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Gastbeitrag: Kryoablation ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Endometriose-Herden in der Bauchdecke. Wir haben unsere Fragen dazu an Priv.-Doz. Dr. Dr. med. Andra-Iza Iuga, leitende Oberärztin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikum Köln, geschickt. Nachfolgend veröffentlichen wir ihre Antworten im Originalwortlaut.

1. Was genau versteht man unter Kryoablation und wie läuft die Behandlung ab?
Kryoablation bedeutet wörtlich „Vereisung“. Wir nutzen gezielte Kälte, um krankhaftes Gewebe zu zerstören, ohne es herausschneiden zu müssen. Dazu führe ich unter Bildkontrolle (meist mit Ultraschall und Computertomografie- CT) eine oder mehrere dünne, nadelartige Sonden durch die Haut direkt in den Endometrioseherd ein. Über diese Sonden wird der Herd stark heruntergekühlt, sodass sich um die Nadelspitze ein sichtbarer „Eisball“ bildet. Das Gewebe im Eisball stirbt ab und wird vom Körper anschließend über Wochen bis Monate von selbst abgebaut. An der Haut ist am Ende lediglich ein punktförmiger Schnitt zu sehen.
2. Wie kann die Behandlung bei Endometriose angewendet werden?
Wichtig zum Verständnis: Die Kryoablation ist kein Verfahren für „die Endometriose als Ganzes“, sondern eine örtliche, punktgenaue Behandlung einzelner, gut erreichbarer Herde. Am besten untersucht und am häufigsten eingesetzt wird sie bei der Bauchwandendometriose – wenn also Endometrioseherde in der Bauchdecke liegen, in der Muskulatur oder direkt unter der Haut. Solche Herde entstehen oft in oder neben einer Kaiserschnittnarbe.
Darüber hinaus kann die Kryoablation in ausgewählten Einzelfällen auch bei Herden an anderen, gut abgrenzbaren Stellen erwogen werden – zum Beispiel Herde am Bauchnabel, im Bereich der Leiste oder am Zwerchfell. Entscheidend ist immer, dass der Herd ein umschriebener, tastbarer bzw. bildgebend klar darstellbarer Knoten ist, den wir mit den Sonden sicher erreichen können, ohne benachbarte Organe zu gefährden.
3. Kann auch Adenomyose mit Kryoablation behandelt werden?
In aller Regel nein. Die Adenomyose – Endometriosegewebe innerhalb der Gebärmuttermuskulatur – ist ein eigenes Krankheitsbild und wird anders behandelt, zum Beispiel medikamentös (hormonell), durch eine Embolisation der Gebärmuttergefäße, fokussierten Ultraschall oder, wenn nötig, operativ. Die perkutane Kryoablation ist dafür kein Standardverfahren.
4. Welche Symptome der Endometriose können konkret verbessert werden?
Im Vordergrund steht der Schmerz. Eine Bauchwandendometriose macht sich typischerweise als schmerzhafter Knoten oder als ziehender, oft zyklusabhängiger Schmerz in der Bauchdecke bemerkbar – häufig verstärkt um die Menstruation herum, manchmal begleitet von einer tastbaren Schwellung. Genau dieser lokale Schmerz und die Knotengröße lassen sich mit der Kryoablation sehr wirksam behandeln.
Was die Kryoablation nicht leistet: Sie behandelt keine Beschwerden, die von Herden im kleinen Becken ausgehen – etwa tiefe Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Stuhlgang oder unerfüllten Kinderwunsch durch Endometriose im Becken. Diese Beschwerden brauchen andere Therapien.
5. Für wen eignet sich eine Behandlung mittels Kryoablation?
Gut geeignet ist die Kryoablation vor allem für Frauen mit einer schmerzhaften, in der Bildgebung gesicherten Bauchwandendometriose – häufig nach einem Kaiserschnitt. Besonders infrage kommt sie, wenn sich in einer Bildgebung (Ultraschall, CT oder MRT) ein umschriebener Endometrioseherd klar abgrenzen lässt und zugleich eine Operation vermieden werden soll. Auch wenn eine Hormontherapie nicht ausreichend wirkt, nicht vertragen oder nicht gewünscht wird, ist sie eine gute Option. Ebenso kann sie sinnvoll sein, wenn die Fruchtbarkeit erhalten und die empfängnisverhütende Wirkung mancher Hormone vermieden werden soll, wenn eine Operation aus gesundheitlichen Gründen nicht gut möglich ist oder wenn eine Frau schlicht eine minimalinvasive Alternative bevorzugt.
