Therapien

Therapien und Behandlungsmöglichkeiten

Vor dem Beginn einer Therapie sollte immer in einem ausführlichen Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt das Ziel der Therapie geklärt werden. Was soll erreicht werden und welche Ziele sind für die Patientin vorrangig? Für viele Frauen steht die Erreichung von Schmerzfreiheit oder die Erfüllung des Kinderwunsches im Vordergrund. Daraus muss sich ein auf den individuellen Fall zugeschnittenes und differenziertes Behandlungskonzept ergeben. Bei der meist langjährigen Behandlung muss bedacht werden, dass sowohl Körper als auch Psyche betroffen sein können.

Die Patientinnen sind häufig einem enormen Leidensdruck ausgesetzt, so dass die Behandlung durch die Frauenärztin/ den Frauenarzt in vielen Fällen nicht ausreicht. Sinnvoll ist oft die Zusammenarbeit eines Teams aus den Bereichen der Schmerztherapie, Psychosomatik und ganzheitlicher Medizin, um mit der Patientin den für sie besten Weg im Umgang mit der Erkrankung zu finden.

Auch wenn Betroffene sich das gelegentlich erhoffen, sprechen wir keine Therapieempfehlungen aus, auch nicht in Bezug auf komplementäre Heilungsmethoden. Für jede Frau sind unterschiedliche Kriterien wichtig sind. Die Vision der Endometriose-Vereinigung Deutschland ist, die Betroffenen in ihrer Motivation zu stärken, Verantwortung für die eigene Krankheit/ Gesundheit zu übernehmen und mit Hilfe des eigenen Beschwerdebildes zu erforschen, welchen Weg sie als nächstes einschlagen möchte. Die verbreitetsten Behandlungsansätze stellen wir Ihnen hier vor. Wir wollen Sie über Ihre Optionen informieren, allerdings ersetzt unsere Seite keinen Arztbesuch.

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose
Die Leitlinie beschreibt die ärztliche Vorgehensweise und die aktuellen Standards in der Diagnostik und Behandlung der Endometriose aufgrund evidenzbasierter Ergebnisse.

Wir haben die wichtigsten Punkt der Leitlinie zusammengefasst:

Operativ

Operative Therapie

Die diagnostische Laparoskopie (Bauchspiegelung) ist gleichzeitig der erste Schritt einer chirurgischen Therapie. Bei der Operation können die Herde durch Koagulation (Verdampfung, Verkochung) mit Hochfrequenzstrom, Hitze oder Laser zerstört oder durch Schnitt entfernt werden. Das gesunde Gewebe der befallenen Organe muss geschont werden. Die Entfernung ganzer Organe wie z.B. Eierstock / Gebärmutter ist im Allgemeinen nicht notwendig. Bei großflächigen Endometrioseherden, massiven Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstigen Stellen kann auch ein Bauchschnitt (Laparotomie) erforderlich sein.
Es ist wichtig von einer erfahrenen Operateurin/ einem erfahrenen Operateur behandelt zu werden, der sorgfältig den ganzen Bauchraum nach Endometrioseherden absucht, diese erkennt und mit geeigneter Technik entfernt.

Hier finden Sie eine detaillierte Beschreibung der Bauchspiegelung von einer Endometriose-Betroffenen.

Gerade nach der Operation muss auch die weitere Therapie auf die Wünsche und Bedürfnisse der Patientin zugeschnitten sein.

Schmerztherapie

Medikamentöse Schmerztherapie

Durch die Gabe von Schmerzmedikamenten wird der durch die Endometriose verursachte Schmerz behandelt. Diese Medikamente haben keinen Einfluss auf den Verlauf der eigentlichen Erkrankung. Man spricht daher von einer "Symptomatischen Therapie". Zum Überbrücken einer Notsituation ist die Einnahme von Schmerzmitteln sicherlich hilfreich. Häufig eingesetzt werden bei Endometriose Ibuprofen, Naproxen oder Tramaldol (rezeptpflichtig). Eine Dauerlösung ist dies aber keinesfalls, denn sie schädigt langfristig auch die ausscheidenden Organe Leber und Nieren.
Die längere und regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann zu einem Teufelskreislauf führen, der dann nur mit größerem Aufwand zu durchbrechen ist. Im Durchschnitt liegt die bei chronischen Schmerzzuständen durch Schmerzmittel erreichbare Schmerzverminderung nur bei 10–15%. Von einer Wirkung eines Schmerzmittels wird aber erst ausgegangen, wenn die Schmerzverminderung mindestens 30% beträgt. Das heißt also, dass bei chronischen Schmerzen Schmerzmittel nach einiger Zeit gar nicht mehr wirken.

