Therapien und Behandlungsmöglichkeiten

Ausschlaggebend für eine Behandlung ist das Ausmaß der Beschwerden und die Einschränkungen durch die Endometriose. In jedem Fall ist die Wahl des für Sie passenden Arztes bzw. der passenden Ärztin ein wichtiger Aspekt bei der der Behandlung.
Die Suche nach der geeigneten ärztlichen Fachperson gleicht für sehr viele Endometriosepatient*innen einer frustrierenden Odyssee. Welche Ärztin oder welcher Arzt passend ist, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Beschwerdebild, den eigenen Behandlungsvorstellungen, der Persönlichkeit beider Beteiligter und vielem mehr. Wir können
Ihnen die Suche nicht abnehmen, aber wir können Ihnen dabei helfen, eigene Kriterien zu entwickeln. Noch ausführlicher wird dieses Thema in unserem Flyer „Endometriose. Wie führe ich ein gutes Gespräch mit meinem Arzt, meiner Ärztin?“ thematisiert. Es gibt verschiedene Therapien und Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose. Vor Beginn einer Therapie sollte in einem ausführlichen Arztgespräch das Ziel der Maßnahmen geklärt werden:
Was soll erreicht werden und welche Ziele sind für Sie vorrangig? Für viele Betroffene steht die Erreichung von Schmerzfreiheit oder die Erfüllung des Kinderwunsches im Vordergrund. Daraus ergibt sich ein auf den individuellen Fall zugeschnittenes und differenziertes Behandlungskonzept.

Eine rein gynäkologische Behandlung reicht in vielen Fällen nicht aus.
Zumeist werden in die Behandlung weitere medizinische Fachrichtungen einbezogen, wie Chirurgie, Pathologie, Urologie, Radiologie, Reproduktionsmedizin. Sinnvoll ist oft auch die Einbeziehung weiterer Bereiche, wie Schmerztherapie, Physiotherapie, Ernährungsberatung und Psychosomatik/Psychotherapie. Und ebenso sollten Angebote aus
dem Bereich der komplementären Therapie berücksichtigt werden, wie Neuraltherapie,Osteopathie, Reflexzonentherapie, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Hypnotherapie, Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, Yoga, Entspannung und weitere komplementäre Therapieangebote.

Auch wenn Betroffene sich das erhoffen, sprechen wir als Endometriose-Vereinigung Deutschland keine Therapieempfehlungen aus, auch nicht in Bezug auf komplementäre Methoden. Für jede betroffene Person sind unterschiedliche Kriterien wichtig und ausschlaggebend. Jede*r Patient*in muss den individuell für sie/ihn besten Weg im
Umgang mit der Erkrankung finden. Unsere Vision ist, Ihre Motivation zu stärken, Verantwortung für Ihre eigene Krankheit bzw. Gesundheit zu übernehmen und mit Hilfe des eigenen Beschwerdebildes zu erforschen, welchen Weg Sie einschlagen. Unsere Berater*innen unterstützen Sie dabei gern.

Die verbreitetsten Behandlungsansätze stellen wir Ihnen hier vor. Wir wollen Sie über Ihre Optionen informieren, allerdings ersetzt das keinen Arztbesuch.

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose Die Leitlinie beschreibt die ärztliche Vorgehensweise und die aktuellen Standards in der Diagnostik und Behandlung der Endometriose aufgrund evidenzbasierter Ergebnisse.

Arztgespräch

Das Arztgespräch

Es ist wichtig, dass Sie sich gut auf Ihr Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten. Nachfolgend finden Sie dazu einige Hinweise.

Tipp:
Sie sollten genug Zeit für das Gespräch einplanen, mindestens 30 bis 45 Minuten. Günstig ist, schon bei der Terminvergabe darauf hinzuweisen, dass Sie mit einem Problem kommen, das voraussichtlich nicht in den üblichen 15 Minuten abzuhandeln ist. Das entspannt die Situation für alle Beteiligten. Natürlich macht es auch einen Unterschied, ob Sie die Ärztin oder den Arzt bereits kennen oder ob Sie sich zum ersten Mal gegenübersitzen.

Vorbereitung auf das Gespräch:

  • Legen Sie das Ziel und die Inhalte des Gesprächs vorher grob fest.
  • Notieren Sie sich Ihre Fragen und Ihre wesentlichen Aussagen. In der Aufregung vergisst man mitunter Wichtiges.
  • Bringen Sie vorhandene Unterlagen, Befunde (Blutwerte, OP-Berichte etc.) und Ihr Schmerztagebuch zum Termin mit.