Voraussetzung ist immer, dass der Herd sicher erreichbar ist. Liegt er direkt an Darm, Blase oder großen Gefäßen, ist manchmal eine Operation die bessere Wahl. Das besprechen wir vorab gemeinsam.
6. Welche diagnostischen Verfahren sind vor einer Kryoablation erforderlich?
An erster Stelle steht das ärztliche Gespräch. Zur genauen Planung nutzen wir Bildgebung: Ultraschall und vor allem die MRT eignen sich sehr gut, um die Lage, Größe und Ausdehnung des Herdes darzustellen und seine Beziehung zu den Nachbarorganen zu beurteilen. So planen wir auch den sichersten Zugangsweg für die Sonden. Gelegentlich wird zur Sicherung der Diagnose vorab eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen. Ziel dieser Abklärung ist es, die Behandlung optimal auf Ihren individuellen Befund zuzuschneiden.
7. Gibt es Kontraindikationen (z. B. Begleiterkrankungen)?
Ja, einige Situationen sprechen gegen die Behandlung oder erfordern besondere Vorsicht. Dazu gehören Herde, die sich nicht sicher erreichen lassen, ohne Darm, Blase, Nerven oder große Gefäße zu gefährden, außerdem eine bestehende Schwangerschaft und eine aktive Infektion im Körper sind auch Kontraindikationen. Auch ausgeprägte Blutgerinnungsstörungen oder eine blutverdünnende Medikation können dagegensprechen, Letztere muss vor dem Eingriff zunächst angepasst werden. Ob die Kryoablation im Einzelfall sicher und geeignet ist, prüfen wir immer individuell.
8. Gibt es Einschränkungen bezüglich des Alters von Patient*innen?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht.
Die Bauchwandendometriose betrifft überwiegend Frauen im gebärfähigen Alter, häufig um die Mitte 30 – also meist aktive, junge Frauen. Ein Vorteil des schonenden Vorgehens: nach dem Eingriff sind die meisten Frauen recht schnell wieder aktiv. Da die Bauchdecke nicht durchtrennt wird, bleibt die Muskulatur in einem guten Zustand – in den meisten Fällen kommt es zu keiner Muskelschwäche, und einer baldigen Rückkehr zu Alltag und Sport steht in der Regel nichts im Weg.
9. Wie stark ist der Nutzen der Kryoablation, wenn gleichzeitig Endometrioseherde an nicht erreichbaren Stellen vorhanden sind und deshalb nicht mitbehandelt werden können?
Auch hier ist Ehrlichkeit wichtig: Die Kryoablation wirkt nur dort, wo wir vereisen. Sie ist eine örtliche Behandlung. Wenn zusätzlich Herde bestehen, die wir nicht sicher erreichen können – etwa tief im kleinen Becken –, dann bleiben diese durch die Kryoablation unbehandelt und können weiterhin Beschwerden verursachen.
Für viele Frauen ist der Bauchwandschmerz aber ein sehr klar abgrenzbarer, besonders belastender Teil ihrer Beschwerden. Diesen Teil können wir gezielt und wirksam angehen, während die übrige Erkrankung parallel mit anderen Mitteln (z. B. hormonell, operativ, mit multimodaler Schmerztherapie) behandelt wird. Der realistische Anspruch lautet also: spürbare Entlastung an der behandelten Stelle – nicht die Heilung der gesamten Endometriose.
10. Welche Risiken und Nebenwirkungen kann die Behandlung haben?
Insgesamt ist die Kryoablation ein sehr sicheres Verfahren. Leichtere Nebenwirkungen treten bei etwa 3,5 bis 11 % der Behandlungen auf: vorübergehende Schwellung, ein Taubheits- oder verändertes Hautgefühl im Behandlungsgebiet, ein Bluterguss oder eine vorübergehende Entzündungsreaktion mit etwas Druckgefühl. Diese Beschwerden klingen in der Regel von selbst wieder ab und lassen sich gut mit entzündungshemmenden Medikamenten lindern.
Schwerere Komplikationen sind selten (unter 2 %). Beschrieben wurden zum Beispiel eine oberflächliche Erfrierung bzw. Hautverletzung oder – sehr selten – eine Verletzung eines benachbarten Organs. Genau das ständige Sehen des Eisballs in der Bildgebung hilft uns, solche Risiken gering zu halten.