In vielen größeren Kliniken gibt es inzwischen Schmerzambulanzen, an die Sie Ihre Ärztin/Ihr Arzt überweisen kann. An den meisten arbeiten interdisziplinäre Teams, bestehend aus Schmerztherapeut/innen, Psychotherapeut/innen, Physiotherapeut/innen und zum Teil in komplementären Methoden wie Akupunktur ausgebildete Fachkräfte, die gemeinsam mit Ihnen Konzepte für eine bestmögliche Schmerzreduktion erarbeiten.

Zur Schmerztherapie zählt auch die Neuraltherapie, bei der eine therapeutische Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) durchgeführt wird. Die entspannende, entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und Blockierungen aufhebende Wirkung kann körperliche Heilungsprozesse in Gang setzen und wird deshalb insbesondere bei chronischen Schmerzen eingesetzt.

Hormone

Hormontherapien

Die Gabe von Hormonen zielt auf diejenigen Endometrioseherde ab, die hormonell ansprechen und ebenso wie die Endometriumszellen der Gebärmutter im monatlichen Zyklus unter der Einwirkung von Östrogenen eine Schleimhaut aufbauen. Die erwünschte Wirkung ist hier die Verhinderung des Schleimhautaufbaus, damit die Schleimhaut am Ende des Zyklus auch nicht abgeblutet werden muss. Es geht also darum, die Aktivität der Endometrioseherde lahmzulegen. Da man mit einer generellen Hormoneinnahme nicht nur gezielt die verstreuten Endometriosezellen erreicht, sondern auch die Schleimhaut der Gebärmutter, versiegt dann auch die Menstruation.
Alle hier aufgeführten Hormonpräparate greifen tiefgehend in die Eizellenreifung und die Schwangerschaftsentstehung ein. Wer ungewollt kinderlos ist, sollte wissen, dass die Einnahme synthetischer Hormone den natürlichen Hormonhaushalt tiefgreifend durcheinander bringt und sowohl dem Entstehen als auch dem Erhalten einer Schwangerschaft entgegenstehen. 

Das Thema Hormone ist und bleibt ein viel diskutiertes unter Endometriose-Betroffenen, besonders nachdem in den letzten Jahren auch von ärztlicher Seite vermehrt auf das Thromboserisiko hingewiesen wird. Unser Beratungsteam hat dazu 2016 Informationen zusammengetragen.

Gestagene

Gestagene

Häufig wird die Einnahme einer „Pille“ oder von „Visanne®“ angeraten, die ausschließlich Gestagene enthalten. Eine andere Möglichkeit ist das Einsetzen einer Spirale, über die Gestagene abgesetzt werden. Durch die Einnahme von Gestagenen (synthetisch hergestelltes Progesteron) wird dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Daraufhin blockiert er die Produktion von Östrogenen (weiblichen Geschlechtshormonen). So wird nach einiger Zeit keine Schleimhaut mehr aufgebaut.
Gestagene haben vielfältige Nebenwirkungen, die nicht auftreten müssen, aber in bestimmten Prozentsätzen auftreten. Zu den schweren Störwirkungen gehören Depressionen und Zysten an den Eierstöcken. Beschrieben sind auch Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Haarausfall, Akne,Thrombophlebitis (Blutgerinnsel im Venensystem), Hitzewallungen und andere.

Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass unerwünschte Nebenwirkungen, wie z. B. Thrombose, mit der Einnahme verbunden sein können. Auch wenn Ihre Gynäkologin/ Ihr Gynäkologe Ihnen die Einnahme von Medikamenten empfehlen, haben Sie selbst die Verantwortung dafür.

