Endometriose und der Beckenboden – ein oft übersehener Zusammenhang

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Gastbeitrag von Nicole Thiemer

Endometriose kann als chronische Erkrankung den gesamten Körper und damit auch den Beckenboden beeinträchtigen. Dieser zeigt bei Patientinnen häufig eine verminderte Fähigkeit zur Entspannung, einen erhöhten Grundtonus sowie reduzierte Muskelkraft (R.M. da Cunha et al.). Typische Beschwerden sind: Schmerzen bei Geschlechtsverkehr, Stuhlgang, Urinieren und längerem Sitzen. Betroffene berichten von einem Druck- oder Fremdkörpergefühl im Becken, ziehenden Schmerzen in Unterbauch, Rücken oder Beinen. Charakteristisch sind verhärtete Areale in der Muskulatur, die bei Berührung den typischen Schmerz hervorrufen (J. Muallem et al., 2023). Bei tief infiltrierender Endometriose sind diese Symptome besonders stark ausgeprägt (M.V. Fraga et al., 2021).

Studien zeigen, dass die Schmerzen nicht allein auf Läsionen zurückzuführen sind, da sie nach operativer Entfernung der Herde oft bestehen bleiben. Stattdessen geht man von Veränderungen im Nervensystem aus, die den Schmerz aufrecht erhalten. Diese sog. Sensibilisierung umfasst regionale Allodynie (Schmerz bei normalerweise nicht-schmerzhaften Reizen) und Hyperalgesie (starker Schmerz bei wenig schmerzhaften Reizen) (V.P. Phan et al., 2021).

Zur Schmerzlinderung empfiehlt die aktuelle Endometriose-Leitlinie Physiotherapie. Neue Studienarbeiten zeigen, dass sowohl aktive Physiotherapie als auch Elektrotherapie, manuelle Therapie und Massagen eine signifikante Schmerzminderung bewirken (G.Can et al., 2025). Für den Einstieg könnte es ebenfalls hilfreich sein, den Beckenboden mithilfe von Haltepositionen wie Kind- oder Schmetterlingsposition zu lockern (Ö.C. Tosun et al., 2022).

Referenzen:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose, Langfassung 5.1, 2025. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-045, aufgerufen am 08.02.2026. 

Fraga MV, Oliveira Brito LG, Yela DA, de Mira TA, Benetti-Pinto CL. Pelvic floor muscle dysfunctions in women with deep infiltrative endometriosis: An underestimated association. Int J Clin Pract. 2021 Aug;75(8):e14350. doi: 10.1111/ijcp.14350.

Can G, das Virgens IPA, Fehér B, Orbán EP, Fehérvári P, Bánhidy F, Hegyi P, Mayer ÁA, Ács N. Physiotherapy for endometriosis-associated pelvic pain: a systematic review and meta-analysis. Pain Med. 2026 Jan 1;27(1):95-103. doi: 10.1093/pm/pnaf083.

Moreira da Cunha R, Oliveira Veloso M, Coutinho SS, Darc de Menezes Braga L, de Barros AS, Magalhães GM, Lima POP, Lira do Nascimento S, Bezerra LRPS. Sexual function in women with endometriosis and pelvic floor myofascial pain syndrome. Rev Bras Ginecol Obstet. 2024 May 27;46:e-rbgo40. doi: 10.61622/rbgo/2024rbgo40.

Muallem, J., Velho, R.V., Netzl, J. et al. Pelvic floor hypertension: possible factors for pelvic floor tenderness in endometriosis patients—a pilot study. Arch Gynecol Obstet 308, 1803–1809 (2023). https://doi.org/10.1007/s00404-023-07192-5

Phan VT, Stratton P, Tandon HK, Sinaii N, Aredo JV, Karp BI, Merideth MA, Shah JP. Widespread myofascial dysfunction and sensitisation in women with endometriosis-associated chronic pelvic pain: A cross-sectional study. Eur J Pain. 2021 Apr;25(4):831-840. doi: 10.1002/ejp.1713.

Tosun ÖÇ, Dayıcan DK, Keser İ, Kurt S, Yıldırım M, Tosun G. Are clinically recommended pelvic floor muscle relaxation positions really efficient for muscle relaxation? Int Urogynecol J. 2022 Sep;33(9):2391-2400. doi: 10.1007/s00192-022-05119-3.

Zur Autorin:
Nicole Thiemer ist selbst von Endometriose betroffen und arbeitet als Physiotherapeutin in einer multimodalen Schmerzklinik, in der unter anderem Patient*innen mit Endometriose behandelt werden. In diesem Gastbeitrag verbindet sie persönliche Erfahrung mit ihrer fachlichen Expertise aus der Schmerztherapie.