Endo & Reisen – Teil 3: Gemeinsam reisen, gut aufeinander achten

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Urlaub mit Partner*in, Freund*innen oder Familie bedeutet gemeinsame Zeit, neue Erlebnisse und schöne Erinnerungen. Gleichzeitig treffen auf Reisen unterschiedliche Wünsche, Bedürfnisse und Energielevel aufeinander. Mit Endometriose kann das manchmal besonders herausfordernd sein – etwa wenn Beschwerden kurzfristig stärker werden und gemeinsame Pläne geändert werden müssen.

Bevor es in Teil 3 unserer Sommerreihe #EndoUndReisen darum geht, wie gemeinsames Reisen trotz unterschiedlicher Bedürfnisse gelingen kann, lohnt sich auch ein Blick auf die bisherigen Beiträge:

🧡 In Teil 1 haben wir uns mit Reisevorbereitung sowie einer möglichst körpergerechten An- und Abreise beschäftigt.

🧡 In Teil 2 ging es darum, wie sich Aktivitäten im Urlaub an die eigenen Bedürfnisse und das aktuelle Energielevel anpassen lassen und warum ein schöner Urlaub nicht daran gemessen werden muss, wie viel wir geschafft und erlebt haben.

Diesmal richten wir den Blick auf das Miteinander: Wie können Betroffene und ihre Reisebegleitungen offen über Bedürfnisse sprechen, mit spontanen Planänderungen umgehen und einen Urlaub gestalten, in dem sowohl gemeinsame Erlebnisse als auch individuelle Freiräume Platz haben?

Gemeinsam reisen, ohne dass ein schlechtes Gewissen mitfährt 

Wenn du mit anderen in den Urlaub fährst, treffen schnell unterschiedliche Erwartungen aufeinander. Deine Begleitung möchte den Ort erkunden und möglichst viel erleben, während du vielleicht nicht weißt, wie belastbar du an den einzelnen Tagen sein wirst. Daraus kann ein typisches Konfliktmuster entstehen: Deine Begleitung fühlt sich ausgebremst und du fühlst dich schuldig, weil dein Körper nicht so mitmacht wie geplant. 

Dabei kann es helfen, den Urlaub neu zu betrachten: weg von dem Anspruch, möglichst viel herauszuholen, und hin zu der Frage, was euch wirklich Erholung bringt. Setzt euch lieber kleine, realistische Ziele. Dann entsteht weniger Enttäuschung, wenn du eine Pause brauchst – und umso mehr Freude, wenn doch noch Energie für eine weitere Sehenswürdigkeit oder einen spontanen Ausflug da ist. 

Sprich am besten schon vor der Reise offen darüber, dass du nicht garantieren kannst, an allen Unternehmungen teilzunehmen. Egal, ob du mit deinem Partner oder deiner Partnerin, mit Freund*innen oder mit deiner Familie unterwegs bist: Deine Begleitung sollte wissen, dass es zu stärkeren Beschwerden, Erschöpfung oder anderen Problemen kommen kann. So können sich alle darauf einstellen und ihr könnt gemeinsam Alternativen entwickeln. 

Dabei ist eine Botschaft besonders wichtig: Deine Liebsten dürfen auch ohne dich etwas unternehmen. Du darfst ihnen klar sagen, dass sie einen schönen Tag haben sollen, selbst wenn du in der Unterkunft bleiben musst. Ein schlechtes Gewissen hat im Koffer keinen Platz. 

Vielleicht hilft dir dieser Satz: 

„Wenn du heute etwas Schönes erlebst, freue ich mich für dich. Wirklich. Es hilft mir nicht, wenn du auch leidest. Im Gegenteil: Deine Freude ist für mich wie ein kleines Geschenk. Genieße es für uns beide.“ 

Ich kann nicht mit – aber trotzdem verbunden bleiben 

Wenn du bei einer Aktivität nicht dabei sein kannst, bedeutet das nicht, dass du nutzlos bist oder nicht mehr zum gemeinsamen Urlaub gehörst. Vielleicht übernimmst du eine kleine Aufgabe von der Unterkunft aus: Du suchst ein Restaurant für den Abend aus, reservierst einen Tisch, überprüfst das Wetter oder planst eine mögliche Aktivität für den nächsten Tag. Du könntest Tickets recherchieren, Spiele für den Abend vorbereiten, Postkarten schreiben oder eine gemeinsame Playlist zusammenstellen. 

