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judith

Ich bin Judith, 39 Jahre alt, verheiratet und lebe kinderlos.

Meine Endometriose-Diagnose bekam ich 2021 – da war ich 34. Doch die Beschwerden begannen schon mit 12, als ich meine erste Periode bekam: extreme Schmerzen, starker Blutverlust, Verdauungsprobleme. Ich lernte früh, dass das wohl „normal“ sei. Schmerzmittel, Krankschreibungen, später Hormone – die Standardantwort auf meine Symptome. Ich nahm jahrelang Pille um Pille, wechselte das Präparat, wechselte die Ärztinnen und Ärzte – aber niemand stellte die Frage nach dem Warum.

Mit 23 setzte ich die Hormone ab, wollte endlich ich selbst sein. Ich entdeckte Crossfit, lebte gesünder, wurde selbstbewusster – aber auch meine Beschwerden kehrten zurück: Blähbauch, Verstopfung, Durchfall. Ich stellte meine Ernährung um, versuchte alles – ohne Besserung. Erst eine Instagram-Story einer Betroffenen brachte mich auf die Idee, dass es Endometriose sein könnte. Eine erste Bauchspiegelung brachte die Diagnose – und gleich die Info: Mein Darm war befallen. Es folgte eine OP in einem Endometriose-Zentrum. Dort lernte ich auch: Eine OP ist nicht immer notwendig, spezialisierte Ärztinnen und Ärzte können Endometriose oft schon per Anamnese, Untersuchung und Ultraschall erkennen.

Nach der Diagnose und Erleichterung wurde ich hart in die Realität zurückgeworfen: Die empfohlene Therapie war wieder hormonell. Ich nahm die Gestagenpille Visanne – und fiel in ein tiefes Loch. Depression, Gewichtszunahme, Schmerzen. Mein Alltag war kaum noch zu bewältigen. Mein Mann übernahm Verantwortung, ich verlor meine Kraft. Ich machte mehrere Rehas, tauschte mich mit Betroffenen aus, entdeckte Entspannungsmethoden, stellte meinen Lebensstil um – und lernte, dass Endometriose mehr ist als „nur“ eine Frauenkrankheit. Sie betrifft Körper, Psyche, Arbeit, Beziehungen. 2025 ließ ich mir schließlich die Gebärmutter entfernen. Ein schwerer, aber befreiender Schritt – auch, weil mein Mann und ich uns bewusst für ein kinderloses Leben entschieden haben.

Heute arbeite ich in Teilzeit, angepasst an meine chronischen Schmerzen. Ich lebe mit Endometriose – aber sie bestimmt nicht mehr mein Leben. Mein Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen: für Mädchen, die zu früh lernen, dass Schmerz normal sei. Für Betroffene, die sich alleine fühlen. Für Führungskräfte, die flexible Arbeitsbedingungen schaffen können. Und für ein Gesundheitssystem, das Frauen endlich ernst nimmt.