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29. September – Was sagt die Politik zum Tag der Endometriose?

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Warum politische Aufmerksamkeit so wichtig ist

Am 29. September ist der Tag der Endometriose. Dieser Tag soll nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern auch die dringend notwendige politische Debatte befördern. Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die in Deutschland schätzungsweise 2 Millionen Frauen* betrifft. Weltweit gibt es etwa 200 Millionen Endometriose-Betroffene.

Trotz dieser hohen Zahlen bleibt Endometriose vielerorts wenig bekannt – oft dauert es viele Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird. Der Tag der Endometriose erinnert uns daran: Die medizinische Forschung, Versorgung und gesellschaftliche Anerkennung müssen dringend ausgebaut werden.

Um zu zeigen, wie wichtig das Thema inzwischen auch auf der politischen Bühne ist, haben uns verschiedene Politikerinnen und Politiker zum Tag der Endometriose ihre Statements geschickt.

Dr. Georg Kippels (MdB, CDU und Parlamentarischer Staatssekretär) © BMG/Jan Pauls
Dr. Georg Kippels (MdB, CDU und Parlamentarischer Staatssekretär) © BMG/Jan Pauls

Dr. Georg Kippels (MdB, CDU):

„Etwa 40.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Endometriose. Bis sie eine richtige Diagnose erhalten vergehen durchschnittlich 7,5 Jahre. Das ist immer noch viel zu lang. Endometriose darf nicht länger als individuelles Schicksal betrachtet werden, sondern ist eine gesundheitspolitische Aufgabe, die wir angehen. Die gerade von den Fachgesellschaften aktualisierte Leitlinie schafft mehr Sicherheit für Ärztinnen und Ärzte und stärkt die Versorgung. Durch die in 2024 angelaufene Förderung der Grundlagenforschung durch das Bundesministerium für Forschung rückt die Vision einer schnelleren, nicht-invasiven Diagnostik und einer wirksameren Behandlung, die an den Ursachen der Erkrankung ansetzt, in greifbare Nähe. Das Bundesministerium für Gesundheit wird diese Fortschritte durch Versorgungsforschung ergänzen. So entsteht ein Zusammenspiel aus Spitzenforschung, Fachgesellschaften und Politik. Diese Entwicklungen markieren einen Wendepunkt. Betroffene rücken stärker in den Fokus, ihre Versorgung wird strukturierter und ihr Leid wird ernst genommen. Nach vielen Jahren des politischen Engagements, freut mich das auch persönlich ganz besonders.“

Anne König (MdB, CDU) © Tobias Koch
Anne König (MdB, CDU)
© Tobias Koch

Anne König (MdB, CDU):

„Endometriose betrifft Millionen Frauen in Deutschland und bleibt dennoch gesellschaftlich oft unsichtbar.
Die Versorgungssituation von Endometriose-Betroffenen in Deutschland hat sich durch gezielte Maßnahmen zwar verbessert, doch stellt die Diagnose der komplexen chronischen Erkrankung nach wie vor eine Herausforderung dar. Zu lange müssen Betroffene auf ihrem schmerzhaften Weg zur Diagnose und richtigen Behandlung ausharren. Umso wichtiger sind zertifizierte Endometriose-Zentren, in denen interdisziplinär speziell ausgebildete Fachkräfte eine individuelle Therapie ermöglichen.
Die Bundesregierung hat wichtige Impulse gesetzt: Mit der Förderung von Forschungsverbünden zur Aufklärung der Pathomechanismen sowie einem Schwerpunkt auf Frauengesundheit wird die Basis für nachhaltige Verbesserungen geschaffen. Unser Ziel bleibt eine nationale Endometriose-Strategie, die flächendeckende Versorgung, evidenzbasierte Forschung und Aufklärung bündelt. Wir wollen den Betroffenen ihre Lebensqualität zurückgeben und Endometriose endlich die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient.“

Andrea Lindholz (MdB, CSU) © Timo Raab
Andrea Lindholz (MdB, CSU)
© Timo Raab

Andrea Lindholz (MdB, CSU):

„Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen von Frauen, als Gesellschaft sprechen wir aber viel zu wenig darüber. Die meisten Frauen leiden stillschweigend unter Schmerzen, Fruchtbarkeitsproblemen und psychischen Belastungen. Wir müssen die Erkrankung stärker ins Bewusstsein rücken und mehr darüber sprechen, damit frühzeitig Diagnosen gestellt und gezielte Behandlungen angeboten werden können.“

Josephine Ortleb (MdB, SPD) © Oliver Dietze
Josephine Ortleb (MdB, SPD)
© Oliver Dietze

Josephine Ortleb (MdB, SPD):

„Leider ist die Realität für viele Endometriose-Betroffene in Deutschland noch weit entfernt von einer flächendeckenden und spezialisierten Versorgung. Lange Wartezeiten, fehlende Diagnosen und zu wenig Aufklärung sind keine Einzelschicksale. Sie sind ein strukturelles Problem. Ich setze mich deswegen für eine Nationale Endometriose Strategie ein, die eine bessere Versorgung durch spezialisierte Zentren und eine größere Sensibilität in der Gesellschaft zum Ziel haben muss. Die Problematik geht uns alle an. Endometriose darf nicht länger ein Tabuthema sein – wir müssen Betroffenen endlich die Unterstützung bieten, die sie dringend brauchen.“

Dr. Christos Pantazis (MdB, SPD) © spdfraktion.de / Photothek Media Lab
Dr. Christos Pantazis (MdB, SPD)
© spdfraktion.de / Photothek Media Lab

Dr. Christos Pantazis (MdB, SPD)

„Endometriose: Mehr Aufmerksamkeit, bessere Versorgung
Über zwei Millionen Betroffene in Deutschland leiden unter Endometriose. Viele haben jahrelang starke Schmerzen, warten zu lange auf eine Diagnose und finden unzureichende Behandlungsmöglichkeiten. Das ist nicht hinnehmbar. Der Koalitionsvertrag sieht ausdrücklich vor, die geschlechts- und diversitätssensible Versorgung, insbesondere bei Endometriose, zu stärken. Als gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion will ich dazu beitragen, dass Forschung weiter vorangebracht, spezialisierte Zentren gefördert und die Versorgung für Betroffene spürbar verbessert wird. Endometriose muss endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient in Politik, Medizin und Gesellschaft.“

Dr. Kirsten Kappert-Gonther (MdB, Bündnis 90_Die Grünen) © Bündnis 90/Die Grünen Bremen/Caspar Sessler
Dr. Kirsten Kappert-Gonther (MdB, Bündnis 90_Die Grünen)
© Bündnis 90/Die Grünen Bremen, Caspar Sessler

Dr. Kirsten Kappert-Gonther (MdB, Bündnis 90/Die Grünen)

„Endometriose steht beispielhaft für den Gender Health Gap: Frauen warten noch immer zu lange auf eine Diagnose und auf selbstbestimmte Therapien. Notwendig sind mehr Forschung, eine verlässliche Diagnostik und zertifizierte Zentren – für eine qualitativ hochwertige und selbstbestimmte Versorgung. Der Grundstein ist gelegt, doch nun gilt es, weiterzukämpfen.“

Ulle Shauws (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) © Büro Schauws
Ulle Shauws (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) © Büro Schauws

Ulle Schauws (MdB, Bündnis 90/Die Grünen)

„Der Umgang mit Endometriose steht sinnbildlich für den Umgang mit Frauengesundheitsthemen in unserer Gesellschaft: Schmerzen von Frauen werden nicht ernst genommen, die Forschung wird vernachlässigt und es fehlt an einer angemessenen Versorgung. Obwohl die Krankheit seit langer Zeit bekannt ist und geschätzte 190 Millionen Frauen weltweit an Endometriose erkrankt sind, haben einzelne Länder erst in den letzten Jahren Aktionspläne oder Strategien zur Bekämpfung aufgestellt. Deutschland hinkt dieser Entwicklung noch weit hinterher. So warten Betroffene noch immer sechs bis zehn Jahre auf eine Diagnose, mit gravierenden Folgen für ihre reproduktive und psychische Gesundheit sowie für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Höchste Zeit, dass Medizin, Forschung, Gesellschaft und Politik den Fokus auf dieses – und andere wichtige – Frauengesundheitsthemen lenken.“