Auch kleine Aufgaben können dir das Gefühl geben, weiterhin Teil des Teams zu sein. Wichtig ist aber: Daraus sollte kein neuer Leistungsdruck entstehen. Wenn gar nichts geht, geht eben gar nichts. Auch vollständige Ruhe ist eine sinnvolle Entscheidung und kein persönliches Versagen. 

Videoanrufe können kleine Verbindungsbrücken schaffen. Deine Begleitung kann dir eine schöne Aussicht, eine Sehenswürdigkeit oder einen besonderen Moment per Video zeigen. Auch Sprachmemos und ein kleiner Foto-Liveticker können dafür sorgen, dass ihr euch gegenseitig an eurem Tag teilhaben lasst. 

Mit Kindern könntest du kleine Aufträge vereinbaren: „Such mir eine besondere Muschel, einen schönen Stein oder ein Blatt und erzähl mir später, wo du es gefunden hast.“ So entsteht ein gemeinsames Erlebnis, obwohl ihr zeitweise getrennt unterwegs seid. 

Vielleicht bringt dir deine Begleitung auch eine Kleinigkeit vom Ausflug mit. Umgekehrt kannst du die Ruhezeit nutzen, um etwas Kleines für die anderen zu gestalten – beispielsweise einen Schlüsselanhänger, eine Postkarte oder Schmuck aus gesammelten Muscheln. Es geht dabei nicht um Leistung, sondern um eine liebevolle Verbindung. 

Du könntest auch selbst ein kleines Erlebnis wählen, das zu deinem aktuellen Energielevel passt. Während die anderen einen Ausflug machen, buchst du dir beispielsweise eine Massage, liest auf dem Balkon, hörst ein Hörbuch oder schaust einen Film. Später könnt ihr euch gegenseitig erzählen, was ihr erlebt habt. Wichtig ist, dass das Interesse in beide Richtungen geht und nicht nur danach gefragt wird, wie es dir gesundheitlich geht. 

Die Unterkunft sollte dabei möglichst zur Oase und nicht zum Krankenzimmer werden. Ein Zimmer mit Balkon oder schöner Aussicht kann helfen, dich weiterhin mit dem Urlaubsort verbunden zu fühlen, auch wenn du weniger mobil bist. Statt eines Abends in der Strandbar könnt ihr euch vielleicht Zimmerservice bestellen und die Bar für einen Abend ins Bett oder auf den Balkon holen. 

Gemeinsam und getrennt planen 

Bereits vor dem Urlaub könnt ihr Aktivitäten in zwei Kategorien einteilen: Dinge, die ihr unbedingt gemeinsam erleben möchtet, und Unternehmungen, die deine Begleitung problemlos allein machen kann. So müsst ihr im Fall eines Schubs nicht jedes Mal neu diskutieren, ob etwas ohne dich stattfinden darf. 

Plant außerdem bewusst Pausen und alternative Varianten ein. Vielleicht gehst du bei einer Wanderung nur die halbe Strecke mit, ruhst dich an einem vereinbarten Ort aus oder kehrst früher zur Unterkunft zurück. Auch kleine Aufträge können verbinden: „Mach mir ein Video von der Aussicht“ oder „Fotografiere die Keramik, von der wir gesprochen haben.“ 

Auch Angehörige dürfen sich vorbereiten 

Auch für Angehörige kann eine Reise mit Endometriose herausfordernd sein. – Wenn deine Reisebegleitung an Endometriose oder Adenomyose leidet, bedeutet das häufig, dass Einschränkungen auf sie zukommen, die auch an dir nicht spurlos vorbeigehen. Bereite dich deshalb möglichst schon vor der Abreise darauf vor, dass Beschwerden kurzfristig stärker werden können und Pläne sich ändern müssen. Dafür solltest du möglichst wissen, was es heißt mit Endometriose zu leben. Sprich mit deiner Begleitung, frage nach Sorgen und Befürchtungen, lass dir einen Einblick geben, welche Herausforderungen sie im Alltag erlebt und was ihr hilft. Nicht immer möchten Betroffene über ihre Erkrankung ins Detail gehen. Achte deshalb darauf, Grenzen zu wahren und einfühlsam zu sein.  

