Reha und Sozialrecht

Rehabilitation, Schwerbehinderung, Erwerbsminderung

Die Erkrankung Endometriose hat oft einen chronischen Verlauf, sodass Frauen viele Jahre ihres Lebens mit den Auswirkungen auf das berufliche und private Leben zu kämpfen haben. Das Sozialsystem in Deutschland bietet Möglichkeiten, die Folgen einer chronischen Erkrankung durch verschiedene Maßnahmen abzumildern und für die einzelne Betroffene Erleichterungen zu schaffen. Das Wissen um diese Möglichkeiten ist bei Endometriosebetroffenen kaum ausgeprägt, da sie sich selbst nicht als „schwerbehindert“, „rehabilitationsbedürftig“ oder gar als „erwerbsunfähig“ sehen. Zunehmend mehr Frauen gelangen aber an einen Punkt, wo sie am Ende ihrer Kräfte sind und ihre gesundheitliche Situation es nicht mehr erlaubt, die beruflichen und familiären Verpflichtungen zu bewältigen.

Zu allen sozialrechtlichen Antragsverfahren liegen der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. vielfältige Erfahrungen von Betroffenen vor, von der jede Betroffene im Rahmen der individuellen Mitgliederberatung profitieren kann. Die Beratung umfasst sowohl die einzelnen Antragsverfahren bis hin zu ggf. notwendigen Widerspruchsverfahren, als auch die Abwägung von Vor- und Nachteilen für die einzelne Betroffene in ihrer jeweiligen beruflichen und familiären Situation. Hier auf der Webseite können wir nur allgemein in die Thematik einführen.

 

Rehabilitation

Medizinische Rehabilitationsleistungen für gesetzlich Kranken- und Rentenversicherte

Einen Anspruch auf medizinische Rehamaßnahmen haben Betroffene soweit dies notwendig ist um wieder erwerbsfähig an den Arbeitsplatz zurückzukehren oder wenn der Erhalt der Erwerbsfähigkeit aufgrund der gesundheitlichen Probleme gefährdet ist. Für jede Rehamaßnahme gelten bestimmte medizinische und versicherungsrechtliche Voraussetzungen, die jeweils im Einzelfall individuell geklärt werden müssen.

Eine Rehabilitationsbehandlung kann zum Beispiel aus folgenden Gründen medizinisch notwendig sein:

  • Chronisch rezidivierende Endometrioseerkrankung
  • Geschwächter Zustand nach der OP (z.B. Laparotomie, Laparoskopie oder Hysterektomie)
  • Nach Operationskomplikationen
  • Bei Blasen- oder Darmstörungen
  • Behandlung mit GnRH ‐ Analoga (künstliche Menopause)
  • Unerfüllter Kinderwunsch (z.B. nach IVF‐Behandlungen, Sterilitätsbehandlungen)
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Depressive Belastungsreaktion

Hier finden Mitglieder unsere Formulierungshilfen zur Beantragung einer Endometriose-Reha.

Im Rahmen einer stationären Rehamaßnahme erfolgen individuell auf die Erkrankung abgestimmte Behandlungen und Therapien, die je nach Bedarf von spezialisierten Ärztinnen, Physiotherapeutinnen, Krankengymnastinnen, Diätassistentinnen und Sozialarbeiterinnen betreut werden.

Bei der Auswahl einer geeigneten Klinik hat die Patientin ein Wunsch- und Wahlrecht, das nur nach Kostenträger und Indikation eingeschränkt ist. Für die Erkrankung Endometriose gibt es ein Zertifizierungsverfahren für Praxen, Kliniken und auch Rehaeinrichtungen. Soweit Kliniken ein spezielles Endometriose-Kleingruppentherapiekonzept mit den entsprechenden Patientinnenzahlen tatsächlich umsetzen, können sie als „Zertifizierte Endometriose-Rehabilitationseinrichtung“ anerkannt werden. Soweit die Erkrankung Endometriose im Vordergrund der Beschwerden steht, empfiehlt es sich immer eine solche zertifizierte Rehaeinrichtung zu wählen.

Folgend finden Sie die zertifizierten Rehabilitaionskliniken.

