Logo_EVD_quer

Der Anfang: Augsburg 1995

Du bist von Endometriose betroffen und aktuell oder in der Vergangenheit in Kinderwunschbehandlung? Unterstütze und bei unserer anonymen Umfrage zu Erfahrungen mit Endometriose und Kinderwunsch. Mehr Informationen findest du am Ende dieses Beitrags.

Vom 8. bis 10. September 1995 – also vor mittlerweile 30 Jahren – fand in Augsburg der erste ganzheitsmedizinische Endometriose-Kongress statt. Organisiert wurde er von Petra Mück, einer Endometriose-Betroffenen, die damit Pionierarbeit leistete. Ihr Engagement machten dieses Treffen möglich – und das in einer Zeit, in der es noch keine modernen Kommunikationsmittel wie Internet, E-Mail oder soziale Medien gab. Der gesamte Austausch, die Einladungen und die Organisation mussten auf klassischem Wege erfolgen, was die Leistung umso bemerkenswerter macht.

Über 100 Endometriose-Betroffene aus Deutschland und der Schweiz kamen in Augsburg zusammen. Für viele war es ein bewegendes Erlebnis: zum ersten Mal andere zu treffen, die dieselbe Krankheit kannten, Erfahrungen auszutauschen – und zu erfahren, dass es in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien bereits etablierte Selbsthilfeorganisationen und -gruppen gab.

Das Programm in Augsburg verband wissenschaftliche Vorträge, persönliche Erfahrungsberichte und Workshops. Sie zeigten bereits vor 30 Jahren das umfassende Spektrum, dass mit einer Endometriose-Erkrankung einher gehen kann.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden vielfältige Perspektiven auf das Thema Endometriose vorgestellt. Prof. Werner Schweppe aus Westerstede gab zunächst einen Überblick über Symptome, Pathogenese und Klassifikation der Erkrankung. Daran anschließend beleuchtete Prof. Liselotte Mettler aus Kiel die Problematik und die möglichen Perspektiven der Hormontherapie. Einen Schwerpunkt auf die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten legte Prof. Jörn Keckstein aus München. Mit der Frage, ob Umweltbelastungen eine Rolle bei der Entstehung von Endometriose spielen, beschäftigte sich Dr. Sillem aus Heidelberg. Ergänzend stellte Dr. Barbara Ehret-Wagner aus Bad Salzuflen die Sichtweise der gynäkologischen Rehabilitation dar. Einen besonders persönlichen Einblick gab Frau Krieger aus Horneburg, die ihre eigene Geschichte unter dem Titel „Endometriose – (m)ein Schicksal“ schilderte. Praktisch orientiert ging es im Vortrag von Frau Hummel aus München weiter, die darlegte, welches Wissen für Betroffene entscheidend ist, um möglichst gut mit Endometriose leben zu können und eine optimale Behandlung zu erhalten. Prof. Zahn aus Straubing führte in die Diskussion die Sichtweise von Endometriose als chronischer Umwelterkrankung ein. Einen internationalen Akzent setzte Prof. Gui-Jun Diao aus Shanghai, der die Therapie mit Hilfe der Traditionellen Chinesischen Medizin vorstellte. Abgerundet wurde das Programm durch einen Bericht über die Arbeit der British Endometriosis Society, die wichtige Einblicke in die internationale Zusammenarbeit und Versorgungspraxis gab.

Zahlreiche Fragen und lebhafte Diskussionen zeigten, wie groß das Bedürfnis nach Wissen und Austausch war.

Am Ende verabschiedeten alle Teilnehmerinnen gemeinsam ein erstes Thesenpapier. Es enthielt Forderungen an Krankenkassen, Forschung und Ärzteschaft – insbesondere an die behandelnden Gynäkologinnen und Gynäkologen –, sich mit Endometriose als ganzheitlicher Erkrankung auseinanderzusetzen und Betroffene ernst zu nehmen.

Der Augsburger Kongress von 1995 markierte einen Meilenstein für Endometriose-Betroffene in Deutschland. Zum ersten Mal gab es ein bundesweites Forum für Austausch, Aufklärung und gemeinsames Handeln. Die dort gefassten Beschlüsse führten unmittelbar zur Gründung der Endometriose-Vereinigung Deutschland im folgenden Jahr.

Für die heutige Arbeit unserer Vereinigung war der Kongress die Initialzündung: Er legte den Grundstein für die gegenseitige Unterstützung in der Beratung, durch Information und in den Selbsthilfegruppen, für mehr Sichtbarkeit der Erkrankung in der Öffentlichkeit sowie für die Vertretung unserer Interessen und Anliegen gegenüber Institutionen und Politik. Für Betroffene markierte er den Beginn einer starken Gemeinschaft, die bis heute trägt.

Wir möchten diesen wichtigen Moment unserer Geschichte bewahren. Falls Du 1995 in Augsburg dabei warst, freuen wir uns sehr über Fotos, persönliche Erinnerungen oder Erfahrungsberichte, die Du mit uns teilen möchtest.

Bitte sende diese an: info@endometriose-vereinigung.de