weit ist und wir oft Umwege gehen müssen.

Ein herzliches Dankeschön daher an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, die unsere politische Arbeit aktiv in der AG Endo.Politisch.Aktiv. oder mit ihren Spenden unterstützen.

  1. Die Beschreibung der Forschungsprojekte wurde der Webseite gesundheitsforschung-bmbf.de entnommen. Stand 05.06.2024. ↩︎
  2. siehe Fußnote 1 ↩︎
  3. siehe Fußnote 1 ↩︎
  4. siehe Fußnote 1 ↩︎
  5. siehe Fußnote 1 ↩︎