Auch ohne direkt in den Dialog zu gehen, kannst du ein paar Vorbereitungen treffen. Informiere dich ganz allgemein darüber, was betroffenen Personen bei Schmerzen hilft, welche Medikamente oder Hilfsmittel sie benötigen könnte und wo sich am Urlaubsort medizinische Anlaufstellen befinden. Dir ein Basiswissen über Endometriose anzueignen, zeigt außerdem, dass die chronische Erkrankung von dir gesehen wird und du gewillt bist, Verständnis und Unterstützung aufzubringen. Wichtig ist vor allem: Fragt nach, welche Unterstützung tatsächlich gewünscht ist – manchmal hilft praktische Hilfe, manchmal Ruhe und Rückzug. 

Versuche, flexibel zu bleiben und Änderungen nicht als Enttäuschung zu verstehen. Wenn eine Aktivität ausfällt, sollte das nicht zum Vorwurf werden. Gleichzeitig musst du deine eigenen Bedürfnisse nicht zurückstellen: Unternehme auch Dinge allein und genieße deine Zeit, ohne dass dabei Schuldgefühle entstehen. Überlege, ob dir ein Endometriose-freundlicher Kompromiss einfällt und sprich vorher an, welche Unternehmung du auf keinen Fall missen willst und welche du getrost gegen einen gemeinsamen Nachmittag in der Unterkunft eintauschen kannst. Eine gute Vorbereitung und offene Absprachen können helfen, dass aus einem ungeplanten Ruhetag kein Konflikt wird. 

Auf unserer Webseite findest du die wichtigsten Information für Angehörige zusammengefasst. Dort kannst du dich nicht nur über Endometriose informieren, sondern auch Tipps nachlesen, wie du Betroffene unterstützen kannst und Erfahrungsberichte von anderen Angehörigen durchstöbern. 

Reisen mit dem Partner oder der Partnerin 

Zu zweit entsteht eine andere Dynamik als in einer größeren Gruppe. Wenn dein Partner oder deine Partnerin allein losgeht, ist die Person nicht nur ohne Begleitung unterwegs, sondern möglicherweise auch mit der Sorge um dich. Das kann emotional belastend sein und dazu führen, dass sich beide Seiten nicht wirklich entspannen. 

Hilfreich kann ein sogenannter Split Day sein: Eine Person unternimmt am Vormittag etwas allein, mittags trefft ihr euch wieder und verbringt den restlichen Tag gemeinsam. Oder ihr beginnt den Tag zusammen und trennt euch später, wenn du eine Pause brauchst. 

Kurze Check-ins können Sicherheit schaffen, sollten aber nicht zu einer ständigen Kontrolle werden. Vereinbart beispielsweise, dass ihr euch nach einigen Stunden kurz schreibt. So weiß deine Begleitung, dass es dir gut geht, und du musst nicht das Gefühl haben, permanent Bericht erstatten zu müssen. 

Versucht außerdem, nicht jeden Urlaubstag nach dem Prinzip „ganz oder gar nicht“ zu planen. Auch ein gemeinsames Frühstück, ein kurzer Spaziergang, eine Stunde am Strand oder ein Abendessen können wertvolle gemeinsame Urlaubsmomente sein. 

Reisen mit Kindern 

Kinder merken meist ohnehin, wenn es einem Elternteil nicht gut geht. Deshalb kann es helfen, die Situation altersgerecht zu erklären. 