Kathrin Gebel (MdB, Die Linke) © Julien Krasniqi
Kathrin Gebel (MdB, Die Linke)
© Julien Krasniqi

Kathrin Gebel (MdB, Die Linke)

„Zum Tag der Endometriose danke ich der Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. für ihre wichtige und stets beharrliche Arbeit. Endometriose ist keine Randerscheinung – in Deutschland sind etwa zwei bis vier Millionen Menschen betroffen. Trotzdem warten Betroffene im Schnitt noch immer rund acht Jahre auf eine klare Diagnose. Das ist eine unzumutbare Versorgungslücke.  Wir brauchen eine nationale Endometriose-Strategie mit klaren Fristen von der ersten Vorstellung bis zur Diagnose, wohnortnahe, kassenfinanzierte Zentren, verpflichtende Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte sowie deutlich mehr öffentliche Forschungsgelder. Schmerzen sind kein Lifestyle; sie sind eine Versorgungsaufgabe.“

Julia-Christina Stange (MdB, Die Linke) © Julia-Christina Stange/ Foto Rimbach, Mainz
Julia-Christina Stange (MdB, Die Linke) © Julia-Christina Stange/ Foto Rimbach, Mainz

Julia-Christina Stange (MdB, Die Linke)

„Endometriose betrifft nicht nur jede zehnte Frau – bis zur Diagnose vergehen im Schnitt auch fast 10 Jahre. Ein Spießrutenlauf für Frauen, denn sie werden häufig nicht ernst genommen oder medizinisches Personal ist nicht ausreichend darin geschult, Endometriose zu erkennen und zu behandeln. In Folge werden Frauen mit mehreren Beschwerden von Pontius zu Pilatus geschickt – ohne dass jemand das Ganze sieht. Es muss endlich Schluss sein mit der jahrelangen Missachtung! Wäre Endometriose eine Männerkrankheit, gäbe es längst spezialisierte Kliniken an jeder Ecke. Wir brauchen eine flächendeckende Versorgung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine systematische Integration von Endometriose in die Ausbildung von medizinischem Personal. Nur so können wir schnelle Diagnosen und eine ganzheitliche Behandlung sicherstellen.“

Stefan Schwartze (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, MdB, SPD) © Steffen Kugler
Stefan Schwartze (MdB, SPD) © Steffen Kugler

Stefan Schwartze (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, MdB, SPD):

„Gesundheitspolitik muss die Lebensrealitäten aller Menschen abbilden. Endometriose ist keine Nischenerkrankung – sondern ein zentrales Thema für eine gerechtere Gesundheitsversorgung, das wir auf Basis des Koalitionsvertrags angehen müssen.“

Fazit

Der Tag der Endometriose macht deutlich: Endometriose ist nicht nur ein medizinisches Thema, sondern auch ein gesundheitspolitisches. Millionen von Frauen* sind betroffen, und ihre Stimmen dürfen nicht länger überhört werden.

Die Statements der Politikerinnen und Politiker zeigen, dass die Problematik zunehmend anerkannt wird. Doch Worte allein reichen nicht – es braucht konkrete Maßnahmen:

  • schnellere Diagnosen durch geschulte Ärztinnen und Ärzte,
  • mehr Forschung zu Ursachen und Therapien,
  • eine flächendeckende Versorgung, die die Lebensqualität der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.

Die Endometriose-Vereinigung Deutschland wird auch weiterhin dafür kämpfen, dass Betroffene gehört werden – am Tag der Endometriose und an jedem anderen Tag des Jahres.