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Josefines Geschichte

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Josefine

Ich bin Josefine.

Früher habe ich kaum über meine „Regelbeschwerden“ gesprochen, weil es mir unangenehm war und ich mich dadurch „schwach“ gefühlt habe. Heute rede ich offen über meine chronische Erkrankung, weil ich weiß, wie wichtig es ist.

Bis zu der Diagnose Endometriose vergingen bei mir sehr viele Jahre. Ich habe früh meine Periode bekommen und hatte von der ersten Regelblutung an mit Beschwerden zu kämpfen. Seit Beginn meiner Schmerzen hat es insgesamt 23 Jahre bis zur Diagnose Endometriose gedauert. Erschreckend ist, dass ich die ganzen Jahre mit Unterleibs- und Rückenschmerzen, starken Blutungen, PMS und Erschöpfung nicht ernst genommen wurde. „Regelschmerzen sind normal“ war die Aussage der Frauenärzt:innen.

Ich fühlte mich jahrelang allein gelassen mit meinen Beschwerden, fühlte mich als zu empfindlich und anders als die anderen Mädchen. Dabei war ich nicht zu empfindlich, ich hatte zu starke Periodenbeschwerden, die nicht normal waren! Den Alltag in der Schule und später den Arbeitsalltag mit heftigen Regelbeschwerden zu bewältigen, war die ganzen Jahre eine große Herausforderung. Zurückblickend frage ich mich, wie ich das nur geschafft und woher ich die Kraft genommen habe.

Im Jahre 2020 wurden die Beschwerden immer schlimmer. Ich hatte jeden Monat nur wenige Tage, die beschwerdefrei waren. Auf eigenen Wunsch hin und gegen den Rat der Ärztin, entschloss ich mich dazu eine Bauchspiegelung machen zu lassen. Noch als ich im Aufwachraum lag, bekam ich die Diagnose: „Sie haben Endometriose“. Es war erleichternd endlich eine Diagnose zu haben, auch wenn ich natürlich diese Erkrankung nicht haben wollte.
Mit der Diagnose hörten mir die Ärzte wieder zu und ich bekam das erste Mal eine Art von Verständnis für meine Leiden. Doch leider verschlimmerten sich die Beschwerden nach der Endo-Sanierung. Ich versuchte lange Zeit weiterhin jeden Tag zur Arbeit zu gehen und meinen Alltag zu bewältigen, bis ich zusammenbrach und gar nichts mehr ging. Nicht nur die Schmerzen auch die Fatigue und Depressionen schwächten mich so sehr, dass ich das erste Mal für längere Zeit krankgeschrieben war.

Mein Arbeitgeber nahm meine Erkrankung nicht ernst, weil man sie mir nicht ansah und kündigte mir. Das war für mich ein Wendepunkt in meinem Leben. Das erste Mal nahm ich mir Zeit für meine Erkrankung. Zeit dafür wieder Kraft zu schöpfen und mich um mich selbst zu kümmern.
Ich machte eine Reha und probierte vieles aus, um die Beschwerden in den Griff zu kriegen. Doch es wollte lange Zeit nichts helfen. Ich war am verzweifeln und hatte Angst noch länger ausfallen zu müssen.

Erst als ich lernte die Erkrankung zu akzeptieren und wieder die Verantwortung für meinen Körper zu übernehmen, ging es mir langsam besser. Zudem recherchierte ich viel zu der Erkrankung und welche Methoden Linderungen bringen könnten. Das Thema „Ernährung bei Endometriose“ interessierte mich besonders und ich fing an in kleinen Schritten meine Ernährung umzustellen. Ich fand eine Heilpraktikerin die mich dabei unterstützte und ermutigte meine Ernährung noch weiter anzupassen. Auch fand ich endlich eine Frauenärztin sowie eine Psychologin, die sich beide mit der Erkrankung Endometriose und deren Begleiterkrankungen auskennen und mir weiterhelfen konnten. Dieses „Netzwerk“ stärkte mich auf meinem weiteren Weg.

Mit der Zeit merkte ich, dass mir meine neue Ernährung guttat und ich informierte mich immer mehr zu dem Thema Ernährung. Weil mir meine Ernährungsumstellung so sehr geholfen hat, dass es mir besser geht, machte ich eine Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin, um noch mehr über die Kraft der Ernährung zu erfahren. Heute bin ich weitestgehend beschwerdefrei und möchte mein Wissen an andere betroffene Frauen weitergeben. Deshalb habe ich mich nebenberuflich mit „Hungry Chameleon“, meiner Ernährungsberatung bei Endometriose, selbstständig gemacht.

Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, andere Frauen auf ihrem Weg zur Linderung ihrer Endo-Symptome zu begleiten und zu unterstützen. Ich weiß, dass man die Endometriose nicht heilen kann. Doch die Ernährung kann dazu beitragen, dass die Beschwerden geringer werden oder man bestenfalls keine mehr hat.

Ich bin froh, dass es mittlerweile nicht mehr Jahrzehnte bis zur Diagnose dauert und die Erkrankung bekannter geworden ist. Dafür sollten wir uns weiterhin gemeinsam stark machen und Endometriose noch sichtbarer machen. Besonders aus diesem Grund teile ich heute meine Geschichte mit Euch.
Ich möchte damit zeigen, dass ihr nicht alleine seid und es Wege geben kann, dass es Euch wieder besser geht. Bitte gebt nicht auf!