Während des Gesprächs:

  • Stellen Sie alle Ihre Fragen, haken Sie gegebenenfalls nach.
  • Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen.
  • Hören Sie aktiv zu und machen Sie sich Notizen.
  • Bitten Sie um Befunde oder Laborberichte für Ihre Unterlagen.

Nachbereitung des Gesprächs:

  • Sind all Ihre Fragen beantwortet worden?
  • Sind eventuell neue Fragen entstanden?
  • Kennen Sie das weitere Vorgehen?
  • Sind Ihnen die Vor- und Nachteile einer vorgeschlagenen Diagnostik bzw. Therapie bekannt?
  • Benötigen Sie einen neuen Termin?

Eine zweite Meinung einholen:

Oft gibt es in der Medizin nicht die eine richtige Therapie, viele Behandlungsansätze – seien es nun Therapien oder Operationen – haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Manche Eingriffe sind sogar mit gewissen Risiken verbunden. Es ist also nicht einfach herauszufinden, was für einen selbst der richtige Ansatz ist. Daher kann es sinnvoll sein, eine zweite medizinische Meinung einzuholen. Dieses Recht steht Ihnen zu.

 

Operative Methoden

Laparoskopie (Bauchspiegelung)

Eine Laparoskopie ist die derzeit einzige Diagnosemethode, um eine Endometriose zweifelsfrei festzustellen. Eine Laparoskopie wird unter Vollnarkose vorgenommen. Sie ist in der Regel minimalinvasiv, das heißt möglichst schonend, und hinterlässt äußerlich nur sehr kleine Narben. Bei der OP wird die Bauchhöhle mit zwei bis drei Litern Kohlendioxid aufgeblasen. Dadurch weitet sich das Untersuchungsfeld und die Sicht verbessert sich. Zugleich schafft das mehr Freiraum zwischen den Organen für die Behandlung. Für die Diagnose einer Endometriose wird während der OP eine Gewebeprobe entnommen, die dann im Labor untersucht wird.

Laparoskopie ist zugleich die gängigste Methode zur Entfernung von Endometrioseherden im Unterbauch. Während der OP sucht der Operateur bzw. die Operateurin den Bauchraum nach Endometrioseherden ab. Diese werden dann wahlweise durch Verdampfung mit Hochfrequenzstrom, Hitze oder Laser zerstört oder durch Schnitte entfernt. Es ist wichtig sich von einem erfahrenen Operateur bzw. einer erfahrenen Operateurin behandeln zu lassen. Diese sind in der Regel in zertifizierten Endome-trioseeinrichtungen zu finden.

Eine diagnostische Bauchspiegelung dauert circa 30 Minuten. Eine therapeutische Bauchspiegelung, bei der Verwachsungen oder ausgedehnte Endometrioseherde entfernt werden, kann bis zu zwei Stunden dauern. Von der Art und dem Verlauf der OP hängt auch die Dauer des Krankenhausaufenthaltes ab. Bei kleineren Eingriffen kann das Krankenhaus zumeist nach einem Tag wieder verlassen werden. Wie man die Bauchspiegelung verträgt beziehungsweise wie man sich nach der OP fühlt, ist individuell unterschiedlich. Häufig kommt es zu Beschwerden aufgrund des Kohlendioxids, dass sich innerhalb von ein paar Tagen jedoch wieder abbaut.

Erfahrungsbericht zur Laparoskopie von Claudia

Vor dem eigentlichen Eingriff finden Untersuchungen und (Aufklärungs-) Gespräche statt. Auch organisatorische Sachen, wie etwa welche Personen informiert werden dürfen und was alles gemacht werden darf, sollten dann geklärt werden. Ebenfalls zur Vorbereitung gehört die Darmreinigung mit Hilfe von Abführmitteln.
Zur OP nehmt am besten bequeme Sachen mit, Hosen mit weitem Gummizug zum Beispiel, ein Schlafshirt, Schuhe, für die man sich nicht bücken muss und Einlagen für eventuell auftretende Blutungen. Nagellack und Schminke sollten an diesem Tag keine Rolle spielen!
Bei einer Laparoskopie werden drei kleine Schnitte gemacht: Rechts und links am Unter-bauch und im Bauchnabel. Durch diese Öffnungen und durch die Scheide wird dann alles begutachtet. Rechts und links werden nach Bedarf Instrumente eingeführt und durch den Bauchnabel kommt eine Kamera inklusive Beleuchtung. In Operationsvideos ist sehr gut zu erkennen, welchen Einblick die Ärzte in dem Fall haben. Die Bauchhöhle wird mit etwa zwei bis drei Litern Kohlendioxid aufgeblasen. Das dient der besseren Sicht und die Ärzte haben mehr Platz für den anstehenden Eingriff, da sich dadurch die Bauchorgane voneinander trennen.
Viele haben noch einige Zeit mit den Nachwirkungen des Gases zu tun. Das Gas drückt auf das Zwerchfell. Das wiederum trifft einen Nerv, der in die Schulter ausstrahlt, was zu Schmerzen dort führen kann. Anhaltender Magen- und Darmdruck sind auch nicht selten. Je nach OP können Blase und Darm auch mal eine Zeit lang nicht so funktionieren wie gewohnt. Das sollte bei den Ärzt*innen oder Pfleger*innen angesprochen werden!