11. Welche Vor- und Nachteile gibt es gegenüber einer Bauchspiegelung (Operation)?
Der größte Vorteil der Kryoablation ist für mich, dass kein operativer Schnitt nötig ist – es entsteht also keine neue Narbe in der Bauchdecke, was auch kosmetisch ein schönes Ergebnis gibt. Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: wenn der Herd im Muskel liegt, muss bei einer Operation gelegentlich Muskelgewebe mitentfernt und die Bauchdecke anschließend mit einem Kunststoffnetz stabilisiert werden. Bei der Kryoablation entfällt das. Je nach Fall brauchen wir außerdem keine Vollnarkose – oft genügt eine Sedierung, also ein leichter „Dämmerschlaf“: die Patientin ist entspannt und bekommt vom Eingriff kaum etwas mit, atmet aber selbstständig weiter. Und schließlich erholen sich die meisten Frauen schneller und bleiben nur kurz in der Klinik (meistens eine Nacht zur Überwachung).
Es gibt aber auch klare Grenzen, die ich immer offen anspreche. Die Kryoablation wirkt nur örtlich – die Bauchspiegelung bleibt der „Goldstandard“, um Endometriose im kleinen Becken zu erkennen und gleich mitzubehandeln. Anders als bei der Operation wird der Herd nicht sofort entfernt, sondern nach und nach vom Körper abgebaut; er schrumpft über Wochen bis Monate. Zusätzlich muss man sagen: die Datenlage ist noch begrenzter als zur Operation, einfach weil die Methode noch nicht so lange angewendet wird.
12. Welche Vor- und Nachteile gibt es gegenüber einer hormonellen Behandlung?
Die Kryoablation ist ein gezielter, meist einmaliger Eingriff ist – statt einer dauerhaften, täglichen Medikamenteneinnahme. Sie hat keine der systemischen Hormonnebenwirkungen, die viele Frauen belasten, also zum Beispiel keine Zwischenblutungen, keine Stimmungsschwankungen und keine empfängnisverhütende Wirkung – damit eignet sie sich auch bei Kinderwunsch. Und sie setzt direkt am Knoten an, was gerade deshalb wichtig ist, weil Bauchwandknoten auf Hormone zum Teil nur eingeschränkt ansprechen.
Ich spreche aber auch hier die andere Seite offen an. Es handelt sich um einen Eingriff, nicht um eine Tablette, und die Wirkung ist örtlich begrenzt. Hormone wirken dagegen auf die gesamte Endometriose einschließlich der Herde im Becken, sie sind nicht-invasiv, gut umkehrbar, breit verfügbar und wissenschaftlich sehr gut untersucht. Für viele Frauen bleibt die Hormontherapie deshalb weiterhin eine sinnvolle Basis- oder Erstlinienbehandlung.
13. Muss eine hormonelle Therapie für die Behandlung unterbrochen werden?
Eine laufende Hormontherapie muss für die Kryoablation meist nicht abgesetzt werden. Das entscheiden wir jedoch immer individuell und in Absprache mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten, abhängig von der Gesamtsituation.
14. Welche Kosten entstehen für Patient*innen?
Bei medizinischer Indikation wird die Kryoablation der Bauchwandendometriose zum aktuellen Zeitpunkt von den meisten Krankenkassen übernommen. Für Betroffene entstehen in der Regel keine gesonderten Kosten für den Eingriff selbst.
15. Wie finden Betroffene heraus, in welchen Einrichtungen Kryoablation für Endometriose angeboten wird?
Die Kryoablation wird von der interventionellen Radiologie durchgeführt. Aktuell gibt es jedoch in Deutschland nur wenige spezialisierte Zentren, die dieses Verfahren anbieten. Unser Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik Köln gehört zu den Einrichtungen mit besonderer Erfahrung auf diesem Gebiet und steht Betroffenen gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns unter radiologie-sekretariat@uk-koeln.de – wir beraten Sie und klären gemeinsam, ob eine Kryoablation in Ihrem Fall infrage kommt.
16. Wie sieht die Studienlage zur Behandlung von Endometriose mittels Kryoablation aus? Gibt es randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien, Reviews oder Metaanalysen?