GnRH Analoga

GnRH Analoga

Eine andere Art der Hormontherapie sind GnRH Analoga. Die Bildung von Östrogen und Progesteron (natürliches, vom Körper gebildetes Gelbkörperhormon) im Eierstock wird durch übergeordnete Hormone reguliert. Eines davon ist das natürliche GnRH (Gonadotropin- releasing Hormon). Durch die Einnahme eines synthetisch hergestellten, unwirksamen GnRHs (GnRH-Analogon) wird die Produktion des körpereigenen, wirksamen GnRHs eingestellt. Das dann überwiegend vorhandene GnRH-Analogon ist dann unwirksam in Bezug auf die Östrogenproduktion in den Eierstöcken. Wegen des fehlenden Östrogens wird keine monatliche Schleimhaut mehr aufgebaut und nachfolgend gibt es auch keine Menstruation mehr. Es entsteht durch das fehlende Östrogen im Körper eine Situation wie in den Wechseljahren mit allen bekannten Begleiterscheinungen der Wechseljahre, wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Knochensubstanzverlust (Osteoporose).

Vor allem wegen der bei längerer Einnahme immer auftretenden Osteoporose wird die Einnahme auf sechs Monate begrenzt. Zusätzlich wird eine sogenannte Add-back-Behandlung z. B. in Form eines niedrig dosierten Östrogens, gegeben. Bei ca. 80% der Frauen treten nach Beendigung der GnRH-Analogon-Therapie die Endometriose-assoziierten Beschwerden irgendwann wieder auf. Aufgrund dessen und der erheblichen Nebenwirkungen sollte die Anwendung von GnRH-Analoga gründlich abgewogen werden.

Komplementärmedizin

Komplementäre Behandlungen

Was kann ich (noch) tun?

Neben den schulmedizinischen Behandlungsmethoden sind auch andere Behandlungswege, denkbar. Gerade bei einer chronischen Krankheit fragen viele, was kann ich tun, und, wie kann ich meinen Alltag mit der Krankheit positiv beeinflussen? Zum Beispiel kann durch eine sinnvolle Umstellung der Ernährung die Erkrankung positiv beeinflusst werden. Auch die Reduktion von Stress und moderate Bewegung kann Ihre Endometriosesymptome zum Positiven beeinflussen.

Bei den sogenannten alternativen Heilmethoden stehen die Ziele im Vordergrund, die Symptome zu reduzieren, die Schmerzen zu verringern und das Wohlbefinden physisch und psychisch wieder herzustellen oder zu stärken. Es gibt bereits positive Erfahrungen mit Akupunktur, Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), Homöopathie, Osteopathie und der Pflanzenheilkunde. Folgend stellen wir Ihnen einige Informationen zusammen, die Betroffenen bereits geholfen haben. Unter der Überschrift "Zum Weiterlesen" finden Sie viele Erfahrungsberichte und Literaturhinweise zu komplementären Behandlungen.

Ernährung

Ernährung ist für Endometriose-Patientinnen, wie auch generell in der Gesellschaft, ein viel diskutiertes Thema. Vielen hilft es, als Baustein einer ganzheitlichen Therapie, auch ihre Ernährungsgewohnheiten genauer anzusehen und gegebenenfalls umzustellen. Leider leiden viele Patientinnen unter Verdauungsproblemen oder Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten, da sich Endometriose auch auf das Immunsystem auswirken kann. Bei Verdacht darauf ist es ratsam, mit einer Ärztin/einem Arzt, z.B. einer Allergologin, zu sprechen.

Die Ernährungstipps bei Endometriose sind so vielfältig wie die Patientinnen und teilweise widersprüchlich. Manchen Patientinnen hat vegane Ernährung geholfen, anderen glutenfreie Kost, wieder anderen hilft low-carb mit Fleisch. Leider gibt es auch beim Thema Ernährung nicht den einen, richtigen Weg und jede Betroffene kann nur selbst herausfinden, was ihr gut tut. Generell ist ein hoher Anteil aus frischen, natürlichen und unverarbeiteten Lebensmitteln ratsam. Je weniger Zusatzstoffe, desto besser. Eine Heilung wird durch die Ernährung nicht erreicht, doch zum Wohlbefinden trägt sie sicherlich bei.

Bewegung

Das natürliche Bedürfnis des Körpers ist Bewegung. Dazu hat er Muskeln, die immer leistungsfähiger werden, je mehr sie bewegt werden. Außerdem atmen wir so, wie der Körper es braucht, wenn wir uns eine Weile bewegen.