  • Verträglichkeit der Narkose
  • Kreislaufprobleme nach der OP
  • Eventuell werden stärkere/sehr starke Schmerzmittel benötigt!
  • Fühle ich mich sicherer, wenn ich einen Arzt, bzw. Ansprechpartner in der Nähe habe?
  • Ist für eventuelle Komplikationen jemand für mich da, wenn ich eine ambulante OP möchte?
  • Will ich eine Anschlussheilbehandlung beantragen?

Die Laparoskopie dient sowohl als Diagnose als auch als operative Therapiemethode. Endometriose-Herde werden entfernt und Gewebeproben entnommen. Diese werden dann histologisch untersucht. Hier lässt sich außerdem bestimmen, ob es sich um aktive oder um inaktive Endometriose handelt.

Spannend ist, wie sich Endometriose und Verwachsungen darstellen und wie Endometriose in der Entstehung aussieht. Hier wird ganz deutlich, wie wichtig es ist, zu einem Spezialisten zu gehen. Der einzige Unterschied im Anfangsstadium zu gesundem Gewebe ist wohl, dass Endometriose rau aussieht und nicht glänzend. Nur ein geschultes Auge kann das erkennen. Welche Schwierigkeiten Endometriose auch auf für Operateur*innen birgt, beschreibt Dr. Harald Krentel z.B. in unserer Broschüre »Endometriose- Einflüsse und Handlungsoptionen«

Auf der Seite unserer österreichischen Schwesterorganisation, Endometriose Vereinigung Austria, findet sich eine weitere Beschreibung der Bauchspiegeleung: https://www.eva-info.at/behandlung-ernaehrung/ .

Weitere operative Methoden

Je nach Ausprägung der Endometriose kann eine Darm- und/oder Blasenspiegelung zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken angezeigt sein. Bei großflächigen Endo-metrioseherden, massiven Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstigen Stellen kann darüber hinaus ein Bauchschnitt (Laparotomie) erforderlich sein. Damit wird der Bauchraum mittels eines Schnittes über die Bauchdecke geöffnet. Ein Bauchschnitt ist im Vergleich zur Bauchspiegelung ein schwerwiegenderer körperlicher Eingriff

Überprüft und aktualisiert: 2020

 

Schmerztherapie

Schmerztherapie

Medikamentöse Schmerztherapie

Durch die Gabe von Schmerzmedikamenten wird der durch die Endometriose verursachte Schmerz behandelt. Diese Medikamente haben keinen Einfluss auf den Verlauf der eigentlichen Erkrankung und therapieren sie nicht. Sie behandeln nur die Symptome, nicht aber die Ursache. Zum Überbrücken einer Notsituation ist die Einnahme von Schmerzmitteln hilfreich, aber sie birgt auch Gefahren: Ihre längere und regelmäßige Einnahme kann zu einem Suchtkreislauf führen, der dann nur mit großem Aufwand zu durchbrechen ist.

Im Durchschnitt liegt die bei chronischen Schmerzzuständen durch Schmerzmittel erreichbare Schmerzverminderung bei 10 bis 15 Prozent. Von einer Wirkung eines Schmerzmittels wird aber erst ausgegangen, wenn die Schmerzverminderung mindestens 30 Prozent beträgt. Über kurz oder lang kann ein Gewöhnungseffekt eintreten: Sie brauchen höhere Dosen und stärkere Schmerzmittel, um noch eine Wirkung zu erzielen.

Häufig eingesetzte Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Tramadol (rezeptpflichtig) können auf Dauer Leber und Nieren schädigen.