Asklepios Klinik Am Kurpark 23611 Bad Schwartau

Asklepios Klinik Am Kurpark Bad Schwartau

Am Kurpark 6 – 12, 23611 Bad Schwartau, Chefärztin Dr. Basse, Oberärztin Dr. Buitkamp

Tel: 0451 2004 0

Mail: badschwartau@asklepios.com

https://www.asklepios.com/bad-schwartau/

Rehabilitationsklinik Gynäkologie der Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg Kur GmbH

Rehabilitationsklinik Gynäkologie der Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg Kur GmbH
Kurpromenade 1, 06905 Bad Schmiedeberg

Chefarzt Herr Dr. Cornelius

Tel. 034925 6 30 37

Mail: info@eisenmoorbad.de

www.heilbad-bad-schmiedeberg.de

Ameos Reha Klinikum Ratzeburg

Ameos Reha Klinikum Ratzeburg, Abteilung Gynäkologie
Röpersberg 47, 23909 Ratzeburg

Chefärztin Frau Dr. Knauth

Tel. 04541 13 3800

Mail: info.reha@ratzeburg.ameos.de

www.ameos.eu/standorte/ameos-nord/ratzeburg

Städtisches Rehakliniken Bad Waldsee

Städtisches Rehakliniken Bad Waldsee, Abteilung Gynäkologie
Maximilianstraße 13, 88339 Bad Waldsee

Chefärztin Frau Dr. Rabanus

Tel. 07524-94-02

Mail: info@waldsee-therme.de

www.rehakliniken-waldsee.de

MEDIAN Klinik Schlangenbad

MEDIAN Klinik Schlangenbad, Abteilung Gynäkologie
Rheingauer Straße 18, 65388 Schlangenbad

Chefärztin Frau Dr. Donau

Tel. 06129- 410

Mail: kontakt.schlangenbad@median-kliniken.de

www.median-kliniken.de/de/median-klinik-schlangenbad


Wenn Ihnen eine Rehaklinik zugwiesen wird, die keine spezifische Endometriose-Reha anbietet, können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Hier finden Sie die Formulierungshilfe dazu.

Anschlussheilbehandlung (AHB)

Das Krankenhaus stellt nach stationärer Maßnahme fest, ob eine Anschlussheilbehandlung erforderlich ist. Der Sozialdienst des Krankenhauses hilft Ihnen, den Antrag zu stellen. Die Hilfe umfasst keine Rechtsberatung!

Für die AHB gibt es zwei Wege, die davon abhängig sind, bei welchem Rentenversicherungsträger Sie versichert sind:

  1. Sie werden direkt in eine Reha-Einrichtung verlegt, ohne dass die Entscheidung des Kostenträgers (Rentenversicherung oder Krankenversicherung) abgewartet werden muss.
  2. Ist eine direkte Verlegung nicht möglich, werden Sie schnellstmöglich in eine Reha-Einrichtung verlegt, nachdem der Kostenträger (Rentenversicherung oder Krankenversicherung) kurzfristig über den Antrag entschieden hat.

Weiterhin müssen bei der Antragstellung bestimmte versicherungsrechtliche Bedingungen vorliegen. "6 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen in den letzten 2 Jahren" ist die am häufigsten zu erfüllende Voraussetzung.

Bei Ihnen darf auch kein sogenannter Ausschlussgrund vorliegen (z.B. dass Sie Beamter auf Lebenszeit sind - dann können Sie AHB-Leistungen nicht über die Deutsche Rentenversicherung, aber möglicherweise über Ihre Krankenversicherung beantragen). Das ist eine Regelung in der Satzung.

Die Prüfung der Voraussetzungen erfolgt durch den zuständigen Rentenversicherungsträger.

Eine Entscheidung kann nicht vom Krankenhaus getroffen werden, hier liegt die Entscheidungskompetenz (Entlassungsmanagment)nur in der Antragstellung. Die Bewilligung und Antragstellung sind zu unterscheiden.

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Wenn es nach einer medizinischen Rehabilitation, einer längeren Krankheit oder einer auftretenden Behinderung nicht möglich ist, an den bisherigen Arbeitsplatz zurückzukehren, können berufsfördernde Leistungen über die Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder die Berufsgenossenschaft erbracht werden. Nach einer längeren, krankheitsbedingten Abwesenheit kann es Unterstützung bei der Rückkehr in das Berufsleben geben, zum Beispiel ein mehrstufiges Stundenmodell (auch Hamburger Modell genannt) oder ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM).