Die bisherigen Daten sind durchweg ermutigend, aber vom Evidenzniveau her begrenzt. Es gibt inzwischen mehrere Beobachtungsstudien (Fallserien) und eine systematische Literaturübersicht aus dem Jahr 2024, die acht Studien zusammenfasst. Über diese Studien hinweg zeigte sich eine deutliche und anhaltende Schmerzlinderung – die vollständige örtliche Schmerzfreiheit lag je nach Studie bei etwa 80 bis 100 %, und ein großer Teil der Frauen blieb auch längerfristig beschwerdefrei – bei zugleich niedriger Komplikationsrate.
Was jedoch fehlt, sind randomisierte, kontrollierte (und erst recht doppelblinde) Studien sowie eine statistische Metaanalyse. Die vorliegenden Untersuchungen sind überwiegend rückblickend, kleiner und aus einzelnen Zentren, was das Ergebnis beeinflussen kann. Eine prospektive kontrollierte Studie (CRYOENDOMET) läuft. Solide, vergleichende Langzeitdaten müssen also erst noch entstehen – daran wird gearbeitet.
17. Warum wird die Kryoablation in der Leitlinie zur Behandlung von Endometriose nicht empfohlen?
Leitlinien – etwa die deutsche S2k-Leitlinie zur Endometriose, die im Juni 2025 aktualisiert wurde – geben Empfehlungen auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und eines Fachkonsenses. Damit ein Verfahren ausdrücklich empfohlen wird, braucht es in der Regel ausreichend belastbare, idealerweise kontrollierte Studien. Genau die fehlen für die Kryoablation der Bauchwandendometriose bislang: Es liegen nur rückblickende Fallserien und noch keine randomisierten Studien vor. Hinzu kommt, dass die Bauchwandendometriose eine seltene, außerhalb des Beckens gelegene Sonderform ist, während sich die Leitlinie vor allem mit der häufigen Endometriose im kleinen Becken befasst.
Wichtig ist die richtige Lesart: „Nicht empfohlen“ heißt hier nicht „unwirksam“ oder „unsicher“, sondern „noch nicht ausreichend durch hochwertige Studien belegt, um formal empfohlen zu werden“. Für ausgewählte Patientinnen mit Bauchwandendometriose kann die Kryoablation in spezialisierten Zentren dennoch eine sinnvolle, individuell besprochene Option sein.
18. Gibt es noch etwas, das Sie Betroffenen zum Thema Kryoablation mitteilen möchten?
Mir ist vor allem wichtig, dass diese Methode überhaupt bekannter wird. In Deutschland wird die Kryoablation bei Bauchwandendometriose bislang nur selten angewendet, während sie in anderen Ländern – etwa in Frankreich – inzwischen deutlich häufiger zum Einsatz kommt. Dabei hilft schon das Wissen, dass es diese Option gibt: nur was man kennt, kann man einer betroffenen Patientin auch gezielt anbieten.
Ebenso wichtig ist mir ein realistisches Bild. Die Kryoablation ist ein sehr schonendes Verfahren, das vielen Frauen mit einem schmerzhaften Endometrioseknoten in der Bauchdecke – gerade nach einem Kaiserschnitt – deutlich hilft. Man muss aber wissen, dass sie gezielt diese eine Stelle behandelt. Die Entscheidung sollte deshalb immer gemeinsam mit einem erfahrenen Team aus interventioneller Radiologie und Gynäkologie fallen, das die gesamte Situation der Patientin im Blick hat.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Ob eine Kryoablation für Sie infrage kommt, klären Sie bitte persönlich mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Quellen (Auswahl)
- Bodard S, Razakamanantsoa L, Cornelis FH et al. Percutaneous cryoablation of abdominal wall endometriosis: a systematic literature review of safety and efficacy. Insights into Imaging 2024;15:282.
- Cazzato RL, Shaygi B, Bertolotti L et al. Percutaneous Image-Guided Cryoablation of Endometriosis Scars in Unusual Anatomic Locations. Cardiovasc Intervent Radiol 2025;48:543–550.
- Jouffrieau C, Cazzato RL, Gabriele V et al. Percutaneous imaging-guided cryoablation of endometriosis scars of the anterior abdominal wall. J Minim Invasive Gynecol 2023;30:890–896.
- Marcelin C, Maas P, Jambon E et al. Long-term outcomes after percutaneous cryoablation of abdominal wall endometriosis. Eur Radiol 2024;34:6407–6415.
- Maillot J, Brun JL, Dubuisson V et al. Mid-term outcomes after percutaneous cryoablation of symptomatic abdominal wall endometriosis: comparison with surgery alone. Eur Radiol 2017;27:4298–4306.