Tipp:
In vielen größeren Kliniken gibt es inzwischen Schmerzambulanzen, an die Sie Ihr*e Ärzt*in überweisen kann. In den meisten Schmerzambulanzen arbeiten interdisziplinäre Teams, bestehend aus Schmerztherapeut*innen, Psychotherapeut*innen, Physiothera-peut*innen und zum Teil in komplementären Methoden wie Akupunktur ausgebildete Fachkräfte, die gemeinsam mit Ihnen Konzepte für eine bestmögliche Schmerzreduktion erarbeiten.

Neuraltherapie

Bei der Neuraltherapie wird eine therapeutische, örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) durchgeführt. Sie kann entspannend wirken, Entzündungen hemmen, die Durchblutung fördern und Blockaden aufheben. Dadurch verspüren Patient*innen zum einen zeitweise Erleichterung, zum anderen können körperliche Heilungsprozesse in Gang gesetzt werden, wenn der Schmerzkreislauf durchbrochen ist.

Mulimodale Schmerztherapie

Aufgrund der sich über Jahre hinweg erstreckenden Schmerzen, können körperliche und psychische Mechanismen bei Endometriosepatient*innen eine zunehmende Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen hervorrufen. Chronische Schmerzen führen zu weiteren Verspannung und weiteren Schmerzen. Dauerhafte Nervenaktivierungen führen zudem zu Störungen in der Wahrnehmung der Schmerzen. Diese Störungen können so weit reichen, dass normale Berührungen bereits als sehr schmerzhaft empfunden werden. Viele Betroffene entwickeln auch psychosomatische Symptome, da sie in ihrem Leben stark eingeschränkt sind. Sie werden anfälliger für Depressionen und Angsterkrankungen. Um die Beschwerden zu lindern reicht in einer solchen Situationen eine Behandlung mit Medikamenten und OP nicht aus. Hier ist der Ansatzpunkt für die multimodale Schmerztherapie.

Bei einer multimodalen Schmerztherapie wird individuell auf Sie und Ihre Lebensbedingungen sowie Schmerzumstände eingegangen. Sie ist ein ganzheitliches Konzept. Zumeist arbeiten hier mehrere Fach- und Therapiebereiche zusammen, wie Psychotherapie, spezielle Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Ergotherapie, medizinische Trainingstherapie, sensomotorisches Training und weitere Verfahren.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die multimodale Schmerztherapie bei Endometriose in zertifizierten Schmerzzentren. Die Deutsche Schmerzgesellschaft listet auf ihrer Webseite alle schmerzmedizinischen Einrichtungen auf.

Hormone

Hormonelle Therapie

Die Gabe von Hormonen zielt auf diejenigen Endometrioseherde ab, die hormonell ansprechen und ebenso wie die Endometriumszellen der Gebärmutter im monatlichen Zyklus unter der Einwirkung von Östrogenen eine Schleimhaut aufbauen. Dadurch soll ein Aufbau der Schleimhaut und ihre Abblutung am Zyklusende verhindert werden. Die Aktivität der Endometrioseherde wird also lahmgelegt. Als Nebenwirkung versiegt die Menstruation, da eine generelle Hormoneinnahme nicht nur das Endometrium erreicht, sondern auch die Schleimhaut der Gebärmutter insgesamt.

Betroffene sprechen sehr unterschiedlich auf die Hormontherapie an, so dass keine Verallgemeinerungen möglich sind. Generell sollten Sie sich drei bis sechs Monate Zeit nehmen, um die Wirksamkeit einer hormonellen Therapie zu testen. Ein häufiges Wechseln der Präparate ist ungünstig.

Gestagene
Häufig wird die Einnahme einer „Pille“ angeraten, die ausschließlich Gestagene ent-hält. Eine andere Möglichkeit ist das Einsetzen einer Spirale, über die Gestagene abgesetzt werden. Gestagene, auch Gelbkörperhormone genannt, sorgen für die Entste-hung und Erhaltung einer Schwangerschaft. Durch ihre Einnahme wird dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Daraufhin blockiert er die Produktion von weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogene). So baut die Gebärmutter nach einiger Zeit keine Schleimhaut mehr auf und es kann sich kein befruchtetes Ei einnisten.

Gestagene haben vielfältige Nebenwirkungen, die nicht auftreten müssen, aber in Studien nachgewiesen wurden. Zu den schweren Störwirkungen gehören Depressionen und Zysten an den Eierstöcken. Beschrieben sind ansonsten Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Haarausfall, Akne, Hitzewallungen so wie eine erhöhte Thromboseneigung (Blutgerinnsel im Venensystem). Sie sollten eine Einnahme daher sorgfältig abwägen.

