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Gastbeitrag von Simone Möller
Redaktionelle Einordnung der Endometriose-Vereinigung Deutschland
Dieser Beitrag stellt eine naturheilkundlich-therapeutische Einordnung des Heilfastens bei Endometriose dar. Die Autorin verbindet fachliche Expertise mit langjähriger praktischer Erfahrung. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Das bin ich – und deshalb spreche ich über Endometriose
Mein Name ist Simone Möller. Ich bin Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Endometriose und Darmheilkunde, ärztlich geprüfte Fastenleiterin sowie Dozentin für Frauenheilkunde. Seit über 15 Jahren begleite ich Menschen therapeutisch, viele davon mit Endometriose.
Ich lebe selbst seit über 20 Jahren mit den Diagnosen Endometriose und Adenomyose und kenne beide Erkrankungen daher sowohl aus therapeutischer als auch aus eigener Erfahrung.
Sowohl in meiner therapeutischen Arbeit als auch im eigenen Umgang mit der Erkrankung haben sich Ernährung, Darmgesundheit und Heilfasten als wertvolle Handlungsfelder erwiesen.
Ich bin 48 Jahre alt, lebe mit meinem Mann und unseren Tieren in Norddeutschland, liebe Camping, Yoga und die Berge. Montags und mittwochs stehe ich am Beratungstelefon der Endometriose-Vereinigung Deutschland für eure Fragen rund um Endometriose zur Verfügung.
Fasten – viel mehr als „nichts essen“
Wenn ich über das Fasten spreche, höre ich häufig Begriffe wie „Nulldiät“, „Abnehmen“ oder „Hunger“. Doch klassisches Heilfasten ist keine Diät – und es eignet sich auch nicht zum Abnehmen. Wer richtig fastet, hungert nicht.
Eine Fastenkur bedeutet vor allem eines: Ausstieg aus Routinen. Es ist ein bewusster Verzicht, der dem Körper Zeit gibt, sich auf tiefgreifende Regulations- und Regenerationsprozesse einzulassen.
Viele Fastende erleben:
- geschärfte Sinne
- einen klareren Geist
- innere Ruhe
- und eine neue Wahrnehmung des eigenen Körpers
Aus naturheilkundlicher Sicht wirkt Fasten nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den seelisch-geistigen Bereich – eine Erfahrung, die ich immer wieder bestätigen kann.
Verschiedene Formen des Fastens – ein kurzer Überblick
Fasten ist in den letzten Jahren wieder sehr populär geworden. Wichtig ist, die unterschiedlichen Formen klar zu unterscheiden:
- Heilfasten
Keine feste Nahrung, feste Rituale, zeitlich begrenzte Kur - Basenfasten
Auswahl bestimmter Lebensmittel, ebenfalls kurartig - Intervallfasten
Ernährungsstil mit Essenspausen, keine klassische Fastenkur - Scheinfasten
Reduzierte Nahrungsaufnahme mit bestimmter Kalorienmenge, zeitlich begrenzt
Allen Formen gemeinsam ist der freiwillige Verzicht.
Eine tiefgreifende metabolische und hormonelle Regulation mit Umschaltung auf den klassischen Fastenstoffwechsel tritt jedoch vor allem beim Heilfasten auf. Dabei kommt es zu einer deutlichen Ketonkörperbildung und umfassenden Anpassungsprozessen in verschiedenen Körpersystemen.
Andere Fastenformen können einzelne Effekte unterstützen, erreichen jedoch nicht die gleiche Tiefe der Stoffwechselumstellung.
Fasten – keine Modeerscheinung
Fasten begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. In Zeiten knapper Nahrung war es überlebenswichtig, und in vielen Kulturen und Religionen gilt es bis heute als Zeit der Einkehr und als bewusste Hinwendung vom Außen nach Innen.
Fasten wurde traditionell genutzt:
- zur Vorbeugung von Krankheiten
- zur Unterstützung von Heilungsprozessen
- zur körperlichen und seelischen Reinigung
Heilfasten nach Buchinger – ein bewährtes Konzept
Das medizinische Heilfasten nach dem Arzt Otto Buchinger wird heute auf Basis ärztlicher Leitlinien angewendet. In der Naturheilkunde wird Heilfasten als eigenständige therapeutische Methode verstanden, da es die körpereigenen Regulationsmechanismen besonders intensiv aktiviert.
Wichtig ist mir an dieser Stelle ausdrücklich:
Heilfasten ist eine Therapieform und gehört immer in fachkundige Begleitung, durch entsprechend zusatzqualifizierte Ärztinnen, Ärzte oder Heilpraktiker*innen.
Wie eine klassische Heilfastenkur abläuft
Eine typische Heilfastenkur nach Buchinger dauert 10 Tage:
- 2 Entlastungstage
Vorbereitung, Reduktion von z. B. Zucker, Kaffee, Fleisch - 5 Fastentage
Flüssige Nahrung (Brühe, Saft, Tee), max. ca. 300 kcal/Tag - 3 Aufbautage
Sanfte Rückkehr zur festen Nahrung
Eine Fastenkur wird von täglichen Ritualen begleitet, die den Stoffwechsel unterstützen und das Wohlbefinden stabilisieren.
Bewegung und Rituale – warum sie so wichtig sind
Fasten bedeutet nicht Stillstand. Im Gegenteil: Bewegung ist elementar, um Muskelabbau zu vermeiden und den Stoffwechsel aktiv zu halten.
Geeignet sind z. B.:
- Straffe Spaziergänge
- Aktives Wandern
- Passendes Yoga oder Pilates
Diese Bewegung unterstützt den Körper dabei, Energie aus den Fettreserven zu gewinnen – ein Prozess, der aus naturheilkundlicher Sicht gerade für Endometriose-Betroffene interessant ist.
Fastenstoffwechsel – was im Körper passiert
Nach etwa 24 – 28 Stunden ohne feste Nahrung stellt der Körper auf den sogenannten Fastenstoffwechsel um. Die Energieversorgung erfolgt nun überwiegend aus Fettreserven.
Viele Menschen berichten in dieser Phase von:
- mentaler Klarheit
- gesteigerter Energie
- einem Gefühl von innerer Ruhe
Diese Erfahrung kann das Vertrauen in den eigenen Körper nachhaltig stärken.
Fasten und Endometriose aus naturheilkundlicher Perspektive
Aus naturheilkundlicher Sicht ist Endometriose häufig begleitet von:
- chronischen Entzündungsprozessen
- hormonellen Dysbalancen
- hoher Belastung des Nerven- und Immunsystems
- Verdauungsbeschwerden und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Während einer Heilfastenkur kommen viele dieser Systeme zur Ruhe:
- keine Nahrungsreize
- strukturierter Tagesablauf
- bewusste Auszeit vom Alltag
- Hinwendung nach innen
Gerade für Endometriose-Betroffene kann diese Pause ein wertvoller Impuls sein – nicht als Heilversprechen, sondern als Neustart und Erfahrungsraum.
Fazit aus therapeutischer Sicht
Unser Körper besteht aus über 80 Billionen Zellen. Jede einzelne davon ist auf Gesundheit und Balance ausgerichtet. Mit einer chronischen Erkrankung kann das Vertrauen in den eigenen Körper verloren gehen.
Fasten kann helfen, dieses Vertrauen neu zu entdecken.
Nicht als Pflicht.
Nicht als Dogma.
Sondern als Einladung, den eigenen Körper wieder zu spüren.
Bleib mutig.
Alles Liebe
Simone
