Wie mir Zykluswissen im Umgang mit meiner Endometriose geholfen hat

Hi, ich bin Babsi, Zyklusmentorin, Optikermeisterin, Filialleitung, Co- Selbsthilfegruppenleiterin für Endometriose Betroffene in München.

Im Januar 2018 habe ich, durch eine Bauchspiegelung die Diagnose Endometriose bekommen. Bis zum Frühjahr 2020 hatte ich keinen Weg mit meinem Zyklus umzugehen. – Außer mit Ablehnung.

Babsi, Zyklusmentorin und Autorin des Gastbeitrags
Foto: © Sophia Grabner

Zu der Zeit hatte ich 6 verschieden Hormonpräparate in zwei Jahren getestet und hatte leider mehr Nebenwirkungen als Nutzen. Nach dem Absetzen der letzten Pille ging es mir besser. Trotzdem hatte ich noch nicht verstanden, was Monat für Monat in meinem Körper passiert und was dies für Auswirkungen auf meinen Alltag, die Endometriose, meine Psyche, meine Arbeit, meine Partnerschaft hat. Warum ich mich Monat für Monat fühlte, als würden mich meine Emotionen und meine Schmerzen regieren, was sie zu der Zeit auch taten. Ganz so, als stünde ich am Rand eines Beckens mit Eiswasser und wüsste nicht, wann jemand kommt und mich dort hinein schubst.

Erst nachdem ich bei Anna Nussbaumer gelernt hatte mit meinem Zyklus umzugehen, verstand ich, wie ich mit den Wellen meiner Hormone umgehen kann. Schritt für Schritt war ich in der Lage meinen Zyklus in meinen Alltag zu integrieren, nicht mehr gegen mich zu kämpfen, sondern mit meinem Körper zu gehen.

Ab da ging es für mich sowohl im Beruflichen als auch im Privaten bergauf. Schnell war ich Ansprechpartnerin für diverse zyklische Fragen, sowohl für Freundinnen als auch für Kolleginnen. Als auch eine sehr gute Freundin mit Endometriose diagnostiziert wurde, begann ich nach Unterstützung zu suchen und fand sie in der Selbsthilfegruppe für Endometriose-Betroffene in München, gleich beim ersten Treffen entschied ich mich die Gruppenleitung, mit zwei anderen Frauen, zu übernehmen.

Als dann von Anna Nussbaumer die Möglichkeit kam mich zur Zyklusmentorin ausbilden zu lassen, war klar, dass ich genau das tun möchte – auf eine ganz neue Art lernen, wie ich dieses wertvolle Wissen weitergeben kann. Ganz nach dem Motto „be the change you wish to see“ bin ich heute Zyklusmentorin und helfe anderen dabei mit den Herausforderungen ihres Zyklus umzugehen!

Was macht eine Zyklusmentorin?

Zyklusmentorinnen gibt es bisher so noch nicht. Es ist ein völlig neues Berufsbild. Es gibt Gynäkolog:innen, Hebammen und Heilpraktiker:innen, um einige Berufsgruppen zu nennen, die auf körperlicher Ebene mit dem Thema Menstruation und Zyklus arbeiten. Meistens konsultiert man diese aber nur, wenn es um konkrete Probleme geht. Bisher gibt es niemanden, der über die psychische Ebene deines Zyklus aufklärt – auf die Auswirkungen im Alltag, im Berufsleben, in der Partnerschaft, auf die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Du hast dich bestimmt auch schon mal gefragt, warum du in einer Woche vor Energie strotzt und in der nächsten nicht mehr weißt, wo oben und unten ist und in Selbstzweifel zergehst!

Hier kommen wir Zyklusmentorinnen ins Spiel. Wir unterstützen und begleiten Menstruierende in folgenden Themenbereichen:

  • Zykluswissen: erlernen der Grundlagen des weiblichen Zyklus, von den Phasen des Menstruationszyklus bis hin zu den hormonellen Veränderungen.
  • Körperliche Gesundheit: Informationen für eine gesunde Ernährung, Bewegung und Lebensstil, die den Zyklus unterstützen.
  • Emotionales Wohlbefinden: vermitteln von Techniken zur Stressbewältigung, zur Förderung der emotionalen Ausgeglichenheit und zur Stärkung des Selbstbewusstseins in jeder Phase des Zyklus.
  • Zyklusbasierte Planung: Wie kann ich meinen Alltag und meine Projekte um den Zyklus herum organisieren, um optimale Leistung, Kreativität und Produktivität zu erzielen.

Ziel ist es hierbei, zusammen mit Gynäkolog:innen, Endometriose-Betroffene und Menstruierende zu unterstützen mit Ihren alltäglichen Herausforderungen umzugehen.

Wie hat mir Zykluswissen geholfen mit meiner Endometriose umzugehen?