GnRH-Analoga
Eine andere Art der Hormontherapie sind GnRH-Analoga. Die Bildung von Östrogen und Progesteron (natürliches, vom Körper gebildetes Gelbkörperhormon) im Eierstock wird durch übergeordnete Hormone reguliert. Eines davon ist das natürliche GnRH (Gonadotropin-Releasing Hormon). Durch die Einnahme eines synthetisch hergestellten, unwirksamen GnRHs – dem GnRH-Analogon – wird die Produktion des körpereigenen, wirksamen GnRHs eingestellt. Das dann überwiegend vorhandene GnRH-Analogon ist unwirksam in Bezug auf die Östrogenproduktion in den Eierstöcken. Wegen des fehlenden Östrogens wird keine monatliche Schleimhaut mehr aufgebaut und nachfolgend gibt es auch keine Menstruation mehr.

Durch das fehlende Östrogen entsteht im Körper eine Situation wie in den Wechseljahren mit allen bekannten Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen, Stimmungsschwan-kungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Knochensubstanzverlust (Osteoporose). Vor allem wegen der bei längerer Einnahme auftretenden Osteoporose wird die Einnahme auf sechs Monate begrenzt. Zusätzlich wird eine sogenannte Addback-Behandlung zum Beispiel in Form eines niedrig dosierten Östrogens gegeben. Bei circa 80 Prozent der Patient*innen treten nach Beendigung der GnRH-Analogon-Therapie die endometrioseassoziierten Beschwerden irgendwann wieder auf. Aufgrund dessen und der erheblichen Nebenwirkungen sollte die Anwendung von GnRH-Analoga gründlich abgewogen werden.

Nebenwirkungen der hormonellen Therapie
Alle aufgeführten Hormonpräparate greifen tief in die Eizellreifung ein. Die Einnahme synthetischer Hormone verändert den natürlichen Hormonhaushalt tiefgreifend und wirkt dadurch sowohl dem Entstehen als auch dem Erhalten einer Schwangerschaft entgegen. Frauen mit Kinderwunsch sollten diesen Umstand unbedingt bedenken bevor sie sich für eine hormonelle Therapie entscheiden.

Unter Ärzt*innen wird als Nebenwirkung der Hormontherapie ein erhöhtes Thromboserisiko sowie eine verstärkte Embolie-Neigung diskutiert. Das erfolgt vor allem im Zusammenhang mit der Anti-Baby-Pille der 3. und 4. Generation4, betrifft damit Endometrioseerkrankte, die diese Präparate einnehmen.

Komplementärmedizin

Komplementäre Behandlungen

Was kann ich (noch) tun?

Neben den benannten, schulmedizinischen Methoden sind auch andere Behandlungswege denkbar. Gerade bei einer chronischen Krankheit wie Endometriose fragen viele Betroffene: Was kann ich tun, um meinen Alltag mit der Krankheit positiv zu beeinflussen? Aufgrund des vielfältigen Erscheinungsbildes der Endometriose beeinflusst sie ganz unterschiedliche Lebensbereiche. Es lohnt sich daher, über den unmittelbaren therapeutischen Tellerrand hinweg zu schauen und weitere Behandlungsansätze in den Blick zu nehmen. Bei den komplementären Behandlungen stehen die Ziele im Vordergrund, die Symptome zu reduzieren, die Schmerzen zu verringern und das Wohlbefinden physisch und psychisch wiederherzustellen oder zu stärken.

Generell wirkt sich unsere Lebensweise auf unser Wohlbefinden aus – ob mit oder ohne Krankheit. Ernährung, Stressreduktion, Bewegung sowie das Arbeits- und Sozialleben sind sehr wichtige Faktoren, um Ihre Lebensqualität zu beeinflussen und zu verbessern.


Ernährung

Ernährung ist für Endometriosepatient*innen ein wichtiges Thema. Vielen Betroffenen hilft es, als Baustein einer ganzheitlichen Therapie ihre Ernährungsgewohnheiten unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls umzustellen. Da sich Endometriose auf den Darm auswirkt, leiden viele Betroffene unter Verdauungsproblemen. Ebenso spielen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Rolle, da sich Endometriose ebenfalls auf das Immunsystem auswirken kann. Ein diesbezüglicher Verdacht sollte medizinisch abgeklärt werden.

Die Ernährungstipps bei Endometriose sind so vielfältig wie die Patient*innen. Es gibt keine eindeutigen Empfehlungen. Manchen hilft eine vegane Ernährung, anderen glutenfreies Essen, wieder andere kommen mit fleischhaltiger low-carb-Kost sehr gut zurecht. Es gibt nicht den einen, richtigen Weg, sondern bedarf einer individuellen Suche.

