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Verbesserung der Versorgungssituation – Handlungsbedarfe auf landespolitischer Ebene

Du bist von Endometriose betroffen und aktuell oder in der Vergangenheit in Kinderwunschbehandlung? Unterstütze und bei unserer anonymen Umfrage zu Erfahrungen mit Endometriose und Kinderwunsch. Mehr Informationen findest du am Ende dieses Beitrags.

In Deutschland ist die Versorgungssituation für Endometriose-Betroffene weiterhin unzureichend: Menschen warten meist jahrelang auf eine Diagnose, Unterstützungsangebote in Ausbildung und Beruf sind kaum vorhanden, der Zugang zu bestehenden Maßnahmen wird durch Unwissenheit und Vorurteile erschwert.

Der politische Handlungsbedarf, der sich aus der jahrzehntelangen Vernachlässigung ergibt, ist vielschichtig und komplex: Endometriose ist nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem und betrifft gleichermaßen verschiedene Politikbereiche (z. B. Bildung, Forschung, Arbeit, Soziales sowie Frauen und Familie).

Vor diesem Hintergrund liegt es auch in der Verantwortung der Bundesländer, Rahmenbedingungen zu schaffen, die zu einer Verbesserung der Versorgungssituation von Betroffenen führen. Ob durch die finanzielle Unterstützung von Endometriose-Forschung, die Erweiterung der Sexualkundelehrpläne oder die Einrichtung von Landesfachstellen für Endometriose – die Ansatzpunkte für Endometriose-Politik auf Landesebene sind vielfältig.

In den letzten Jahren gab es bereits Fortschritte beim Thema Endometriose auf Landesebene: In Hessen wurde Endometriose als Thema erstmals in einem Koalitionsvertrag verankert; [1] Nordrhein-Westfalen initiierte die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu den Themen Endometriose und Menstruation; [2] im Saarland wurde ein Antrag zur geschlechtersensiblen Medizin und strukturellen Verbesserung von Versorgung, Vergütung und Forschung zu Endometriose und frauenspezifischen Erkrankungen angenommen. [3] Dies sind nur drei Beispiele von vielen, die zeigen, wie Endometriose-Politik auf Landesebene aussehen kann.

Was steht konkret im neuen Papier zur Landespolitik?

Das Papier spricht neun zentrale Handlungsfelder an:

  • Entwicklung und Umsetzung einer landesweiten Endometriose-Strategie – für einen verbindlichen politischen Rahmen, um Versorgung, Aufklärung und Teilhabe von Menschen mit Endometriose systematisch zu verbessern.
  • Stärkung der medizinischen Versorgung – durch Berücksichtigung von Endometriose in der Krankenhausbedarfsplanung und den Aufbau landesweiter multimodaler Versorgungsnetzwerke.
  • Gezielte Förderung von Forschung – in Form von substanziellen und langfristigen Investitionen in Studien zu Krankheitsmechanismen, Diagnostik, Fertilitätsverläufen, Versorgungslücken und psychosozialen Belastungen sowie den Aufbau landesweiter Endometriose-Register.
  • Verankerung von Endometriose in Aus-, Fort- und Weiterbildung – im Medizin- und Pharmaziestudium, aber auch in Form von verpflichtenden Fortbildungen für medizinisches Fachpersonal und zuständige öffentliche Verwaltungen, insbesondere Versorgungsämter und Rententräger.
  • Ausbau der Gesundheitsbildung an Schulen – durch die Etablierung von Menstruationsgesundheit und Endometriose als feste Bestandteile von Lehrplänen, verstärkte Aufklärung an Schulen durch die Schulgesundheitspflege und Sensibilisierung des pädagogischen Fachpersonals.
  • Sensibilisierung der Arbeitswelt – durch die Positionierung von Landesbehörden als Endometriose-freundliche Arbeitgebende und eine umfassende Aufklärungskampagne zu Endometriose am Arbeitsplatz.
  • Aufklärung der breiten Öffentlichkeit – im Rahmen von landesweiten Kampagnen, durch den Ausbau von Fachstellen für Gesundheitsförderung und von digitalen Informationsangeboten sowie durch Aufklärung in den Programmen der Landesrundfunkanstalten.
  • Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur – durch die Anpassung öffentlicher Infrastruktur an die Bedürfnisse von Betroffenen, etwa durch die Einführung von landesweiten Mindeststandards und Förderlinien für barrierefreie Toiletten.
  • Zusammenarbeit von Ländern, Bund und Kommunen – im Rahmen einer ständigen Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu geschlechtersensibler Medizin und durch die Aufnahme des Themas als festen Tagesordnungspunkt in Fachkonferenzen.

Ihr findet das landespolitische Vorschlagspapier hier zum Download.

Wie könnt ihr selbst aktiv werden?

  • Sprecht mit Politiker*innen in eurem Wahlkreis über Endometriose und verteilt unser Vorschlagspapier.  
  • Bringt euch über Austauschformate (z. B. Bürger*innensprechstunden) in politische Diskussionen ein.
  • Wenn in eurem Bundesland Wahlen stattfinden, besucht Wahlkampfveranstaltungen, schreibt Kandidat*innen an und fragt gezielt nach dem Thema Endometriose, und geht wählen! 

Referenzen

  1.  Hessische Landesregierung (2023) Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD für die 21. Legislaturperiode 2024-2029. https://hessen.de/sites/hessen.hessen.de/files/2024-01/koalitionsvertrag_fuer_die_21._legislaturperiode.pdf, zuletzt geprüft am 19.12.2025.
  2. Landesregierung Nordrhein-Westfalen (2025) Endometriose und Menstruation – Symptome und Angebote zur Unterstützung. https://broschuerenservice.nrw.de/mags/shop/endometriose-und-menstruation%7C2345, zuletzt geprüft am 19.12.2025.
  3. Landtag des Saarlandes, 17. Wahlperiode (2025) Drucksache 17/1858 vom 06.11.2025: Antrag der SPD-Landtagsfraktion und der CDU-Landtagsfraktion betr.: Geschlechtersensible Medizin konsequent weiterdenken – Versorgung, Vergütung von Leistungen sowie Forschung zu Endometriose und frauenspezifischen Erkrankungen strukturell verbessern. https://www.landtag-saar.de/File.ashx?FileId=141047&FileName=Ag17_1858.pdf&directDL=false, zuletzt geprüft am 19.12.2025.