Über die Zertifizierungen

Auf dieser Seite geben wir Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema zertifizierte Endometriosezentrum. Wenn Sie Erfahrungen in einem zertifiziertem Endometriosezentrum gemacht haben – ob gute oder weniger gute – dann füllen Sie gerne unseren Fragebogen aus. Unter der Frage, was bedeuten zertifizierte Zentren für die Endometrioseversorgung?, erklären wir, warum ein Zertifikat kein Garant für Zufriedenheit bedeuten kann.

Was bedeuten die Kategorien einfaches, klinisches und klinisch-wissenschaftliches Endometriosezentrum?

Ein einfaches Endometriosezentrum zeichnet sich dadurch aus, dass es von einer erfahrenen Zentrumsleitung geführt wird, diese sich endometriosespezifisch fortbilden muss und ein Netzwerk mit weiteren Endometrioseversorgern etabliert ist. Die klinischen Endometriosezentren sowie die klinisch-wissenschaftlichen Endometriosezentren bieten zusätzlich operative Diagnostik und Behandlung. Dabei sollte mit den Bereichen Gynäkologie, Chirurgie, Pathologie, Sterilitätstherapie und Urologie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit standardmäßig gegeben sein. Zusätzlich sollten Schmerztherapie und psychosomatischer Unterstützung eingebunden sein. Kooperationspartner sollten aus dem Bereich Rehabilitation, Physiotherapie, Diätberatung und Radiologie kommen und das Netzwerk verstärken.
Klinisch-wissenschaftliche Endometriosezentren beteiligen sich zusätzlich an Forschungsstudien, betreiben eigene Forschungen und publizieren Fachartikel im Bereich der Endometriose. Zum Teil sind die Zentren in die universitäre Ausbildung eingebunden. Außerdem tragen sie zu Vernetzung der Endometriosezentren vor Ort und zur Qualitätssicherung bei (bspw. durch regelmäßige Qualitätszirkel).

Die Kliniken entscheiden selbst, für welches Zertifikat sie sich bewerben. Es gibt auch  Kliniken, die alle Voraussetzungen für ein klinisch-wissenschaftliches Zentrum mitbringen, jedoch den Antrag auf ein einfaches Endometriosezentrum gestellt haben und als solches zertifiziert wurden. Die Zentren unterscheiden sich in den Behandlungsmöglichkeiten, die Qualität der jeweiligen Behandlung wird an den gleichen Standards gemessen, die ein einfaches Zentrum genauso zu erfüllen hat wie ein klinisch-wissenschaftliches Zentrum.

Wie verläuft eine Zertifizierung?

Wenn eine Klinik oder eine gynäkologische Praxis als Endometriosezentrum zertifiziert werden möchte, muss sie bestimmten Kriterien gerecht werden und festgelegte Leistungsmerkmale aufweisen. Diese Kriterien werden anhand eines Erhebungsbogens sowie eines Audits (persönliches Kennenlernen und Begutachtung der Klinik / Klinikabläufe durch SEF, EEL und EVD) geprüft.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Zertifizierung von Endometriosezentren ist, dass wir als Patientinnenvertretung an der Zertifizierung beteiligt sind und Kriterien aus Patientinnenperspektive prüfen können. Wir legen dabei unser Augenmerk insbesondere auf die Bereiche:

  • Ausstattung der Abteilung/ Praxis
  • Aufnahmeprozedere der Patientinnen von Anmeldung bis Behandlung
  • Ansprechpartner für die einzelnen Behandlungsschritte
  • Inhalte des Aufklärung- und Abschlussgesprächs
  • Informationsweitergabe an Patientinnen über Erkrankung und Selbsthilfemöglichkeiten
  • Hilfestellung des Sozialdienstes beim Beantragen von Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung
  • Angebote im komplementärmedizinischen Bereich

Anschließend an das Audit erhalten die Zentren einen Bericht der ärztlichen Auditoren und uns, in dem der Eindruck von Struktur- und Prozessqualität des Zentrums, Kritik und Anregungen und das gemeinsame Votum festgehalten ist.
Das Zertifikat wird in der Regel für die Dauer von drei Jahren ausgestellt. Danach können die Zentren einen Antrag auf Re-Zertifizierung stellen.
Auch Rehabilitationseinrichtungen können als Endometriosezentrum zertifiziert werden, wenn sie ein auf die Erkrankung abgestimmtes Behandlungsprogramm anbieten und eine bestimmte Mindestanzahl an Patientinnen pro Jahr behandeln.

Was bedeuten zertifizierte Zentren für die Endometrioseversorgung?

Es gibt klare Voraussetzungen für ein Zertifikat, je nach Zertifikat muss ein Zentrum eine bestimmte Anzahl an Untersuchungen oder Operationen im Jahr nachweisen, die Spezialist/innen müssen sich weiterbilden, es wird überprüft, welches Leistungsspektrum vom Zentrum erfüllt wird und vieles mehr. Die Zertifizierung legt die Strukturen des Zentrums und Prozesse der Endometriosebehandlung dar, die sich nach der aktuellen Leitlinie richten sollten.

Mitunter erhalten wir Rückmeldungen von Patientinnen über Endometriosezentren, manche davon fallen leider auch negativ aus. Diese Rückmeldungen nehmen wir ernst und sprechen sie bei der Re-Zertifizierung an. Rückmeldungen helfen uns dabei, das Zentrum besser einschätzen zu können, denn die Zertifizierung kann immer nur eine Momentaufnahme sein. Durch Rückmeldungen von verschiedenen dort behandelten Patientinnen erhalten wir ein paar Eindrücke mehr, die das Bild erweitern.

Das Zertifikat kann kein Garant für vollkommene Zufriedenheit oder eine 100% erfolgreiche Behandlung sein. Die Zertifizierung kann nicht alle Bedürfnisse von Endometriosepatientinnen abbilden und abdecken. Dafür sind sie zu unterschiedlich, wie die Endometriose eben auch bei jeder Betroffenen individuell ist. (Wie finde ich die passende Ärztin für mich?)

Die Zertifizierung von Endometriosezentren hat zu einer verbesserten Behandlung von Endometriosepatientinnen und einem breiteren Engagement von Behandlern und Behandlerinnen beigetragen. Patientinnen können schneller einen Spezialisten/ eine Spezialistin finden, haben mehr Optionen für Behandlungen, werden aktiv auf die Selbsthilfemöglichkeiten hingewiesen und bei der Beantragung von rehabilitativen Maßnahmen unterstützt. Als Patientinnenvertretung haben wir hierfür einen wichtigen Beitrag geleistet.

Überprüft und aktualisiert: 2018.

Nach oben