Allerdings gelten die generellen Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung mit einem hohen Anteil aus frischen, natürlichen und unverarbeiteten Lebensmitteln auch für die meisten Endometriosepatient*innen. Je weniger Zusatzstoffe, desto besser. Eine Heilung wird durch die Ernährung zwar nicht erreicht, doch zum Wohlbefinden trägt sie sicher bei.

Bewegung und Physioterapie

Das natürliche Bedürfnis des Körpers ist Bewegung. Dazu hat er Muskeln, die immer leistungsfähiger werden, je mehr sie bewegt werden. Eine rein sitzende Lebensweise steht einem gesunden Leben entgegen. Bewiesen ist, dass mäßiger Ausdauersport das Immunsystem und den Blutdruck positiv beeinflusst. In der Bewegung lassen wir los und werden frei für neue Gedanken. Unser Glückshormonspiegel steigt. Das Hungergefühl reguliert sich positiv usw. Für Endometriosebetroffene ist regelmäßige, körperliche Bewegung zusätzlich wichtig, weil sie die Schmerzgrenze nach oben verschiebt und so auf natürliche Weise hilft, mit den Schmerzen umzugehen beziehungsweise weniger Schmerzen zu empfinden. Empfohlen werden Wandern, Radfahren, Walking, Schwimmen und Tanzen oder einfach einen Spaziergang in der Natur. Östliche Bewegungs- und Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong können ebenfalls hilfreich sein. Wichtig ist, dass Sie für sich die Bewegungsart finden, die Ihnen am meisten Freude macht.

Um überhaupt wieder dahin zu kommen, Freude an Bewegung empfinden zu können, kann auch eine Physiotherapie für Endometriosepatient*innen hilfreich sein. Die/der Physiotherapeut*in sollte sich Zeit für die Anamnese nehmen und dabei helfen, die Schmerzen besser verstehen zu lernen. Wenn der Körper ständig Schmerzen erlebt, entwickelt sich ein Schmerzgedächtnis, die Schmerzwahrnehmung verändert sich. Schmerztherapie braucht vor allem eines: Zeit.

Die diagnostischen Möglichkeiten im oft betroffenen kleinen Becken sind leider sehr begrenzt. Vielfältige Gründe können vorliegen, die Schmerzen und andere Probleme im Körper verursachen: Endometrioseherde, Entzündungen, Befall der Beckenbodenbän-der, Nervenirritationen, Nervenverletzungen, Muskelverspannungen, um nur einige zu nennen.

Bewegung trotz Schmerzen ist eine große Herausforderung. Die Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu fördern und gegebenenfalls den Schmerz (zumindest vorüber-gehend) zu lindern. In der Physiotherapie können kleine und kleinste Bewegungen erlernt werden, hierdurch können sich auch die Darmbeweglichkeit und die Blasenproblematik verbessern. In der Physiotherapie können der Beckenboden und die Beschaffenheit der Beckenbodenmuskulatur untersucht werden.

Physiotherapeut*innen können zudem prüfen, ob zu viel Muskelspannung (hyperton) oder zu wenig Muskelspannung (hypoton) vorhanden ist. Bei Endometriosebetroffenen ist ein hypertoner Beckenboden häufiger der Fall, ausgelöst durch die ständigen Schmerzen. Die Muskeln werden nicht so bewegt, wie es eigentlich vorgesehen ist. Durch die Schmerzen nehmen Betroffene eine Schonhaltung ein, indem sie den Bauch gekrümmt halten.

Tipp:
In schmerzfreieren Zeiten sollte der Becken- und Rückenbeweglichkeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diese Beweglichkeit wirkt sich schmerzreduzierend und durch-blutungsfördernd aus.
Mögliche physiotherapeutische Behandlungsansätze:

  • Beckenboden-Therapie
  • Atemthearapie
  • Manuelle Therapie
  • Bindegewebsmassage / Faszien-Technik
  • Bauchmassage / Colonmassage
  • Lymphdrainage
  • Brügger-Therapie
  • Mobilisationstechniken
  • Narbenbehandlung
  • Wärmenawendungen

Physiotherapie ist zunächst grundsätzlich eine Kassenleistung, allerdings darf Endometriose nicht als alleinige Diagnose auf der Verordnung stehen, da das derzeit nicht anerkannt ist. Es muss daher eine weitere Diagnose auf dem Rezept stehen. Grundsätzlich kann jeder Arzt bzw. jede Ärztin ein solches Rezept ausstellen. Sprechen Sie mit Ihren Ärzt*innen.