Was mich meine Diagnose gelehrt hat?
Es ist nie zu spät Verantwortung für dich und deinen Körper zu übernehmen.

Babsi, Zyklusmentorin und Co-Selbsthilfegruppenleiterin

Bevor ich Zykluswissen hatte, wurde ich regelmäßig von Schmerzattacken überrollt. Durch die Beobachtung meines Zyklus und der einzelnen Phasen hatte ich eine Möglichkeit, Muster und Auslöser zu erkennen. Konkret waren das bei mir Stress und Druck, den ich mir, meist durch eigene destruktive Gedanken machte, aber auch bestimmte Ernährungsformen, Schlafmangel, Koffein, uvm. So konnte ich, Schritt für Schritt, meinen Alltag umstellen.

  • In der Arbeit: Ich habe mir um meine Periode herum bewusst Puffer geschaffen und auch offen kommuniziert, dass ich hier etwas mehr Zeit benötige und langsam machen muss. Um dafür dann den Rest des Monats volle Leistung bringen zu können. Was einige Kolleginnen mit der Zeit übernommen haben.
  • Im Alltag: Durch das Wissen was ich wann brauche, abhängig von der Zyklusphase, kann ich das auch kommunizieren und so meinem Umfeld mitteilen, warum ich z. B. grade eher zurückgezogen bin (Menstruation) oder warum ich 3-4 Tage später „plötzlich“ am liebsten mit allen gleichzeitig etwas unternehmen möchte – das nahm mir enorm viel Druck raus – was sich wiederum positiv auf meine Schmerzen ausgewirkt hat.
  • Im Umgang mit Ärzt:innen und meiner Gesundheit: Der Zyklus ist ein Vitalzeichen, stimmt gesundheitlich etwas nicht, spiegelt unser Zyklus das sehr schnell wider. Durch das Wissen, was wann in meinem Zyklus passiert und die Beobachtung, in welcher Phase Probleme auftreten, kann ich schneller reagieren und mir adäquate Hilfe holen.

Das verbessert auch die Kommunikation mit meinen behandelnden Ärzt:innen dahingehend, dass ich selbstbewusst und auf Augenhöhe kommunizieren kann. So wird die Anamnese präziser und ich kann, gemeinsam mit den Ärzt:innen, die Behandlung gestalten. Zykluswissen nimmt das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber den Symptomen.

Es gibt mehrere Ereignisse, die ich bereits nach meinen Zyklusphasen geplant habe, Autokauf, Wohnungssuche, Arbeitsprojekte, Urlaubsplanung, finanzielle Absicherung, Gesundheitsvorsorge – zwei sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

  • Eine Gehaltsverhandlung: Während ich 2020 selbst einen Zyklusworkshop online absolvierte, fiel genau in diesen Monat meine Gehaltsverhandlung. Durch die Nutzung der Vorteile der einzelnen Zyklusphasen konnte ich mich optimal darauf vorbereiten. Der Termin für die Verhandlung fiel auf die Zeit meiner Ovulation – vor dem Kurs die Zeit, in der ich mich sehr schnell verunsichern lies – durch den Kurs die Zeit, in der ich am meisten Selbstvertrauen hatte. Und es hat funktioniert. Auch wenn das manche Chefs und Chefinnen nicht gerne hören.
  • Das zweite war meine Hochzeit: Ein einmaliges Ereignis, der schönste Tag des Lebens. Ich habe unseren Hochzeitstag bewusst auf die Zeit in meinen Zyklus gelegt, in der ich die meiste Energie habe – die Zeit des Eisprungs. Es war ein wunderschöner, anstrengender Tag. Wenn ich mir vorstelle ich hätte diesen positiven Stress während meiner Menstruation aushalten müssen, so wäre dieser besondere Tag bestimmt nicht so angenehm für mich verlaufen.

Unser Zyklus ist da, ob wir wollen oder nicht. Es erleichtert den Alltag ungemein, nicht gegen ihn zu arbeiten, sondern sich die einzelnen Phasen zu Nutze zu machen. Ob nun unregelmäßige Zyklen, Schmerzen, PMS, Endometriose: Es lassen sich Muster erkennen, die entweder in den Alltag integriert werden oder gezielt behandelt werden können. Es gibt uns Betroffenen, uns Menstruierenden eine Möglichkeit handlungsfähig zu werden.

Durch Zykluswissen bin ich die Expertin meines Körpers geworden und habe die Verantwortung für mich und meinen Wohlergehen übernommen. Es hat mich aus der Schockstarre der Diagnose in ein eigenverantwortliches Handeln gebracht und so zu mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in meinen Körper geführt.

Mehr Infos zu meiner Arbeit findest du auf Instagram unter: dive_in_feminine

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