Jede Arbeitnehmerin, die insgesamt mehr als sechs Wochen in einem Jahr arbeitsunfähig war, hat ein Recht auf ein BEM. Dabei muss der Arbeitgeber anbieten, gemeinsam nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitssituation zu suchen.

Was ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) bedeutet, welche Rechte und Pflichten sich ergeben, beantwortet dieser Artikel.

 

Erwerbsminderung

Kann durch eine medizinische oder berufliche Rehabilitation die Erwerbsfähigkeit nicht wieder hergestellt werden, kommt die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente in Betracht. Die medizinischen Voraussetzungen sind erfüllt, wenn aufgrund der Erkrankung(en) eine Erwerbstätigkeit nicht oder nur eingeschränkt ausgeübt werden kann. Volle Erwerbsminderung besteht, wenn weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann, bei drei bis unter sechs Stunden besteht eine teilweise Erwerbsminderung. Die Erwerbsminderungsrente wird i.d.R. befristet zuerkannt. Bestehen die gesundheitlichen Einschränkungen weiter, muss ein Antrag auf Weitergewährung gestellt werden. Zuständig ist der jeweilige Rentenversicherungsträger.

 

Grad der Behinderung / Schwerbehinderung

Eine Behinderung liegt vor, wenn körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder sie seelische Gesundheit gleich aus welchen Grund (Krankheit, Unfall, angeboren) eingeschränkt sind und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dadurch länger als sechs Monate erschwert ist. Unter diese Definition fallen auch Endometriose bedingte Einschränkungen. Erfahrungsgemäß treten bei stark betroffenen Frauen neben Endometriose noch andere Erkrankungen auf, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen. Bei der Beurteilung, ob eine Schwerbehinderungseigenschaft zuerkannt wird, spielen sämtliche Beschwerden, Diagnosen und Einschränkungen eine wichtige Rolle und müssen entsprechend vorgetragen werden. Die Beurteilung erfolgt individuell unter Berücksichtigung durch das zuständige Amt, z.B. Versorgungsamt, Amt für Familie und Soziales oder Abteilungen für Schwerbehindertenangelegenheiten (je nach Bundesland und Kommune unterschiedlich). Eine Übersicht bietet die Seite www.integrationsaemter.de, dort erhalten Sie auch allgemeine Informationen über Zuständigkeiten, Verfahren und Rechtsgrundlagen zum Thema Schwerbehinderung.

Versorgungsmedizinische Grundsätze enthält die Broschüre „Versorgungs-Medizin-Verordnung“ enthält  und informiert umfassend über Schwerbehindertenausweis und Grad der Behinderung. Diese Broschüre kann auch beim Bundesministerium für Gesundheit angefordert werden.

Bei der Antragstellung ist insbesondere zu beachten, dass möglichst vollständige Angaben dazu gemacht werden, wie die körperlichen und/oder seelischen Gesundheitsstörungen das tägliche Leben in Beruf, Familie und Freizeit einschränken.

Ein Schwerbehindertenausweis wird ausgestellt, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 beträgt. Soweit ein GdB zwischen 30 und unter 50 festgestellt wird, ist ein Gleichstellungsantrag bei der Agentur für Arbeit möglich.

Widerspruchsverfahren
Leider kommt es häufig vor, dass dem Antrag von Endometriosebetroffenen nicht oder nur in geringem Umfang entsprochen wird. Dann ist es möglicherweise sinnvoll, ein Widerspruchsverfahren zu führen. Innerhalb der im Bescheid angegeben Frist ist dann Widerspruch einzulegen. Vor dem Anfertigen der Begründung des Widerspruchs ist es sinnvoll, Akteneinsicht zu beantragen. Anhand der Akte ist ersichtlich, auf welche Befunde und ggf. noch beigezogene Arztberichte sich die Entscheidung der Behörde stützt und was ggf. noch keine Beachtung gefunden hat. Darauf lässt sich die Widerspruchsbegründung aufbauen. Darüber hinaus können weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen und Argumente jederzeit bis zum Ende des Widerspruchsverfahrens und auch noch in einem späteren Klagverfahren „nachgeschoben“ werden.


Mitglieder der Endometriose-Vereinigung können gern unser sozialrechtliches Beratungsangebot in Anspruch nehmen.

Nach dem Einloggen sehen Mitglieder hier die Dateien.


überprüft und aktualisiert: 2021

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