Stressabbau

Der Alltag mit einer chronischen Krankheit ist stressig und Dauerstress wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus. Es gibt leider auch hier keine goldene Regel, wie mit Stress und Schmerzen umgegangen werden kann, da sie sehr von der individuellen Lebenssituation und den persönlichen Bedürfnissen abhängen. Vor allem das Bewusstsein, Stress als negativen Faktor zu reduzieren, sollte bei Endometriosepatient*innen vorhanden sein.

Progressive Muskelrelaxation

Eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und den Körper zu entspannen ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, auch Progressive Muskelrelaxation (PMR) genannt. Dabei werden bewusst nach und nach verschiedene Muskeln angespannt und wieder gelockert, von den Händen geht es zum Nacken über den Rücken bis zu den Füßen. Der gewünschte Effekt ist ein Gefühl tiefer Entspannung und die Lösung von Dauerspannungen. In mehreren Studien wurde der positive Effekt von PMR, sowohl in Bezug auf Symptome als auch auf generelle Befindlichkeit, festgestellt. Medizinisch anerkannt ist diese Methode zum Beispiel bei chronischen Schmerzsyndromen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele Krankenkassen bieten Kurse zum Erlernen der Mus-kelentspannung an, es gibt Bücher und CDs. Auch im Internet kann man angeleitete Übungen finden und ausprobieren.

Achtsamkeit

Beim Achtsamkeitstraining handelt sich um eine Schulung des Geistes. Durch Übungen wie Atemmeditation oder Body Scan wird versucht, das Hier und Jetzt wahrzunehmen – also all das zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen was in diesem Moment gerade präsent ist – ohne es zu bewerten oder ohne es beeinflussen zu wollen.

Was einfach klingt, ist durch unseren sehr aktiven Geist allerdings nicht leicht in der Umsetzung: So stören leicht Gedanken, Grübeleien, innere Bilder oder Geräusche die Konzentration.

Mit der Verwurzelung im Hier und Jetzt reduziert sich die Belastung unmittelbar und spürbar und es stellen sich mittelfristig eine innere Ruhe und Wohlgefühl ein. Statt mit Zukunftsängsten und Sorgen beschäftigt sich das Achtsamkeitstraining mit Fragen, die sich auf die Gegenwart beziehen, wie zum Beispiel: Was kann ich in diesem Moment unter den gegebenen Bedingungen tun, damit es mir bessergeht?

Speziell zur Schmerzbewältigung werden Übungen zur bewussten Wahrnehmung von angenehmen Körperstellen oder auch Phantasiereisen eingesetzt. Achtsamkeit unterstützt dabei, selbstbestimmt Schmerz zu bewältigen und das ganzheitliche Wohlbefin-den zu steigern.

Pflanzenheilkunde

In der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) verwendet man Pflanzenteile und Heilkräuter, die bei verschiedenen Symptomen und Krankheiten Linderung verschaffen sollen. Pflanzen und vor allem Heilkräuter helfen, den Körper zu reinigen, die Nahrungsaufnahme und die Verdauung zu unterstützen, den Stoffwechsel anzuregen, die Beruhigung und Entspannung zu fördern sowie die Abwehrkräfte zu stärken.

Gerade im Bereich der „Frauenleiden“ gibt es sehr viele empfehlenswerte Heilkräuter wie Frauenmantel oder Himbeerblätter. Die Liste ist sehr lang und die Anwendungen reichen von der Erleichterung von Menstruationsbeschwerden bis zur Förderung des Kinderwun-sches.
Die Phytotherapie ist ein preisgünstiges Verfahren zur Linderung von Symptomen und zur mentalen Stärkung. Informationen zu Rezepturen und fertige Produkte wie Kräutertees oder -salben finden Sie in Ihrer Apotheke, im Internet oder auch bei spezialisierten Heilpraktiker*innen. Allerdings sollten Sie auch hier genau schauen, was Sie zu sich nehmen. Die Anwendung der Pflanzenheilkunde ist durchaus komplex und erfordert zunächst einige Recherchen und Beratung.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die jahrtausendealte Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) basiert auf der Vorstellung, dass Gesundheit dann erreicht ist, wenn die im Körper vorhandene Lebensenergie Qi frei und ausbalanciert fließen kann. Akupunktur, chinesische Kräuter, Ernährungsberatung, Bewegung, Lebensführung und verschiedene Massagetechniken sind Bestandteile der Behandlung.