Bei kleineren Kindern genügt möglicherweise eine einfache Formulierung wie: „Mama hat heute Bauchweh und muss sich etwas ausruhen.“ 

Älteren Kindern kannst du genauer erklären: „Ich habe eine Krankheit, die man nicht sehen kann. Manchmal tut mein Bauch so weh, dass ich nicht rennen oder schwimmen kann. Ich bin nicht in Gefahr. Mein Körper braucht dann einfach mehr Pausen. Du darfst trotzdem Spaß haben.“ 

Kinder sollten möglichst nicht das Gefühl bekommen, für dein Wohlbefinden verantwortlich zu sein. Du kannst ihnen Sicherheit geben, indem du klar sagst: „Das ist mein Problem und ich kann damit umgehen. Wenn ich mich ausruhe, wird es meistens besser.“ 

Gleichzeitig dürfen Kinder eingebunden werden, ohne zu kleinen Pfleger*innen zu werden. Sie können dir beispielsweise von ihrem Ausflug erzählen, etwas sammeln oder gemeinsam mit dir eine ruhige Aktivität machen. 

Reisen mit Freund*innen 

Auch bei Reisen mit Freund*innen hilft es, Erwartungen frühzeitig zu besprechen. Gerade in einer Gruppe kann schnell das Gefühl entstehen, dass sich alle nach einer Person richten müssen. Deshalb kann es entlastend sein, wenn von Anfang an klar ist: Nicht jede Aktivität muss von allen gemeinsam gemacht werden. 

In einer größeren Gruppe lassen sich häufig unterschiedliche Interessen und Energielevel leichter berücksichtigen. Ein Teil kann einen längeren Ausflug unternehmen, während andere einen ruhigeren Tag am Strand, im Café oder in der Unterkunft verbringen. So bist du nicht automatisch die einzige Person, die eine Pause braucht. 

Du kannst deinen Freund*innen vorab erklären, woran sie erkennen, dass es dir schlechter geht, und welche Unterstützung dir dann tatsächlich hilft. Vielleicht möchtest du in Ruhe gelassen werden, benötigst eine Wärmflasche oder möchtest lediglich wissen, wann die Gruppe zurückkommt. Klare Absprachen verhindern, dass alle gleichzeitig versuchen, dich zu versorgen oder aus Unsicherheit ständig nachfragen. 

Bestimmt außerdem eine feste Ansprechperson, falls ihr in einer größeren Gruppe reist. So musst du nicht jeder Person einzeln erklären, wie es dir geht, und gleichzeitig fühlt sich niemand allein verantwortlich. 

Auch hier gilt: Freund*innen dürfen Spaß haben, ohne sich dafür schlecht zu fühlen – und du darfst dich ausruhen, ohne dich rechtfertigen zu müssen. Eine gute Freundschaft zeigt sich nicht daran, dass alle ständig dasselbe tun, sondern daran, dass unterschiedliche Bedürfnisse Platz haben. 

Vielleicht könnt ihr ein festes gemeinsames Ritual vereinbaren: das Frühstück, ein Getränk am Abend, ein Kartenspiel oder einen kurzen Spaziergang. Dann bleibt ein verbindender Moment erhalten, auch wenn ihr den restlichen Tag unterschiedlich verbringt. 

Ein gelungener Urlaub muss nicht bedeuten, dass alle ständig zusammen sind und jeden Programmpunkt schaffen. Er kann auch daraus bestehen, sich gegenseitig Freiräume zu geben, kleine gemeinsame Momente bewusst wahrzunehmen und die eigenen Grenzen ernst zu nehmen.

 Und wie klappt gemeinsames Reisen bei euch?

Uns interessiert: Wie geht ihr im Urlaub mit unterschiedlichen Bedürfnissen und spontanen Planänderungen um? Gibt es Absprachen, kleine Rituale oder kreative Lösungen, die euch helfen, wenn Endometriose plötzlich einen Strich durch die Urlaubsplanung macht?

Erzähl uns gerne davon in den Kommentaren unter unseren Instagram-Beiträgen zu #EndoUndReisen. Vielleicht ist genau deine Erfahrung eine hilfreiche Idee für andere Betroffene und ihre Reisebegleitungen.

🧡 Gemeinsam können wir Erfahrungen sammeln, die zeigen: Ein schöner gemeinsamer Urlaub bedeutet nicht, immer alles gemeinsam machen zu müssen – sondern auch, aufeinander zu achten und unterschiedlichen Bedürfnissen Raum zu geben.