Cannabis bei Endometriose-Schmerzen: Was sagt die aktuelle Leitlinie?

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Immer wieder erreichen uns Fragen zum Thema Cannabis bei Endometriose: Kann Cannabis bei Schmerzen helfen? Wird es inzwischen empfohlen? Und welche Erkenntnisse gibt es aus Forschung und Medizin?

Cannabis kann für manche Betroffene eine mögliche Behandlungsoption sein – es gehört jedoch nicht zu den Standardtherapien bei Endometriose.

Endometriose-Schmerzen sind oft komplex

Endometriose-Schmerzen entstehen nicht immer ausschließlich durch die Endometriose-Herde selbst. Insbesondere bei langjährigen Beschwerden können sich Veränderungen im Nervensystem entwickeln, die dazu führen, dass Schmerzen unabhängig von den ursprünglichen Auslösern bestehen bleiben oder verstärkt wahrgenommen werden.

Welche Rolle chronische Schmerzen und die sogenannte Schmerzchronifizierung bei Endometriose spielen, erläutert Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn ausführlich in unserem Expertinnengespräch.

Gerade deshalb braucht die Behandlung chronischer Schmerzen häufig mehrere Bausteine. Neben medikamentösen Therapien können beispielsweise Physiotherapie, Bewegung, psychologische Unterstützung oder multimodale Schmerztherapie wichtige Bestandteile eines individuellen Behandlungskonzepts sein.

Was sagt die aktuelle Endometriose-Leitlinie?

Die aktuelle S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“ beschäftigt sich ebenfalls mit cannabisbasierten Arzneimitteln.
Dort wird die bisherige Studienlage zusammengefasst und darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Betroffenen durch die Inhalation oder orale Einnahme von cannabishaltigen Arzneimitteln eine signifikante Schmerzlinderung berichten. Gleichzeitig macht die Leitlinie deutlich, dass die wissenschaftliche Evidenz derzeit begrenzt ist. Die verfügbaren Studien erlauben bislang keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz von Cannabis bei Endometriose.

Die Leitlinie empfiehlt zur Therapie chronischer Schmerzen je nach Schmerzmechanismus verschieden Substanzen, die in einem individuellen Therapieversuch erwogen werden können. Der Einsatz von cannabishaltigen Arzneimitteln sollte somit gemeinsam mit den behandelnden Ärzt*innen geprüft werden. Zudem weist die Leitlinie auf besondere Vorsicht bei jüngeren Patient*innen hin und empfiehlt einen Einsatz nicht vor dem 25. Lebensjahr.

Kann Cannabis helfen?

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn gibt es Hinweise darauf, dass einzelne Patient*innen von Cannabisprodukten profitieren können. Dies betrifft nicht nur Schmerzen, sondern möglicherweise auch weitere Beschwerden, die im Zusammenhang mit Endometriose auftreten.

Allerdings zeigt die bisherige Forschung auch, dass sich derzeit kaum vorhersagen lässt, wer von einer Behandlung profitiert und wer nicht. Wie bei vielen anderen Schmerztherapien reagieren Betroffene sehr unterschiedlich auf die verfügbaren Wirkstoffe.

Zudem ist noch nicht ausreichend erforscht, welche Inhaltsstoffe und Wirkstoffkombinationen bei welchen Beschwerden die besten Effekte erzielen könnten.

Keine Standardtherapie

Cannabisbasierte Arzneimittel gehören derzeit nicht zu den Standardtherapien der Endometriose.
In der Leitlinie werden für die Behandlung der Erkrankung insbesondere hormonelle Therapien sowie – je nach Situation – operative Verfahren empfohlen. Bei chronischen Schmerzen können außerdem physiotherapeutische, psychologische und multimodale Schmerztherapiekonzepte eine wichtige Rolle spielen.

Ob Cannabis eine sinnvolle Ergänzung sein kann, sollte immer individuell und unter Berücksichtigung von Nutzen, Risiken und möglichen Alternativen beurteilt werden.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Wie andere wirksame Medikamente kann auch Cannabis Nebenwirkungen verursachen. Zudem bestehen Risiken bei einer langfristigen Anwendung, darunter mögliche Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Konzentration sowie die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Besondere Vorsicht gilt bei jungen Menschen. Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass Cannabis vor dem 25. Lebensjahr nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden sollte, da sich das Gehirn in dieser Lebensphase noch in Entwicklung befindet.

Fazit

Cannabis ist bei Endometriose weder ein Tabuthema noch eine Wundermedizin. Die aktuelle Leitlinie fasst die bislang begrenzte Evidenz zu cannabisbasierten Arzneimitteln zusammen, spricht jedoch keine allgemeine Empfehlung für deren Einsatz bei Endometriose aus.

Einige Patient*innen können möglicherweise von einer Behandlung profitieren. Derzeit lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen, für wen dies gilt. Deshalb sollte eine mögliche Therapieentscheidung immer individuell getroffen werden.

Unabhängig davon bleibt eine umfassende und individuell abgestimmte Behandlung entscheidend. Gerade bei chronischen Schmerzen ist häufig ein multimodaler Ansatz sinnvoll, der verschiedene therapeutische Bausteine miteinander kombiniert.

Wer sich näher mit den Mechanismen chronischer Schmerzen bei Endometriose beschäftigen möchte, findet in unserem Expertinnengespräch mit Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn weitere Informationen und praktische Einordnungen: Endometriose und Chronische Schmerzen

Aktuelle politische Informationen gibt es auch in der Stellungnahme zur Verordnungsfähigkeit von Cannabis-Arzneimitteln, die durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes der Bundesregierung eingeschränkt werden sollen.