Das Qi fließt nach der chinesischen Denkweise über Energiebahnen (Meridiane) durch den Körper. Ist der Energiefluss geschwächt oder behindert, können Schmerzen, Unwohlsein und Krankheiten entstehen. Zur speziellen Diagnostik der TCM gehören eine ausführliche Befragung zu den Symptomen und zum seelischen und körperlichen Befinden sowie eine Untersuchung. Daraus ergibt sich ein individuelles Behandlungskonzept. Bei Endo-metriose liegt der Schwerpunkt der TCM bei Kräutermedizin, Lebensführung, speziellen Körperübungen wie Qi Gong und einer ausgewählten Ernährung.

Psychotherapie

Psychotherapie

Mit Endometriose können zahlreiche psychische Belastungen einhergehen. Oft kann das Leben mit einer solchen chronischen Erkrankung nicht so geführt werden wie es den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht. Vielleicht bleiben sogar wichtige Lebensziele – seien es nun eigene Kinder, eine erfüllte Partnerschaft oder An-erkennung im Beruf – aufgrund der Erkrankung versagt. So verwundert es nicht, dass Endometriosepatient*innen häufig an Depressionen oder Angsterkrankungen leiden. Eine Möglichkeit, mit diesen Problemen umzugehen und zu einer größeren seelischen Ausgeglichenheit zu finden, ist die Psychotherapie. Derzeit gibt es vier wesentliche psychotherapeutische Ansätze, die von den Krankenkassen finanziert werden:

Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie setzt in der Gegenwart an und versucht, eingeschliffene, un-günstige Verhaltensweisen und Vorstellungen zu analysieren und darauf aufbauend zu verändern. Das kann zum Beispiel der Umgang mit Angst sein: Angstauslösende Momente und Gedanken werden im Gespräch identifiziert und es wird überlegt, wie sie aktiv gelöst werden können. Oft gibt die/der Therapeut*in auch konkrete Übungen auf, die bei der Problembewältigung helfen können.

Analytische Psychotherapie/Psychoanalyse
Die Methode geht auf den Begründer der modernen Psychotherapie Sigmund Freud zurück. Grob gesagt geht es darum, oftmals verdrängte Prägungen und Muster in der eigenen Vergangenheit zu identifizieren, die in der Gegenwart Auslöser psychischer Erkrankungen und Probleme sind. Klassischerweise liegt die/der Patient*in dabei und spricht, während die/der Therapeut*in zuhört.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Auch bei diesem, der Psychoanalyse verwandten Ansatz, geht es um nicht bewältigte Traumata und Konflikte, die in die Gegenwart ausstrahlen. Allerdings steht die Lösung der gegenwärtigen Probleme im Vordergrund des Gesprächs zwischen Patient*in und Therapeut*in und weniger die Analyse der Vergangenheit.

Systemische Psychotherapie
In der systemischen Psychotherapie wird die Erkrankung als Störung der Anpassung an die soziale Umwelt verstanden. Sie arbeitet an Beziehungen in der Familie und in anderen sozialen Systemen, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung eines Problems beteiligt sind und daher auch Veränderungs- und Lösungsprozesse beeinflussen. Sie nimmt damit nicht nur den/die einzelne*n Patient*in, sondern ihr/sein gesamtes Umfeld – Familie, Partner*in, Kinder, Beruf – in den Blick.

Es ist nicht immer einfach, die richtige Therapeutin oder den richtigen Therapeuten für sich zu finden, häufig gibt es Wartezeiten oder die gewünschte Therapierichtung wird nicht von der Krankenkasse finanziert. Wichtig bei der Entscheidung ist vor allem die Frage, ob Sie mit der/dem Therapeut*in ein Vertrauensverhältnis aufbauen können und Ihnen der jeweilige Behandlungsansatz zusagt. Achten Sie unbedingt auch auf die Ausbildung der/des Therapeut*in. Außerdem sollten Sie durchaus auch Ihr Bauchgefühl zu Rate ziehen. Nicht zu jeder/jedem Therapeut*in findet man auch einen Draht.

Ihre Krankenkasse hält eine Liste mit Adressen von Psychotherapeut*innen mit einer Kassenzulassung bereit. Natürlich finden Sie auch im Internet entsprechende Adressen. Ein Blick vor Terminvereinbarung auf die Webseite von Psychotherapeut*innen verrät oft viel über die jeweiligen Behandlungsansätze und -schwerpunkte.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere zu Erfahrungen mit Ernährungsumstellungen und naturheilkundlichen Therapien finden Sie in der Rubrik Zum Weiterlesen weitere Informationen.

 

Überarbeitet und aktualisiert: 2021

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