Eine rein sitzende Lebensweise steht einem gesunden Leben entgegen. Bewiesen ist, dass mäßiger Ausdauersport das Immunsystem und den Blutdruck positiv beeinflusst. In der Bewegung lassen wir los, von dem, was wir meinen zu müssen und werden frei für neue Gedanken. Unser Glückshormonspiegel steigt. Das Hungergefühl reguliert sich positiv usw. Für Frauen mit Endometriose ist regelmäßige, körperliche Bewegung zusätzlich wichtig, weil sie die Schmerzgrenze nach oben verschiebt und so auf ganz natürliche Weise hilft, mit den Schmerzen umzugehen bzw. weniger Schmerzen zu haben. Wir empfehlen gerne aus unserer Erfahrung Wandern, Radfahren, Walking, Schwimmen und Tanzen oder einfach einen Spaziergang in der Natur. Wichtig ist, dass Sie für sich die Sportart finden, die Ihnen am meisten Freude macht.

Stressabbau und Entspannung

Der Alltag mit einer chronischen Krankheit ist stressig. Wie mit dem Stress und den Schmerzen umgegangen werden kann, auch dafür gibt es keine goldene Regel. Ein Angebot zur Ruhe zu kommen und den Körper zu entspannen ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, auch Progessive Muskelrelaxation (PMR) genannt. Dabei werden bewusst nach und nach verschieden Muskeln angespannt und wieder gelockert, von den Händen geht es zum Nacken über den Rücken bis zu den Füßen. Der gewünschte Effekt ist ein Gefühl tiefer Entspannung und die Lösung von Dauerspannungen. In mehreren Studien wurde der positive Effekt von PMR, sowohl in Bezug auf Symptome als auch auf generelle Befindlichkeit, bereits festgestellt. Medizinisch anerkannt ist diese Methode zum Beispiel bei chronischen Schmerzsyndromen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Viele Krankenkassen bieten Kurse zum Erlernen der Muskelentspannung an und es gibt Bücher und CDs. Im Internet kann man ganz leicht angeleitete Übungen finden und ausprobieren, ob dieser Weg zur eigenen Entspannung beiträgt. Viele Endometriose-Patientinnen praktizieren auch Yoga zum Stressabbau und für die Beweglichkeit.

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)

In der Phytotherapie verwendet man Heilkräuter, die bei bestimmten Symptomen und Krankheiten lindern sollen. Pflanzen helfen, den Körper zu reinigen, die Nahrungsaufnahme und die Verdauung zu unterstützen, den Stoffwechsel anzuregen, die Beruhigung und Entspannung zu fördern sowie die Abwehrkräfte zu stärken. Zum Beispiel gilt Ingwer als entzündungshemmend und wärmend, deshalb empfehlen viele Betroffene Tee aus frischem Ingwer zu trinken.

Die Phytotherapie ist ein preisgünstiges Verfahren, mit dem jede Frau selbst ihren Heilungsweg unterstützen kann. Informationen zu Teerezepturen finden Sie in Patientinnenliteratur, im Internet, in Ihrer Apotheke oder auch bei Heilpraktiker/innen, die sich auf Pflanzen spezialisiert haben.

Traditionelle chinesische Medizin (TCM)

TCM als jahrtausendealte Erfahrungsmedizin basiert auf der Vorstellung, dass Gesundheit dann erreicht ist, wenn die im Körper vorhandene Lebensenergie Qi frei und ausbalanciert fließen kann. Akupunktur, chinesische Kräuter, Ernährungsberatung, Bewegung, Lebensführung und verschiedene Massagetechniken sind Bestandteile der Behandlung.

Das Qi fließt nach der chinesischen Denkweise über Energiebahnen (Meridiane) durch den Körper. Ist der Energiefluss geschwächt oder behindert, können Schmerzen, Unwohlsein und Krankheiten entstehen. Zur speziellen Diagnostik der TCM gehört eine ausführliche Befragung zu den Symptomen sowie zu seelischem und körperlichem Befinden und eine Untersuchung. Daraus ergibt sich für jede Patientin – auch bei Endometriose – ein unterschiedliches Behandlungskonzept. Bei Endometriose liegt der Schwerpunkt der TCM bei Kräutermedizin, Lebensführung, speziellen Körperübungen, z. B. Qi Gong, und einer auf die Störung bezogenen ausgewählten Ernährung.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere zu Erfahrungen mit Ernährungsumstellungen und naturheilkundlichen Therapien finden Sie in der Rubrik Zum Weiterlesen weitere Informationen.

 

Überarbeitet und aktualisiert: 2018

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